Investition in der Diskussion

Stadion-Neubau in Jena ist eine Sanierung im Bestand

Jena.  Nächsten Mittwoch wird über den Investor für den Stadion-Bau entschieden. Fachdezernenten verteidigen das Projekt gegen Spar-Forderungen.

Im Gegenlicht neulich beim Spiel des FC Carl Zeiss gegen den FC Hansa Rostock im Ernst-Abbe-Stadion – rechts im Hintergrund das Dach der Westtribüne. Ganz und gar nicht finster sieht es nach Einschätzung der Stadtverwaltungsspitze mit der Finanzierung des anstehenden Stadion-Neubaus aus.

Im Gegenlicht neulich beim Spiel des FC Carl Zeiss gegen den FC Hansa Rostock im Ernst-Abbe-Stadion – rechts im Hintergrund das Dach der Westtribüne. Ganz und gar nicht finster sieht es nach Einschätzung der Stadtverwaltungsspitze mit der Finanzierung des anstehenden Stadion-Neubaus aus.

Foto: Sascha Fromm

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Bürgermeister und Stadtentwicklungsdezernent Christian Gerlitz (SPD) winkt ab. Ach, dass die Bündnisgrünen jüngst öffentlichkeitswirksam eine gewisse Stimmung gegen das geplante Maß des Stadion-Ausbaus aufgegriffen haben (Zeitung berichtete), „das ist gar nicht unser Punkt“, sagt Gerlitz im Gespräch an der Seite des Finanz- und Sportdezernenten Benjamin Koppe (CDU). Es müsse aber mit der „Mär“ aufgeräumt werden, dass eine von den Grünen angemahnte „Sanierung im Bestand“ und ein Neubau diametral zueinander stünden. In Wahrheit sei das, was als vermeintlich zu teurer „Neubau“ apostrophiert werde, eine „Sanierung im Bestand“, weil viele für die Zukunft des Stadions sinnvolle Elemente erhalten würden: von der relativ neuen Westtribüne bis zu Teilen des „T“-Gebäudes an der Nordseite.

Geld-Obergrenzen unterschritten

Vom Zeitpunkt her ist die von den Grünen befeuerte Diskussion insofern brisant, als am nächsten Mittwoch im ersten und nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung das Stadion-Projekt an einen Investor vergeben werden soll. Gerlitz rechnet damit, dass bereits im öffentlichen Teil jener Sitzung das Ergebnis des Vergabe-Votums bekannt gegeben wird.

Nach Beschreibung des Bürgermeisters werden in der nun angestrebten Ausbau-Variante alle politisch gesetzten finanziellen Obergrenzen sogar noch unterschritten. Und so koste das Stadion im „real case“ weniger als die vielzitierten 50 Millionen Euro. Benjamin Koppe spricht die Fördermittel des Freistaats an: 11 Millionen für die künftig reine Fußballarena und 1,4 Millionen für die neue kleine Leichtathletikanlage bei der „Muskelkirche“. Vor allem werde der Investor in die Pflicht genommen sein, „das, was er bietet, auch wirklich zu realisieren“, sagt Gerlitz. Die Stadt sei dann im Ernstfall „nicht verpflichtet nachzufinanzieren und Baukostensteigerungen mitzumachen“. Da gebe es also „starke Sicherungsmechanismen“. Andererseits fließt nach Darstellung der beiden Dezernenten der allergrößte Anteil der kommunalen Investition in die Infrastruktur rund um das Stadion, „die sowieso dran ist“, wie Koppe formuliert. Dagegen würde eine ebenfalls diskutierte 30 Millionen Euro teure „Light“-Variante dadurch preiswerter, dass ein Anbieter die Baukosten drücke, so aber „Funktionalitätsverluste“ produziere, wie Christian Gerlitz sagt.

Kleine Variante könnte sogar mehr Zuschuss erfordern

Das Fiskalische im Vergleich: Mit einem städtischen Zuschuss von jährlich 1,75 Millionen Euro im Schnitt – verteilt auf 25 Jahre – liege man jetzt knapp unter der per Ausschreibung vorgegebenen Kennzahl. Für die 30-Millionen-Variante ergebe sich ein Zuschuss-Bedarf von 1,6 Millionen, dies allerdings nur, wenn die Stadt wie für die präferierte größere Variante ebenfalls vom Freistaat einen 11-Millionen-Zuschuss erhielte. Ohne jene Fördermittel sei für die „kleine Variante“ ein jährlicher Zuschuss von 2,2 Millionen nötig. Auf die „kleine Variante“ zu setzen, ist nach Gerlitz’ Meinung also eine „Milchmädchenrechnung“. Und gar das Vergabe-Verfahren nach fünf Jahren Vorbereitung kurz vorm Ziel abzubrechen, zöge neue Diskussionen und Planungen nach sich, wie Benjamin Koppe betont. „Eine neue Variante würde teurer. Insofern: Es gibt keine bessere Variante.“

Benjamin Koppe will das Stadion-Projekt aber in noch größeren Zusammenhang gesetzt sehen. Schließlich werde aktuell so wie nie in die Jenaer Sportlandschaft investiert. 50-Meter-Schwimmhalle in Lobeda, Jenzigsportplatz, Zwei-Felder-Halle in der Erlanger Allee, neue Sportanlage Maua – das sind Stichworte dazu. „Hinzu kommt die Frage: Sind wir bereit, etwas für den Profisport zu tun?“ Und klar, ein wenig sportliche Gelassenheit sei vonnöten angesichts des FC Carl Zeiss, der aktuell ganz tief im Drittliga-Keller nach Luft ringt. Christian Gerlitz: „Wir stellen die Weichen für die Sportinfrastruktur der nächsten 50 Jahre.“

Streit im Stadtrat über Stadion-Neubau in Jena

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