Altenburg. Gastfreundschaft bis zuletzt: Das St. Elisabeth Hospiz in Altenburg setzt auf individuelle Sterbebegleitung. Südflügel präsentiert sich.

  • Ehrenamt und Fachkräfte stehen bereit für würdevolle Sterbebegleitung
  • Historisches Flair trifft moderne Palliativpflege.
  • Ort der Ruhe und Fürsorge kurz vor der Vollendung.

Der Andrang war groß, als sich am 31. Januar die Türen des neuen St-Elisabeth Hospizes in Altenburg öffneten. Das imposante Haus aus dem 19. Jahrhundert lockte viele Neugierige an, wenngleich zunächst nur der Südflügel mit drei Etagen zu besichtigen war.

Bis zum 1. März soll alles fertig sein

Im Erdgeschoss sind die Räume samt Versammlungsraum hergerichtet, die für die Verwaltung benötigt werden. Hier finden auch die Gespräche mit den Angehörigen statt. Die zwei Etagen darüber sind den Sterbenden und Schwerstkranken vorbehalten. Neben den Zimmern finden sich Gemeinschaftsräume mit bequemen Sesselgruppen und Küchen – ein Angebot zum gemeinsamen Essen und Zusammensein mit anderen. Bis zum 1. März soll alles fertig sein.

15 Jahre Tippeltappeltour von der Idee bis zum Eröffnungstermin

Einen Eindruck von dem, was seit zwei Jahren im ehemaligen Pflegeheim der Diako Thüringen entstanden ist, konnten die Besucher schon jetzt gewinnen. „Ein Andachtsraum wird noch gebaut und es fehlt die andere Seite“, sagte Ursula Zippel, Initiatorin und Vorsitzende des Hospizvereins St. Elisabeth. Fast sei es geschafft, nun hoffe sie auf die Einhaltung des Eröffnungstermins im März. Zippel erinnerte sich im Gespräch mit dieser Zeitung an die Tippeltappeltour der Einwerbung notwendiger Spenden, nachdem vor 15 Jahren die Idee eines Hospizes entstand.

Haus und auch Betreiber in einer Hand zu sehen, das ist ein Glücksfall.
Ursula Zippel

Die Unterstützung durch Bevölkerung, Unternehmen, Institutionen und Vereine sei groß gewesen, sagte die Kinderärztin im Ruhestand. 2,7 Millionen Euro hat der Umbau des denkmalgeschützten Hauses gekostet. Betreiber des Hospizes ist die Diako Hospitalstiftung zu Altenburg, ein Tochterunternehmen der Diako Thüringen. Eine lange Suche nach Grundstück und Gebäude liege hinter ihr, sagte Zippel. Doch nun Haus und auch Betreiber in einer Hand zu sehen, das sei ein Glücksfall.

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Arbeiten an der Außenwand des hell strahlenden, sandfarbenen Hospizes sind nicht vonnöten. Kleine Schäden werden mit einem neuen Fassadenanstrich beseitigt, sagte Architektin Renée Moser vom RJ Planungsbüro Erfurt. In den Außenanlagen sollen Sitzgelegenheiten platziert werden. Die rückwärtigen Terrassen an den zwei Wohnetagen bieten Platz für Bettlägerige, die frische Luft, Vogelsang, den Blick auf die Bäume genießen wollen. Ein Bettenaufzug ist zusätzlich zum normalen Fahrstuhl eingebaut, der Zugang zur Terrasse durch breite Glastüren möglich. Die beeindruckenden Eingangstüren sind aufgearbeitet und in alter Schönheit zu sehen.

Bis zu zwölf Gäste in Einzelzimmern und Übernachtungsmöglichkeit für Angehörige

Durch eine Glastür gelangt man in den eigentlichen Hospizbereich. Übrigens wird das lateinische „hospitum“ übersetzt mit Herberge oder Gastfreundschaft. Kein Wunder also, dass bei den künftigen Bewohnern im Hospiz von Gästen gesprochen wird. Bis zu zwölf Gäste wird das Altenburger Hospiz in Einzelzimmern aufnehmen können, sagte Hospiz-Leiterin Saskia Frank. Die Wohnräume sind bis zu 30 Quadratmeter groß, mit Pflegebett, Tisch, Stühlen, Schrank und einem Schlafsessel als Übernachtungsmöglichkeit für Angehörige ausgestattet.

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Noch sei die Ausgestaltung nicht fertig, sagte Frank. Bilder von Altenburg und der Region, ob im Rahmen oder auf Leinwand, sollen an die Wände. Für private Fotos sollen zwar keine Korkplatten oder ähnliches, aber Bilderleisten angebracht werden. Nach dieser Möglichkeit hatten einige Besucher gefragt. Auch eigene Möbel seien denkbar, sagte Pflegedienstleiterin Jenny Frank-Bennewitz. Die Gestaltung durch persönliche Dinge der Zimmerbewohner ist gewollt.

Es geht nach Dringlichkeit und nicht nach Reihenfolge

„Durchschnittlich drei Wochen verbringen die Gäste hier“, sagte Pflegedienstleiterin Frank-Bennewitz. Wer im Hospiz aufgenommen wird, entscheidet der Arzt. Es gehe nach Dringlichkeit und nicht nach Reihenfolge, betonte sie. Bislang gibt es für Sterbende die Palliativ-Station im Klinikum und ohnehin die ärztliche Betreuung im häuslichen Umfeld. Darüber hinaus wird das Ehrenamt überall gebraucht, sowohl stationär als auch zu Hause. Das Hospiz ist personell gut aufgestellt. 18 Fachkräfte sind geplant. Ein, zwei Stellen seien noch offen, sagte Hospizleiterin Frank. 30 Mitarbeiter sind es insgesamt vom Koch bis zur Hauswirtschaftlerin. Was ein Platz konkret kostet? Frank verwies auf Verhandlungen mit der Krankenkasse, die am Montag stattfinden und sowohl Pflegesätze als auch Personalfragen klären sollen.

Ein Zimmer im Hospiz mit Bett und Schlafsessel für den Besuch.
Ein Zimmer im Hospiz mit Bett und Schlafsessel für den Besuch. © Funke Medien Thüringen | Petra Lowe

Gisela Muchow, Paul Körner und Christine Weise gehörten zu den ersten Besuchern des neuen Hospizes. Alle drei arbeiten ehrenamtlich bei den Maltesern. Sowohl zu Hause als auch auf den Palliativstationen und in den Hospizen sind die Ehrenamtler gerngesehen. Gisela Muchow berichtete von der Dankbarkeit der Schwerstkranken für die Besuche. „Wenn sie sich im Gespräch öffnen können, das ist gut“, so Christine Weise.

Wichtige Ergänzung für unheilbar Kranke

Aber Palliativarbeit müsse wachsen. „Sterbebegleitung ist eine schwere Aufgabe und braucht viel Fingerspitzengefühl. Wir haben selbst einen geliebten Menschen verloren und wissen um die Unterstützung, die man braucht“, sagte Paul Körner. Auch wenn bislang palliative Hilfe möglich war, das neue stationäre Hospiz in Altenburg ist eine wichtige Ergänzung eines notwendigen Angebotes für Menschen, die nicht mehr heilbar sind. Am Lebensende erfahren sie Linderung und Beistand – in allen ihnen verbleibenden Tagen und Stunden.