Adventsstimmung

Planerfüllungsstern von Zeiss Jena lebt noch

Jena.  Er war in der DDR ein Leit-Stern: der Planerfüllungsstern überm Zeiss-Hauptwerk. Karsten Meyer hat das Stück vor der Verschrottung bewahrt.

Karsten Meyer, Gründer der Agentur Art-Kon-Tor, hat den Planerfüllungsstern des Zeiss-Kombinates vor der Verschrottung gerettet und für sein Unternehmen gesichert. Meyer zeigt auf das Foto, das die Demontage des Sterns vom Ernst-Abbe-Hochhaus im Jahre 1990 belegt.

Karsten Meyer, Gründer der Agentur Art-Kon-Tor, hat den Planerfüllungsstern des Zeiss-Kombinates vor der Verschrottung gerettet und für sein Unternehmen gesichert. Meyer zeigt auf das Foto, das die Demontage des Sterns vom Ernst-Abbe-Hochhaus im Jahre 1990 belegt.

Foto: Thomas Stridde

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Hier herrscht weihnachtliche Stimmung das ganze Jahr über. Auf diesen zumindest ersten Gedanken können Besucher in der Heimstatt von „Art Kon Tor“ kommen. Bei der Agenturgruppe für Markenkommunikation, Industriedesign und Veränderungsprozesse in der Hainstraße – etwa 50 Mitarbeiter gehören heute zum Konsortium – prangt im Haupttreppenhaus auf halber Höhe ein Riesenstern, dessen gedachter umrahmender Kreis einen Durchmesser von drei Metern hat.

Er glühte überm General

Der Stern ist in Jena legendär und in Wahrheit gar nicht mit weihnachtlichem Geist aufgeladen: Immer, wenn im Zeiss-Kombinat der Plan erfüllt war, hat er geleuchtet, so lautet die Geschichte zum roten Stern. Schließlich prangte der Stern auf dem Ernst-Abbe-Forschungshochhaus – dem Bau 36, den heute die Jenoptik-AG als Konzernzentrale nutzt. Was nun an der Legende vom Planerfüllungssignal dran ist – dahingestellt. Immerhin glühte der Stern dazumal direkt über dem Büro des Zeiss-Generaldirektors.

Dass der Stern nach der Friedlichen Revolution nicht verschrottet wurde, ist dem Art-Kon-Tor-Gründer Karsten Meyer zu danken. Er absolvierte als studierter Industriedesigner Anfang 1990 bei Zeiss ein Praktikum und erinnert sich noch an diesen 22. Januar 1990: Vom Fenster aus habe er gesehen, wie Arbeiter dabei waren, den Stern abzubauen. Fünf Minuten später habe er bereits Kontakt mit dem Verantwortlichen gehabt und nach dem Preis gefragt. Zuerst seien ihm 5000 Ost-Mark genannt worden, worauf er interveniert habe, dass der Stern eh nur abgebaut und verschrottet würde, berichtet Meyer. „Dann hat der Mann gefragt: Was würden Sie denn zahlen? Und ich darauf: Ich hatte an einen Kasten Bier gedacht.“ So sei das Geschäft dann auch abgewickelt worden. Zuletzt, so erinnert sich Meyer, habe der Stern ganz DDR-like nur noch durchgehend geleuchtet gehabt, „weil ein Schalter kaputt war“.

15 Jahre von einer Ecke in die andere

In der Art-Kon-Tor-Zentrale hatte Meyer dann den Stahlblechstern „15 Jahre von einer Ecke in die andere geräumt“. Die Erleuchtung kam ihm 2005 zur Feier des 15-jährigen Firmenjubiläums: Der Stern – Meyer sagt heute: „Eigentlich so ein richtiger Sowjetstern“ – soll aufgehen im Treppenhaus. Allerdings wurde das Rot des Himmelskörpers ersetzt durch ein Orange, weil das als Firmenfarbe von Art-Kon-Tor eingeführt war.

Und noch eine Mär wäre auszuleuchten: dass der Stern auch erstrahlte, wenn der FC Carl Zeiss als DDR-Spitzenklub ein Spiel gewonnen hatte. Udo Gräfe (79), das lebende Lexikon des FC Carl Zeiss, konnte das gestern auf Anfrage partout nicht bestätigen. So bliebe aus Sicht unserer Redaktion diese Interpretation: Nach einem Sieg des FCC waren die vielen Zeissianer unter den Zuschauern derart gut gestimmt, dass sie in den nächsten Tagen beim Linsenschleifen, beim Drehen, Fräsen und Konstruieren ordentlich in die Hände spuckten.

Die einst rund um den Stern montierten Neonröhren hat Meyer nicht wieder anbringen lassen. Das sollte er noch einmal überdenken, sobald der FC Carl Zeiss jetzt in ein ordentliches Sieg-Fahrwasser gerät.

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