Seilbahn, Riesenrad und mehr: Das sind die Visionen für den Inselsberg

Bad Tabarz.  Verschiedene Investitionen sind auf dem Inselsberg geplant, doch schwierige Eigentumsverhältnisse machen die Planungen kompliziert.

120.000 Gäste zog es im vergangenen Jahr auf den Großen Inselsberg. Damit künftig noch mehr Touristen kommen, soll das Areal bis zum Jahr 2025 umgestaltet werden. Ein Architektenwettbewerb soll demnächst starten.

120.000 Gäste zog es im vergangenen Jahr auf den Großen Inselsberg. Damit künftig noch mehr Touristen kommen, soll das Areal bis zum Jahr 2025 umgestaltet werden. Ein Architektenwettbewerb soll demnächst starten.

Foto: Peter Riecke

Er ist weithin als faszinierender Blickfang sichtbar: Für Fußgänger, aber auch für Millionen Autofahrer, die jedes Jahr die A 4 nutzen: Der 916 Meter hohe Inselsberg. Mehr denn je soll er nun ein Tourismusmagnet in Thüringen werden. Darum kreisen seit Jahren viele Gedanken. Die neueste Idee ist laut dem Bad Tabarzer Kuramtsleiter Marcel Wedow, dass ab April 2021 für einige Monate ein rund 40 Meter hohes Riesenrad auf dem Plateau stehen soll. Besitzer ist ein Schausteller aus Wutha/Farnroda. „Wir möchten keinen Rummel, aber immer wieder zeigen, dass wir den Berg attraktiver machen wollen“, so Wedow.

Diesbezüglich mangele es nicht an Aktivitäten – der 50-Jährige erwähnt als Beispiele die Frühschoppen mit Bustransfer, Krimilesungen, die Sternschnuppennacht, Kochbuchvorstellungen, Talkrunden oder die bisherigen 132 Trauungen im Aussichtsturm. Zugleich verweist Wedow auf die nach wie vor komplizierten Eigentumsverhältnisse, die langfristige Veränderungen einschließlich geplanter Investitionen „so schwer machen."

Vision einer Seilbahn vom Kleinen zum Großen Inselsberg

Die Probleme beginnen bei der Anfahrt. Die Straße mit der Nummer K 10 führt 1300 Meter auf buckligem Untergrund, teilweise einspurig, nach oben. Als „unerträglich“ bezeichnet David Ortmann den Zustand. Der 37-jährige Bürgermeister von Bad Tabarz, der kürzlich erst für weitere sechs Jahre mit 98 Prozent der Stimmen gewählt wurde, kommt dann auch schnell auf eines seiner Lieblingsthemen zu sprechen – die Vision einer Seilbahn. Denn künftiger Pkw-Verkehr wäre aus seiner Sicht „die schlechteste Variante“, eine Gondel vom Kleinen Inselberg mit über 500 Parkplätzen zum Großen Inselsberg „die logischste“.

Ein Vorteil dabei sei, dass dieses Gebiet zur Gemarkung der Gemeinde Bad Tabarz gehört, die das obere Plateau auf dem Berg mit dem darüber führenden Rennsteig gepachtet hat.

Drei Postleitzahlen für die Häuser

Doch sie entscheidet nicht allein in luftiger Höhe, wo im vergangenen Jahr etwa 120 000 Gäste zu Besuch waren. 80 Prozent des Geländes sind in privater Hand, den Rest teilen sich drei Gemeinden und zwei Landkreise. Ein einziger Buchstabe macht dabei einen Unterschied aus. Auf dem Berg gibt es sowohl die Inselbergstraße als auch die Inselsbergstraße, die zu verschiedenen Gemeinden gehören.

Zu Brotterode/Trusetal beziehungsweise zu Bad Tabarz, was auch zwei Landkreise – Gotha sowie Schmalkalden-Meiningen – bedeutet. Und Waltershausen besitzt ebenfalls anteiliges Eigentum auf dem Inselsberg, wo drei Postleitzahlen - 98596, 99890, 99891 - für die maximal 100 Meter auseinander liegenden Gebäude existieren: Für den geöffneten Berggasthof Stöhr, den Funkturm, die Jugendherberge, den Aussichtsturm sowie das Gasthaus „Großer Inselsberg“, das einst „Stadt Gotha“ hieß.

Bergplateau soll bis 2025 ein neues Antlitz erhalten

Die Landesregierung hat sowohl die Problematik als auch die Chance rund um den geteilten Berg erkannt. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bezeichnet ihn „als Wahrzeichen", das touristisch aufgewertet werden müsse. Dafür soll das Bergplateau bis 2025 ein neues Antlitz erhalten. Zur Umsetzung will die Landesentwicklungsgesellschaft noch in diesem Jahr einen europaweiten Wettbewerb starten, bei dem Architekten ihre Entwürfe zur Gestaltung des Areals einreichen können.

Tiefensee weiß, dass eine veränderte Infrastruktur mit Verbesserung der Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten unerlässlich sind – im Konjunkturpaket des Landes sind dafür rund fünf Millionen Euro veranschlagt. Der bald aus seinem Amt scheidende SPD-Politiker wünscht sich jedenfalls Sommer- und Winterangebote für Touristen, Gespräche mit den ansässigen Unternehmern und den umliegenden Kommunen laufen deshalb.

Das bestätigt David Ortmann. Im Oktober ist das nächste Treffen geplant. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er dann wieder das Thema Seilbahn ansprechen wird. Und Marcel Wedow freut sich schon auf das Riesenrad. Auch wenn er sich die Fahrten nur vom Boden aus anschauen wird. „Denn ich war schon als Kind nicht höhentauglich.“

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