Schmölln. Jugend in Schmölln: Zwischen dem Wunsch nach Treffpunkten und der Realität des Geldmangels. Wie kann man junge Menschen erreichen?

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Viele ländliche Regionen im Osten Deutschlands haben mit dem Problem zu kämpfen, dass junge Menschen in die größeren Städte ziehen, sich dort Arbeit suchen und niederlassen. Natürlich ist es gerade den kleineren Städten und Gemeinden ein Anliegen, die jungen Menschen in der Region zu halten oder sie sogar nach einem Wegzug zurückzuholen. Dabei gilt es natürlich zu betrachten: Was wünschen sich junge Leute? Weshalb ziehen sie überhaupt weg? Was fehlt ihnen? Gründe gibt es viele, aber es gibt dennoch auch immer mehr Angebote, zu bleiben.

Junge Menschen in Schmölln: Beteiligung lässt sich nicht anordnen

„Wir binden zum Beispiel immer wieder gezielt junge Menschen in städtische Projekte ein. So pflegt zum Beispiel die 10. Klasse der Regelschule die Hochzeitswiese. Das ist ein tolles Projekt, wo sich die jungen Menschen gebraucht und gewertschätzt fühlen“, sagt Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD). „Wir können solche Projekte natürlich nicht verordnen und den Jugendlichen aufzwingen, aber wir möchten einfach immer wieder die Möglichkeiten schaffen.“

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Wichtig ist es dem Schmöllner Stadtchef, dass den Jugendlichen Freiräume geboten werden, mitzubestimmen und sich ernst genommen fühlen. „Was wir aber gemerkt haben: Die Ideen der jungen Menschen müssten dann auch kurzfristig umgesetzt werden. Das steht sich allerdings manchmal mit der Bürokratie im Weg. Wir möchten aber die jungen Leute nicht verlieren und somit aktiv mit einbinden. Allerdings kann man aktive Beteiligung nun mal nicht verordnen. Meiner Meinung nach kann man die Jugendlichen auch nicht in irgendwelche Strukturen pressen, das funktioniert nun mal nicht. Das muss alles informell sein.“

In Schmölln wird an die Interessenslage der Jugendlichen gedacht

Das Entscheidende ist für Sven Schrade die Interessenslage. „Aber, wie gesagt, die jungen Leute müssen sich freiwillig beteiligen. Das ist dann für sie auch ein Teil der Identifikation, wenn sie selbst etwas mitgestalten.“

Die Angebote für die Jugendlichen sollten dann zudem nicht unbedingt immer etwas kosten, so der Schmöllner Bürgermeister. „Es ist sehr wichtig, sich über die Jugend Gedanken zu machen.“ So ist auch bereits gedanklich durchgespielt worden, einmal eine Einwohnerversammlung nur für Jugendliche und junge Menschen zu veranstalten. „Da steht aber noch nichts Konkretes fest“, sagt Sven Schrade.

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Es könnte besser laufen in Schmölln

Jemand, der ein Angebot für junge Menschen in Schmölln geschaffen hat, ist Hüseyin Ali Baki, der am 28. Juli letzten Jahres in der Gößnitzer Straße 6 eine Cocktail-und Shishabar mit dem Namen „Sixtytwo Lounge“ eröffnet hat. Inhaber Hüseyin Ali Baki lebt seit 2008 in Schmölln und hat auch seine eigene Jugend hier verbracht. So kann er sich, laut seiner Aussage, gut in die Jugendlichen hinein versetzen, die gern abends etwas unternehmen möchten.

„Ich wollte einfach etwas für junge Leute schaffen, wo sie gemeinsam gut Zeit verbringen können.“, berichtete der Bar-Chef zur Eröffnung. Sonntags ist laut dem Inhaber immer Familientag, da ist die Bar geschlossen, ansonsten ist sie Montag bis Samstag von 17 bis 1 Uhr geöffnet.

Nun, rund ein halbes Jahr nach der Eröffnung sagt der Shisha-Bar-Inhaber, dass es besser laufen könnte. „Die Jugend ist nicht einfach hier, muss ich sagen. Sie wünschen sich zwar Cafés und Orte, an denen sie sich treffen können, aber haben auch oft nicht genug Geld, um dann wirklich abends mal einen Cocktail trinken zu gehen. Ich finde, viele machen aus ihrer Jugend nichts, sie verdienen kein Geld und hängen nur rum.“

Hüseyin Ali Baki sagt weiterhin gegenüber dieser Zeitung, dass er gern viel mehr für die Jugendlichen machen würde, aber diese natürlich auch die unterschiedlichsten Vorstellungen haben. Seiner Meinung nach liegt das passive Verhalten einiger Jugendlicher auch an der Corona-Pandemie, die viel zerstört hat, auch die Lust, wegzugehen. „In meiner Bar sind alle Altersklassen, auch ältere Menschen nutzen sie gern, um auch mal unter der Woche auszugehen.“

Fragt man junge Menschen in der Schmöllner Innenstadt, sind die meisten Antworten oft negativer Art. Dinge wie „Hier kann man ja nichts unternehmen.“ oder „Nö, wir gehen abends nicht weg“ hört man. Aber auch das Gegenteilige: „Ich möchte hier bleiben, mir gefällt es hier“, sagt eine 15-jährige gegenüber dieser Zeitung. „Ich gehe zum Beispiel gern in die Kletterhalle“, sagt ein 18-Jähriger. Die Stimmen sind sehr unterschiedlich bei den jungen Menschen.