Senkrechtstart: Thüringer Liberale wollen von Bremer Erfolg lernen

Erfurt  Neidisch? Nein, neidisch ist Thomas Kemmerich nicht auf den Erfolg von Lencke Steiner, mit der die Bremer FDP nach der Wahl im Mai wieder in die Bürgerschaft eingezogen ist. Dennoch könne die Thüringer FDP vom Bremer Wahlkampf einiges lernen.

FDP-Kreisverbandschef Thomas L. Kemmerich mit der Bremer Fraktionsvorsitzenden Lencke Steiner bei einem kleinen Stadtrundgang auf der Krämerbrücke. Foto: Peter Michaelis

FDP-Kreisverbandschef Thomas L. Kemmerich mit der Bremer Fraktionsvorsitzenden Lencke Steiner bei einem kleinen Stadtrundgang auf der Krämerbrücke. Foto: Peter Michaelis

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„Neid ist keine gute Eigenschaft für einen Unternehmer“, sagt der Vorsitzende des Erfurter Kreisverbands der Liberalen und Chef einer Friseurkette. Dennoch könne die Thüringer FDP vom Bremer Wahlkampf einiges lernen, etwa, dass man sich wieder mehr auf die Zielgruppe der Partei konzentriere. Da sei in der Vergangenheit viel „liegengelassen“ worden, sagt Kemmerich. Um die Bremer Erfolgsstory aus erster Hand zu hören, lud der Erfurter FDP-Kreisverband gemeinsam mit dem Liberalen Mittelstand Thüringen die Senkrechtstarterin Lencke Steiner zum gestrigen Sommerempfang nach Erfurt ein.

Die 29-jährige betont, dass es hilfreich und erfrischend sein kann, als Quereinsteiger mit der Politik zu beginnen. Die Unternehmerin ist erst am Wahlabend in die FDP eingetreten. „Man hat dadurch einen ganz anderen Blick auf die Dinge“, sagt sie, und sehe eher, was schieflaufe. Es sei zwar kein Erfolgsversprechen, wenn Leute von außen als Spitzenkandidat aufgestellt würden, doch sei es generell richtig, dass ihre Partei heute offener nach außen sei als früher. Auch bedingt durch die regionalen Unterschiede in Deutschland müsse jeder einzelne Landesverband für sich entscheiden, wie er sich seinen Wählern präsentiert.

Politik als Erlebnis

„Wenn sich die Gesellschaft immer weniger für Politik interessiert, ist das bedenklich“, sagt Steiner. Hier müssten die Parteien dringend gegensteuern. Bei der Bremer FDP habe man etwa den Wahlkampfauftakt zu einem großen Ereignis gemacht, indem er an einem „emotionalen Ort“ abgehalten wurde, wo er vorher noch nie stattgefunden habe und der sonst kaum zugänglich ist: in einer VIP-Lounge im Weserstation - Politik als Erlebnis, bei dem die Inhalte nebenbei verkauft werden, anstatt der übliche Straßenwahlkampf mit Luftballons.

Das politische Tagesgeschäft in dem norddeutschen Stadtstaat habe indes noch gar nicht begonnen, sagt Steiner. Die Wahl war erst im Mai, die Ausarbeitung des Koalitionsvertrages habe relativ lange gedauert, und dann habe auch schon fast die Sommerpause begonnen. Außerdem habe jede Menge organisiert werden müssen: „Wir hatten keine Mitarbeiter, keine Büros, keine Tische, keine Stühle“, sagt sie. Ein bisschen fühle es sich an wie bei einem Start-Up-Unternehmen.

Förderung der Gründerszene

Dennoch sei die Neu-Politikerin nach wie vor „voller Euphorie“, dass es nun endlich inhaltlich losgehe. Ein besonderes Anliegen ist für ihre Fraktion die Förderung der Gründerszene und die Verbesserung der Gründerkultur. „Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch ein Land der Innovationen mit einer starken old ecomony.“ Doch man dürfe sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen und müsse deshalb für die junge Generation gründerfreundliche Rahmenbedingungen schaffen. Schon in der Schule solle der Weg der Selbstständigkeit bekannt gemacht werden. Neben Wirtschaft ist Bildung ihr zweites großes Thema.

Und da fallen sowohl Steiner als auch Kemmerich gleich die aktuelle Forderung des Erfurter Oberbürgermeisters Andreas Bausewein (SPD) ein, die Schulpflicht für Flüchtlingskinder teilweise auszusetzen. Ihre Kommentare reichen von „unverständlich“ bis „völliger Irrsinn“. Ein solcher Schritt stehe einer notwendigen schnellen Integration völlig entgegen, finden sie. Es müssten vielmehr Sprachbarrieren abgebaut werden, sonst könnten die Kinder nie Fuß in der Gesellschaft fassen. Gerade im Kindes- und Jugendalter sei Integration aus ihrer Sicht unverhandelbar.

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