Altenburger Land. Der Unterrichtsausfall in ganz Thüringen sinkt leicht, doch für das Altenburger Land bleiben zahlreiche Herausforderungen.

  • Ganz Thüringen kämpft gegen den Lehrermangel.
  • Welche neuen Maßnahmen ergriffen werden sollen.
  • Wie es mit der Lehrersituation im Altenburger Land aussieht.

„Im Altenburger Land, wie im gesamten Ostthüringer Raum, ist Lage angespannt. In Ostthüringen sind zurzeit 188 Stellen ausgeschrieben. im Altenburger Land waren zum 26. Januar 48 Stellen nicht besetzt“, teilt Lisa Bönsel, stellvertretende Pressesprecherin des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport auf Anfrage unserer Zeitung mit. Sie verweist auf die Internetseite schuldienst.thueringen.de. Dort können die jeweils aktuellen Ausschreibungen eingesehen werden. Derzeit sind dort landesweit 898 offene Stellen gelistet. „Hierzu zählen aber auch Pädagogische Assistenzkräfte und Sonderpädagogische Fachkräfte“, ergänzt die Pressesprecherin. „Generell kann man sagen, dass das Einstellungsgeschehen sehr dynamisch ist. Thüringen stellt mittlerweile unterjährig ein und es laufen jeweils zu den Schulhalbjahren – also auch aktuell – eine Vielzahl an Einstellungsverfahren.“

Unterrichtsausfall im Altenburger Land ein Problem

Auf das Reizthema Unterrichtsausfall angesprochen, verweist Lisa Bönsel zunächst auf erhobene Daten: „Der Unterrichtsausfall in der Stichwoche 11. bis 15. September 2023 an allgemein bildenden Schulen lag bei rund 8,6 Prozent. Das ist im Vergleich zum Vorjahr bei der Herbsterhebung in der Stichwoche vom 26. bis 30. September 2022 – eine Verbesserung von 1,1 Prozent. Auch der ersatzlose Ausfall hat sich von 6,3 Prozent auf 5,8 Prozent verbessert. Wir haben uns, was die Herbstzahlen angeht, also leicht verbessert, sind aber noch lange nicht am Ziel.“

Man sei inzwischen „vorsichtig optimistisch“, was weitere Verbesserungen angeht. Aber es sei zu früh, schon von einer Trendumkehr beim Unterrichtsausfall zu sprechen. „So erleben wir zum Beispiel aktuell insgesamt erneut in Thüringen eine Krankheitswelle, die sich natürlich auch temporär und regional zugespitzt auf die Unterrichtsabsicherung auswirkt“, gibt Lisa Bönsel zu bedenken. „Wir haben ein wichtiges Etappenziel erreicht und in allen Schularten eine leichte Verbesserung. Auf der Habenseite steht auch, dass über 90 Prozent des Unterrichts planmäßig stattfindet. Die Personalprobleme und damit auch der Unterrichtsausfall spitzen sich allerdings regional, schulartspezifisch und fächerbezogen zu.“

Eltern im Altenburger Land soll geholfen werden

Wichtig ist der stellvertretenden Pressesprecherin, dass viel getan wird, um die von vielen Eltern zum Teil als unerträgliche empfundene Situation zu verbessern: „Im letzten Jahr wurden 152 Pädagogische Assistenzen eingestellt, in diesem Jahr soll die Zahl auf 357 erhöht werden.“ Sie zählt eine ganze Reihe von Maßnahmen auf, von denen hier nur eine Auswahl genannt werden soll: In diesem Jahr startet das Bund-Länder-Programm Startchancen. Hier stehen jährlich eine Milliarde Euro Bundesmittel zur Verfügung, die die Länder 1:1 cofinanzieren, um die Schulen zu unterstützen. In Thüringen werden rund 100 Schulen von dem Programm profitieren.

Aktuelle Nachrichten aus dem Altenburger Land

„Die Bekämpfung des Lehrermangels ist eine Generationenaufgabe“, betont Lisa Bönsel. „Aktuell müssen zwei Generationen ersetzt werden: diejenige, die in den 1990er und 2000er Jahren nicht eingestellt worden ist, und diejenige, die aktuell Jahr für Jahr in den verdienten Ruhestand tritt.“ Obwohl das Einstellungsgeschehen ganzjährig auf Hochtouren laufe, komme es dennoch immer wieder zu Engpässen.

Jedes Jahr 1000 neue Lehrer und Lehrerinnen in Thüringen

„Thüringen stellt jährlich über 1000 Lehrerinnen und Lehrer neu in den Schuldienst ein. In Thüringen wurden im Zeitraum vom 1. August 2022 bis zum 31. Juli 2023 insgesamt 224 Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf eingestellt. Im Vorjahr waren es 240. Seiteneinsteiger sind eine wichtige Säule bei der Unterrichtsversorgung.“ Erst im November habe man die Einstellungsrichtlinie angepasst. Bewerberinnen und Bewerber, die bislang übliche Voraussetzungen für eine unbefristete Beschäftigung nicht erfüllen, sich jedoch im Schuldienst bewährt haben, können fortan auch für unbefristete Beschäftigungsverhältnisse in Betracht gezogen werden. Darüber hinaus schaffe man monetäre Anreize wie Sonderzuschläge und verbesserte Konditionen.

Und noch ein positives Beispiel nennt Lisa Bönsel zum Abschluss: „Im Schulamtsbereich Ost startet nach den Winterferien das Projekt Tag in der Praxis TiP. Er bietet viele gute Ansätze nicht nur zur Senkung der Quote derer, die die Schulen ohne Abschluss verlassen, sondern auch für eine wichtige Verzahnung mit der Arbeitswelt. Und aus dem Altenburger Land ist nach meinem Kenntnisstand die Staatliche Regelschule Gößnitz vertreten.“

Wer sich für den Lehrerberuf interessiert, findet hier viele Tipps und Infos: www.erste-reihe-thueringen.de