Zu schlau für Kastenfallen

Thüringer Wolfshybriden sollen jetzt getötet werden

Ohrdruf.  Eigentlich sollten die Hybriden eingefangen werden und in den Worbiser Bärenpark kommen, der eigens dafür hergerichtet wurde - für 76.403 Euro

Seit 2014 lebt die Wölfin GW267f auf dem Militärgelände von Ohrdruf. 2017 paarte sie sich mit einem Hund und brachte sechs Mischlinge zur Welt. In diesem Jahr paare sie sich mit ihrem Hybridensohn, der inzwischen im Auftrag der Behörden erschossen wurde. Die fünf Hybriden, die im Mai dieses Jahres geboren wurden, leben noch. Bisher wurde kein Tier gefangen oder geschossen.

Seit 2014 lebt die Wölfin GW267f auf dem Militärgelände von Ohrdruf. 2017 paarte sie sich mit einem Hund und brachte sechs Mischlinge zur Welt. In diesem Jahr paare sie sich mit ihrem Hybridensohn, der inzwischen im Auftrag der Behörden erschossen wurde. Die fünf Hybriden, die im Mai dieses Jahres geboren wurden, leben noch. Bisher wurde kein Tier gefangen oder geschossen.

Foto: Stefan Böttner

Das Umweltministerium will die fünf im Mai geborenen Wolfshybriden jetzt doch töten lassen. Es ist damit von seinem Ursprungsplan abgerückt, die Ohrdrufer Hund-Wolf-Mischlinge einzufangen, um sie im Bärenpark Worbis unterzubringen, der zu diesem Zweck für 76.403 Euro umgebaut wurde.

„Ein Antrag auf letale Entnahme der 2019 geborenen Wolf-Hund-Hybriden wurde von der oberen Naturschutzbehörde positiv beschieden“, teilte das Ministerium auf Anfrage mit. Die rechtliche Grundlage einer Tötung finde sich Bundesnaturschutzgesetz. „Sie dient dem Schutz der wildlebenden Tiere und Pflanzen.“ Mit anderen Worten: Sie dient der genetischen Reinerhaltung der Tierart Wolf.

Die metergroßen Kastenfallen aus Stahlstäben, mit denen die Hybriden lebend gefangen werden können, haben ihren Zweck nicht erfüllt. Die Tiere sind offenkundig zu intelligent und zu misstrauisch.

Einmal saß ein Mischling im Käfig, doch die Falle schnappte nicht zu

Es ist von Beispielen die Rede, in denen die Raubtiere das in der Falle ausgelegte Rehfleisch verschmähten und stattdessen wenige Meter entfernt Wildschweine rissen. Auf dem nahen Hochsitz hörte man die grellen Schreie junger Schweine.

Nur ein einziges Mal hat sich einer der jungen Hybriden in das Innere einer Kastenfalle gewagt, doch da habe man das Tier nicht fangen können. „Dies fand in der Phase statt, in der die Falle nicht fängisch gestellt war, um die Gewöhnung nicht zu gefährden“, teilte das Ministerium mit. Grundsätzlich gelte jedoch: „Sobald sich ein Hybrid in der Falle befindet, soll diese ausgelöst werden.“

130 Nutztiere im Revier der Ohrdrufer Wölfin gerissen

Das Rudel der Ohrdrufer Wölfin GW267f, dem sich seit dem Sommer ein junger Wolfsrüde zugesellt hat, schlägt alle Rissrekorde. Rund um Ohrdruf wurden in diesem Jahr 130 Schafe und Ziegen gerissen, dazu mehrere Fohlen und vermutlich ein ausgewachsenes Pferd, mit Bissspuren auf dem Rücken, das letztlich an einem Herzinfarkt starb.

Im vormaligen Rekordjahr 2017 wurden in den Landkreisen Ilm-Kreis und Gotha, über die sich das Revier der Wölfin erstreckt, 82 Schafe und Ziegen gerissen. Schon damit avancierte GW267f zu dem Raubtier mit den meisten Nutztierrissen in Deutschland.

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