In Thüringen leben die ausgeschlafensten Deutschen

Erfurt  Am 31. März werden wieder die Uhren gestellt. Während die Krankenkasse Barmer am Sonntag eine Hotline öffnet, fordert die Linke im Bundestag Sommerzeit für alle.

Ein Mann blättert die Ziffern einer Klappzahlenuhr um. Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Ein Mann blättert die Ziffern einer Klappzahlenuhr um. Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Thüringer sind die ausgeschlafensten Deutschen. Während im Bundesdurchschnitt zwei Drittel der Menschen gern länger schlafen würden, sagt das hierzulande nur die Hälfte. Das ist spitze unter den Bundesländern, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Ipsos Observer im Auftrag der Barmer ergab.

Befragt wurden 4000 Menschen zwischen 14 und 75 Jahren. Im Schnitt schlafen die Befragten sieben Stunden am Stück. Die Hälfte sagt, sie schlafe in der Regel in der Nacht durch. Nur 40 Prozent geben an, auch tagsüber gern schlafen zu wollen, bundesweit ist es die Hälfte der Befragten. Im Gegensatz dazu steht allerdings ein hinterster Platz bei der Zufriedenheit mit der Schlafmenge insgesamt.

Zusammen mit dem Saarland haben die Thüringer auch die größten Probleme beim Einschlafen. Am leichtesten tun sich hier die Sachsen vor Hamburg und Bayern. Bei der allgemeinen Schlafzufriedenheit ist Thüringen nur Fünftletzter.

Fernseher und Smartphones halten vom Schlafen ab

Laut Studie halten vor allem elektronische Geräte wie Fernseher, Tablet und Smartphone sowie die Nutzung des Internets die Deutschen vom Schlafengehen ab. Im Bett haben TV und Handy das Buch abgelöst. Mit der Umfrage wolle man aber auch auf Schlafprobleme durch die Zeitumstellung aufmerksam machen, so Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer.

„Wenn in der Nacht von Samstag zu Sonntag die Uhren möglicherweise ein letztes Mal auf Sommerzeit umgestellt werden, bringt die kürzere Nacht bei vielen Menschen den Schlafrhythmus gehörig durcheinander“, so Dziuk. Ratsuchende können sich von Mitternacht bis 5 Uhr kostenlos an den Teledoktor der Krankenkasse wenden (Telefon (0800) 848 41 11).

Laut DAK-Gesundheit hatte jeder Vierte schon Probleme durch die Zeitumstellung. Die meisten litten an Einschlafproblemen und Schlafstörungen. Knapp ein Drittel konnte sich schlechter konzentrieren, ein Viertel fühlte sich gereizt. Am häufigsten waren Müdigkeit und Schlappheit, fast jeder Zehnte klagte über depressive Verstimmungen. Betroffenen rät die Kasse, dem Biorhythmus Zeit für die Umstellung zu lassen. Neben Geduld helfen Entspannung und frische Luft.

Abschaffung der Zeitumstellung bereits beschlossen

Das EU-Parlament hat die Abschaffung der Zeitumstellung ab 2021 beschlossen. Unklar ist, ob dann die neue Sommer- oder die alte Winterzeit gelten soll. Die Linken im Bundestag fordern die Bundesregierung in einem gestern eingebrachten Antrag auf, sich im EU-Rat für die schnellstmögliche Abschaffung der Umstellung einzusetzen und für Deutschland die dauerhafte Sommerzeit anzukündigen.

„Niemand schreibt vor, dass es in Mitteleuropa eine einheitliche Zeitzone geben muss. Es gibt gute Gründe für die Sommerzeit. Allen voran sehe ich die längere abendliche Aktivität nach Schule und Arbeit, da es länger hell ist“, sagt Ralph Lenkert, Linken-Sprecher für Technikfolgenabschätzung. Bei einer 2018 beendeten Online-Umfrage der EU sprachen sich die meisten der 4,6 Millionen Teilnehmer für eine ganzjährige Sommerzeit aus.

Zum Leitartikel: Europa dreht an der Uhr