Jena muss wieder Asylbewerber aufnehmen

Die Stadt Jena muss wieder Asylbewerber aufnehmen. Barbara Wolf, Leiterin des Fachdienstes für Soziales bei der Stadtverwaltung, verwies gestern auf die Ankündigung des Thüringer Landesverwaltungsamtes, wonach der Freistaat in diesem Jahr 1400 Flüchtlinge unterzubringen hat.

Asylbewerber unterkommen. Foto: Michael Groß

Asylbewerber unterkommen. Foto: Michael Groß

Foto: zgt

Jena. Zwar galt seit 2003 die Regelung, dass Erfurt und Jena für ganz Thüringen ausschließlich die so genannten jüdischen Kontingentflüchtlinge übernehmen, damit diese Menschen nicht so stark zersiedelt in Deutschland leben. "Das sind mittlerweile aber nur noch sehr wenige", sagte Barbara Wolf – deshalb die Erweiterung der Aufgabe in Jena.

Die "Flüchtlingsverteilungsordnung", so erläuterte die Fachdienstleiterin, sieht auch für Jena gemessen an der Einwohnerzahl einen Anteil von 4,7 Prozent unterzubringender Asylbewerber vor. "Das sind 65 Leute im Jahr"; hinzu kämen 30 jüdische Kontingentflüchtlinge.

Die Asylbewerber sollen auch im Haus Schulstraße (Wenigenjena) unterkommen, das bislang von Spätaussiedlern und jüdischen Kontingentflüchtlingen genutzt worden war. Überdies will die Verwaltung jetzt per Ausschreibung weitere Unterbringungskapazitäten durch freie Anbieter initiieren. "Im Moment erarbeiten wir dafür eine Leistungsbeschreibung", sagte Barbara Wolf.

Nordafrika-Faktor

Das Haus Schulstraße mit seinen 80 Plätzen decke natürlich schon insofern nicht den Bedarf, als die genannten Aufnahme-Zahlen jährlich fällig sind und für jeden Asylbewerber-Fall oft mehr als ein Jahr Verfahrenzeit veranschlagt werden muss, erläuterte Barbara Wolf.

Und: In der Zahl 1400 seien vor allem Herkunftsländer wie Iran, Irak und Afghanistan inbegriffen wie auch Roma aus Serbien. "Nordafrika ist da noch nicht mitgerechnet", merkte die Fachdienstleiterin an. Wenn die Politik die Flüchtlingsbewegung nach den arabischen Umbrüchen nicht zu stoppen vermöge, "dann haben wir auch in Jena andere Zahlen".

Politisch sehr zu begrüßen sei, dass die Stadt bei der Ausstattung der Asylbewerber-Unterkünfte über den vorgegebenen Standard hinausgehen will, sagte gestern Sozialausschuss-Vorsitzender Reyk Seela (CDU). Zu den Planungen würden auch Informationsveranstaltungen für die Jenaer in der Nachbarschaft der keinesfalls an der Peripherie einzurichtenden Unterkünfte gehören. Seela: "Es geht nicht, hier vollendete Tatsachen für die Jenaer zu schaffen. Dieser Anspruch ist berechtigt und hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun."

Aus Reyk Seelas persönlicher Sicht muss Jena wie Deutschland überhaupt nicht mit einem zusätzlichen großen Ansturm aus Nordafrika rechnen. "Ich denke, da ist die Sprachbarriere zu hoch. Die meisten sind eher französischsprachig, und es wird sie eher nach Frankreich ziehen."

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