Greiz. Dem Greizer Park steht eine Großbaustelle bevor: Das Projekt soll mehr als ein Jahr dauern und mehr als drei Millionen Euro kosten.

  • Mit der Entschlammung des Parksees wartet ein Groß-Projekt auf die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.
  • In den nächsten Wochen soll zunächst am Bahnübergang gebaut werden.
  • Insgesamt mehr als drei Millionen Euro werden von der Stiftung und dem Bund investiert.

Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) will im Greizer Park mit einem Groß-Projekt starten: der Entschlammung des 8,2 Hektar großen Parksees. Das teilt die Stiftung nun mit. Bis 2025 soll der See entleert und von den Ablagerungen aus 150 Jahren befreit werden, um dann wesentliche Bereiche des Ufers zu sanieren. Danach soll der See etwa einen Meter tiefer sein als jetzt und intakte Uferbefestigungen haben.

Der Grund für die Maßnahme ist einfach: Über die vergangenen Jahrzehnte hat sich im Parksee so viel Material angesammelt, dass der See etwa die Hälfte seiner ursprünglichen Tiefe verloren hat. Der Nährstoffgehalt ist dadurch höher, auch die Wassertemperatur steigt schneller an. Umwelteinflüsse und Temperaturschwankungen könnten weniger gut abgefedert werden, die Gefahr des sogenannten Umkippens steige. Beispielsweise habe der See der Blaualge, einem Giftstoffe absondernden Bakterium, im aufgeheizten Zustand weniger entgegenzusetzen. Die Probleme hätten sich in den vergangenen Jahren mit ihren Auswirkungen des Klimawandels verschärft.

Gut 3,3 Millionen Euro an Kosten sind laut Stiftung für das Projekt eingeplant. Den größten Teil, rund drei Millionen Euro, erhält man als Förderung aus dem Programm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung. Das Projekt diene zugleich der ökologischen und der gartenkünstlerischen Wiederherstellung des Parksees. Für die Förderung ist man nach Worten der Stiftungs-Direktorin Doris Fischer sehr dankbar, da man das Projekt sonst nicht habe stemmen können.

Zuerst wird am Bahnübergang in der Leonhardtstraße gebaut

Als erster Schritt wird eine Straße für Baufahrzeuge vom Parkeingang nahe dem Bahnübergang in der Leonhardtstraße in Greiz bis zum See gebaut. Das sei nötig, weil man für die Entschlammung schweres Gerät benötige, den Park aber durch die befestigte Fläche schonen wolle. Für eine erste Reinigung sollen dann Schwimmplattformen zum See geschaffen werden. Eine Saugmaschine soll danach den nassen Schlamm herausholen und in eine mehrstufige Aufbereitungsanlage am Ufer befördern, wo man dem Schlamm einen großen Teil des Wassers entziehen will. Der Rest wird dann zur Deponie gebracht, wobei die Stiftung von rund 1000 Lkw-Fuhren ausgehe. Insgesamt werden etwa zwei Drittel des im See vorhandenen Materials entfernt.

Für die Baustelle und deren Zufahrt müssen einige Wege für Gäste gesperrt bleiben. Der nördliche Parkeingang ist nicht nutzbar, eine vollständige Umrundung des Parksees ist während der Bauzeit für Spaziergänger nicht möglich.

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Wenn die Saison 2024 dann zu Ende ist, will man den See, der auch eine ökologische Funktion für die Stadt Greiz hat, ablassen. 2025 will man die Ufer der Inseln und an der Ostseite des Parks befestigen. Danach sollen die verloren gegangenen Bäume und Gehölze nach einem gartendenkmalpflegerischem Konzept wieder gepflanzt werden.

Entschlammung ist mit den Behörden abgestimmt

Das Projekt sei schon mit allen zuständigen Behörden abgestimmt und genehmigt, schreibt die STSG. Mit einer ökologischen Baubegleitung und regelmäßigen Inspektionen durch einen Kampfmittelräumdienst werde man sicherstellen, dass brütende Tiere nicht gestört werden und keine Unfälle durch versunkene Munition zu befürchten seien.

„Bedeutsam ist der See als entscheidendes Gestaltungselement des Fürstlich Greizer Parks“, schreibt die Stiftung am Schluss. Bis etwa 1800, als sich der damals barocke Garten auf den Bereich um das Sommerpalais beschränkte, blieb der Teich ein Nutzgewässer. Erst mit der Neugestaltung als Landschaftspark geriet er ins Visier der Gartenkünstler. Zum zentralen Gestaltungselement wurde er ab 1873. Damals wurde die Eisenbahn durchs Elstertal gebaut, und Fürst Heinrich XXII. Reuß Älterer Linie handelte eine hohe Entschädigungssumme dafür aus, dass der Bahndamm direkt am Rand des Parks gebaut werden durfte. Mit den Einnahmen konnte er den Park auf die ganze gut 40 Hektar große Auenfläche ausdehnen und den gefragten Gartenkünstler Eduard Petzold für Entwürfe bezahlen. Für die Ausführung engagierte er dessen Schüler Rudolph Reinecken, der eigene Akzente setzte und 50 Jahre im Dienst blieb. Für beide stand neben dem Blumengarten und dem Pleasureground direkt am Sommerpalais die Umgestaltung des Teiches zu einem Parksee im Mittelpunkt.