Altenburg/Schmölln. Wer im Altenburger Land eine Sozialwohnung sucht, zahlt dort oft weniger als vom Freistaat Thüringen empfohlen

  • Darum sind im Altenburger Land Sozialwohnungen keine Mangelware.
  • Welche Mietpreisempfehlung in Schmölln unterboten wird.
  • Was stattdessen wirklich fehlt und welche Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen.

Kürzlich sah sich das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft veranlasst, einige Zahlen zum sozialen Wohnungsbau im Freistaat richtigzustellen. Anlass für diese Zeitung, generell nachzufragen, wie es um Sozialwohnungen im Altenburger Land bestellt ist.

1087 Sozialwohnungen im Landkreis Altenburger Land

„Das Thüringer Landesverwaltungsamt erstellt vierteljährlich eine Statistik über den belegungsgebundenen Wohnraum in Thüringen. In dieser wird nicht nur die Gesamtzahl der in Thüringen vorhandenen Sozialwohnungen übermittelt, sondern auch eine Aufgliederung der einzelnen Landkreise vorgenommen“, erklärt Konstanze Gerling-Zedler, die Pressesprecherin des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft. „Zum Stichtag des 15. September 2023 gab es laut der genannten Statistik insgesamt 12.633 Sozialwohnungen in Thüringen. Davon entfielen 1087 Wohnungen auf den Landkreis Altenburger Land.“

Geförderte Wohnungen beziehungsweise „Sozialwohnungen“, erklärt die Pressesprecherin an anderer Stelle, sind jenen Wohnungssuchenden vorbehalten, die Inhaber eines gültigen Wohnberechtigungsscheins nach Paragraf 19 Thüringer Wohnraumfördergesetz sind.

120 Sozialwohnungen in Schmölln, 350 Wohnungen frei in Altenburg

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Aber wie sieht es denn nun konkret vor Ort aus? „Die Wohnungsverwaltung Schmölln GmbH hat zirka 140 Sozialwohnungen in ihrem Bestand, das sind knapp 12 Prozent des Bestandes“, schreibt Geschäftsführer Kristian Blum auf Anfrage unserer Zeitung. „Der Bedarf wird damit gut abgedeckt. Denn durchschnittlich sind davon acht bis zehn Wohnungen leerstehend und sofort beziehbar. Daher beabsichtigen wir in nächster Zeit keine neuen Sozialwohnungen zu bauen.“

Noch drastischer ist die Situation in Altenburg. Hier fasst Thomas Nündel, kaufmännisches Vorstandsmitglied der AWG Wohnungsgenossenschaft eG Altenburg, den Begriff der Sozialwohnungen weiter und spricht von „belegungsgebundenen Wohnungen“. Dabei verweist er nicht ohne einen gewissen Stolz darauf, dass die AWG allein 1220 belegungsgebundene Wohnungen hat, von denen etwa 14 Prozent, also zirka 350 Wohnungen leer stehen.

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„Wir haben also keinerlei Probleme, jederzeit kleinere Sozialwohnungen anbieten zu können – und das für Mietpreise von 5,35 Euro, was sogar noch unter der Empfehlung des Freistaates Thüringen von 5,85 Euro liegt“, unterstreicht Thomas Nündel. „Wir reißen eher noch ab, als dass wir neue Sozialwohnungen bauen.“

In ländlichen Regionen vorhandenen Wohnraum an Bedürfnisse anpassen

Das Thüringer Ministerium für In­frastruktur und Landwirtschaft geht auch auf die verschiedene Strategien ein, die es bei Sozialwohnungen verfolgt. „Die Situation in Thüringen ist heterogen. Der größte Bedarf an Sozialwohnungen besteht in den Städten Jena, Erfurt und Weimar. In den übrigen, vor allem ländlichen Regionen Thüringens ist der quantitative Wohnungsbedarf deutlich geringer“, erklärt Konstanze Gerling-Zedler. „Dort besteht vielmehr die Notwendigkeit, den vorhandenen Wohnraum an die geänderten Bedürfnisse anzupassen, also Barrierefreiheit zu schaffen, energetische Modernisierung zu ermöglichen und langfristig ungenutzte Grundstücke oder Gebäude zu Wohnzwecken wiederherzurichten und zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung zu stellen.“

Daher habe man im vergangenen Jahr bei der Überarbeitung der „Richtlinie zur Förderung des bezahlbaren Wohnens im Freistaat Thüringen für die Programmjahre 2023 bis 2025“ den Förderschwerpunkt nicht auf Neubau-, sondern auf Maßnahmen im Bestand gesetzt. Grundsätzlich sei es das Ziel der Landesregierung, dem bisherigen Trend entgegenzuwirken, dass mehr Sozialwohnungen aus der Bindung fallen, als jährlich neue hinzukommen.

Wohnungen mit mehr als 90 Quadratmetern in Altenburg Mangelware

In Altenburg läuft diese Bindung für einen Großteil der 1220 Wohnungen der AWG im Jahr 2025 aus. „Dafür habe ich mich eingesetzt“, sagt Thomas Nündel, beschwichtigt aber gleich und verweist auf den Leerstand und dass sich deshalb wenig an den Preisen ändern werde. Und Thomas Nündel ergänzt: „Was in Altenburg fehlt – das hat aber nichts mehr mit sozialem Wohnungsbau zu tun – sind Wohnungen mit mehr als 90 Quadratmetern. Wir stellen zum Ende des Jahres 38 neue Wohnungen mit etwa 100 Quadratmetern fertig. Die sind jetzt schon völlig überzeichnet.“