Polizei durchsucht Haus von ehemaligem NPD-Vorsitzenden in Jena

Ralf Wohlleben, ehemaliger stellvertretender Landesvorsitzender und Pressesprecher der NPD Thüringen sowie Ex-Vorsitzender des Kreisverbandes der NPD Jena wurde am Donnerstagmorgen von der Polizei aufgesucht.

Rückblick: Beim Fest der Völker 2007 trat auch der NPD-Kreisvorsitzende Ralf Wohlleben vor johlenden Neonazis aus ganz Deutschland und Europa auf. Archivfoto

Rückblick: Beim Fest der Völker 2007 trat auch der NPD-Kreisvorsitzende Ralf Wohlleben vor johlenden Neonazis aus ganz Deutschland und Europa auf. Archivfoto

Foto: zgt

Jena. Die Polizei durchsuchte am Donnerstagmorgen in Jena die Wohnung von Ralf Wohlleben. Dieser sei noch zu Hause und wurde nicht festgenommen, hieß es weiter.

Unter anderem beschlagnahmten die Beamten das Handy des ehemaligen stellvertretenden Landesvorsitzenden der NPD. Wohlleben äußerte sich nach der Durchsuchung gegenüber unserer Zeitung recht entspannt, wollte aber keine näheren Angaben zum Ablauf der Wohnungsdurchsuchung machen, die eine geraume Zeit in Anspruch nahm.

Er dementierte, von den Taten des Jenaer Nazi-Trios gewusst zu haben. Wörtlich sagte er: "Ich glaube auch nicht, dass der Vorwurf des Bundeskriminalamtes so weit geht, dass es zu meiner Verhaftung reicht." Er gehe auch davon aus, dass das Bundeskriminalamt zum Fall der Terrorzelle "nicht sehr viel weiß".

Anwohner wussten außerdem zu berichten, dass auch das Grundstück des "Braunen Hauses" in Lobeda-Altstadt von den Ermittlern betreten wurde. In ihrer Begleitung habe sich ein fünfter Mann, offenbar Wohlleben, befunden.

Bereits am Mittwochabend hatte Wohlleben gegenüber unserer Zeitung betont: "Ich habe die drei nie unterstützt". Klar habe er sie gekannt, aber nach deren Untertauchen habe es keinen Kontakt gegeben. Im Übrigen sei er bis Mittwochabend durch das BKA noch nicht einmal angerufen worden. Bis dahin habe er keinerlei Kontakt zur Staatsanwaltschaft gehabt.

Vor wenigen Jahren trat Wohlleben aus privaten Gründen aus der Partei aus und steuerte die Szene eher im Verborgenen per Internet mit. Doch jetzt steht er wieder im Fokus. Nicht nur die Ermittler, die die Taten der mutmaßlichen Rechtsterroristen nachrecherchieren, interessieren sich für ihn. Denn die Frage, wie er die drei unterstützte und ihnen half, ist noch nicht ansatzweise beantwortet.

Nach dem Bankraub von Eisenach, dem jahrelangen Untertauchen der Terrorverdächtigen sowie den so genannten Dönermorden und dem Bekanntwerden des Zusammenhangs zum Tod der aus thüringen stammenden Polizistin Michèle Kiesewetter war Wohlleben ins Visier der Ermittler geraten.