Ticker zum Mordprozess: Urteil gefallen- Zehn Jahre Haft für Rentner aus Pößneck

Gera  Das Landgericht Gera hat am Dienstag ein Urteil im Prozess nach einem Tötungsverbrechen in Pößneck gesprochen. Der 78-jährige Angeklagte ist wegen Mordes schuldig und wird zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Mordprozess am Landgericht Gera nach einem Tötungsverbrechen in Pößneck

Mordprozess am Landgericht Gera nach einem Tötungsverbrechen in Pößneck

Foto: Tino Zippel

Das Landgericht Gera entscheidet am Dienstag über die Strafe für einen Rentner aus Pößneck. Der hatte seinen Nachbarn erstochen, weil dieser im Verdacht stand, seine Gartenhütte angezündet zu haben.

10.38 Uhr: Staatsanwalt Jens Wörmann plädiert. Demnach habe der Anklagte zwar laut geschrien, bevor er am 24. Februar 2019 in die Wohnung des verfeindeten Nachbarn eingedrungen sei.

Jener habe aber so tief geschlafen, dass er davon nichts mitkommen habe. Der Angeklagte sei in Rage geraten und habe dem Nachbarn mit einem Messerstich in den Oberkörper einen Denkzettel verpassen wollen. Der behauptete Sturz mit einem versehentlichen Erstechen sei nur eine Schutzbehauptung. Wörmann wertet die Tat als einen Mord.

Die Merkmale der Heimtücke seien genauso erfüllt wie der niedere Beweggrund Rache. Wörmann folgt der forensischen Psychiaterin, wonach der Alkoholrausch in Verbindung mit der psychischen Belastung durch die abgebrannte Gartenhütte zu einer verminderten Schuldfähigkeit führt. Damit verschiebt sich der Strafrahmen von lebenslänglich auf eine Freiheitsstrafe zwischen drei und 15 Jahren. „Es ist aber nicht tolerabel, wenn jemand den Justizbehörden vorgreift und Selbstjustiz übt“, sagt Wörmann. Er beantragt eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren.

11.05 Uhr:Nebenklage-Vertreterin Susann Wipper schließt sich dem Plädoyer des Staatsanwaltes vollumfänglich an.

11.08 Uhr: Die Tochter des Geschädigten spricht. Der Angeklagte habe sich versucht zu entschuldigen. Nach seiner solchen Tat sei die Schuld aber nicht zu beenden.

11.12 Uhr: Verteidiger Alexander Giehler spricht. Er geht von einem Handgemenge aus, in dessen Verlauf der tödliche Stich erfolgt sei. Das Opfer habe nicht geschlafen, die Mordmerkmale seien nicht erfüllt. Er fordert deshalb wegen Totschlags eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

11.59 Uhr:Der zweite Verteidiger Manfred Dahmen schließt sich dem Antrag an.

12.00 Uhr:Das letzte Wort des Angeklagten: „Ich sehe mich nicht in der Lage, viel zu sagen. Ich möchte es noch einmal außerordentlich bedauern, dass durch mich jemand zu Tode gekommen ist. Ich möchte ausdrücken, dass ich für die Angehörigen viel Mitleid empfinden. Ich war das an diesem Tag nicht ich selbst.“

12.02 Uhr: Das Gericht kündigt an, um 13.30 Uhr ein Urteil zu fällen.

13.30 Uhr: Der Vorsitzende Richter Uwe Tonndorf verkündet das Urteil, das seine Schwurgerichtskammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten hat. Der Kammer gehören neben zwei Berufsrichterinnen auch eine Schöffin und ein Schöffe an. Gemeinsam haben sie entschieden: Der Angeklagte ist wegen Mordes schuldig und wird zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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