So schmeckt Ostthüringen: Das Kernobst als Kerngeschäft

Schöngleina-Zinna.  Auf dem Obstgut Triebe bei Jena tragen Engagement, gute Planung und Fachkenntnis Früchte. Der Betrieb setzt auf ausgereifte Produkte und kurze Wege.

Lars Triebe betreibt gemeinsam mit Ehefrau Elfi das Obstgut Triebe bei Jena. Um nach der Büroarbeit den Kopf frei zu kriegen. gehe er gern im Bestand mit der Baumschere zu Werke.

Lars Triebe betreibt gemeinsam mit Ehefrau Elfi das Obstgut Triebe bei Jena. Um nach der Büroarbeit den Kopf frei zu kriegen. gehe er gern im Bestand mit der Baumschere zu Werke.

Foto: Martin Schöne

Es mag Zufall sein, dass das Obstgut Triebe am 1. Mai 1996 gegründet wurde, dem Tag der Arbeit. Aber eigentlich passt das ziemlich gut, denn im Gespräch mit dem Betreiber-Ehepaar, Lars und Elfi Triebe, zeigt sich rasch, dass viel Aufwand dazugehört, damit die tägliche Arbeit Früchte trägt.

Das Kerngeschäft des Familienbetriebs in Schöngleina bei Jena umfasst den Anbau von saisonalen Obstsorten auf knapp 30 Hektar Fläche. Vor allem Äpfel, 25 Sorten, aber auch Birnen, Kirschen, Pflaumen und Beeren reifen hier übers Jahr heran. „Der Beruf des Obstbauers ist sehr abwechslungsreich. Jedes Jahr ist anders“, sagt Lars Triebe. Es sei immer spannend, wie sich ein Bestand entwickelt. Viel Pflege und Überblick seien nötig, um bestmögliche Bedingungen zu schaffen. Von der Anpflanzung über den Baumschnitt, der Bewässerung, der Ernte, der Veredelung und Herstellung eigener Produkte, deren Vertrieb bis hin zur Büroarbeit prägen viele Faktoren die Erfolgsaussichten beim Obstbau.

„Manchmal flucht man, aber wenn dann am Ende optimale, schöne Früchte gewachsen sind, ist das toll“, berichtet Lars Triebe vom Glück des Obsterzeugers. Wenn es ihm mit dem zunehmenden Papierkram einmal zu viel werde, schnappe er sich die Baumschere, gehe raus an die frische Luft und widme sich der Baumpflege. „Da bekommt man den Kopf frei.“

Verkauft werden die Produkte im Hofladen, auf Märkten und in einem Jenaer Supermarkt. Zudem beliefert der Betrieb mittlerweile allein in Jena 30 Unternehmen mit knackigen Äpfeln, saftigen Kirschen und vielem mehr für deren Mitarbeiter. Auch nach Eisenberg, Hermsdorf oder Stadtroda werden regelmäßig solche Obstkisten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements geliefert. „Das ist sehr beliebt“, so Lars Triebe. Beim Obstgut setzt man auf kurze Transportwege. „Der Trend zu regional erzeugten Lebensmitteln ist sehr gut.“ Jede Region sei in den Anbaubedingungen individuell, die verschiedenen Apfelsorten – gerade die alten, beinahe verschwundenen – spezifisch im Geschmack. „Es kommt darauf an, die Ware ausreifen zu lassen, um den optimalen Genuss zu erreichen.“

Mit der Zeit hat der Familienbetrieb die Wertschöpfung mit der Herstellung eigener Produkte erweitert. Bienen sorgen für Honig, es gibt hausgemachte Marmeladen, Apfelsaft und sortenreines Apfelmus stehen im Hofladen zum Verkauf neben Produkten anderer Hersteller aus der Region. Wein vom eigenen Weinberg und seit 2019 auch Obstbrände aus der eigenen Destille komplettieren das Angebot.

Man versuche stets Trends aufzugreifen, baue etwa die Apfel-Sorte Santana an, weil diese extra für Menschen mit Apfelallergie gezüchtet worden ist. Auch alte Sorten wie Cox Orange und Gravensteiner kommen zum Zug, weil sie besonders aromatisch sind. Die Integration von teils vom Aussterben bedrohten Sorten in moderne Anbausysteme sei allerdings eine Herausforderung.

Solche Anpassungen, aber auch die jährliche Sorge vor einem späten Frost im Frühjahr, der den Blüten und damit den Ernteaussichten schaden könnte, prägen den Arbeitsalltag auf der Obstplantage. Hinzu kommen die Trockenheit der vergangenen drei bitteren Jahre, der Fachkräftemangel oder aktuell die Corona-Krise. Die Herausforderungen machten es aber auch interessant, bleibt Lars Triebe optimistisch. Im Herbst sollen auf etwa einem Hektar Fläche neue Bäume gepflanzt werden. Ob sich das rentiert, zeigt sich erst später. Denn: „Im Obstanbau sind zehn Jahre gar nichts“, sagt er über die langfristige Planung in seinem Geschäft.

3 Frage an: Winzerin und Obsterzeugerin Elfi Triebe

Elfi Triebe gibt Auskunft über ihr Obstgut.

Besteht bei den Kunden ein Interesse an alten Apfelsorten?

Wir haben eine große Nachfrage nach diesen Sorten. Boskoop, Cox Orange oder Goldparmäne werden gern gekauft. Den Leuten geht es um den Geschmack. Manche neuen Sorten schmecken etwas fad. Die alten sind aber eher problematische Träger. Das heißt, die Erträge sind schwankend und die nötigen Kulturmaßnahmen sind intensiver. Das wirkt sich auf die Produktionskosten aus.

Wie entwickelt sich der hauseigene Weinberg?

Wir bauen auf 1,2 Hektar Fläche sowohl Rot- als auch Weißwein an. Dornfelder und Blauer Zweigelt sind die roten. Als Weißweine stellen wir Müller-Thurgau, Weißburgunder und Grauburgunder sowie Muscaris her. Der Wein macht dabei deutlich mehr Aufwand als etwa die Obstplantage. Am Weinberg sind während der Vegetation viel mehr Laubarbeiten nötig.

Worauf kommt es bei der Herstellung von Obstbrand an?

Für unsere Elfen-Tropfen nehmen wir in der Brennerei nur qualitativ gute Ware, die ausgereift ist, denn es kommt unter anderem auf den Fruchtzuckergehalt an. Mit der hauseigenen Brennerei haben wir die Möglichkeit, ein neues Produkt anzubieten und so über die Vermarktung von eigenen Spirituosen mehr Ertrag zu erzielen, als über den reinen Obst-Verkauf.

Das Obstgut Triebe im Internet: www.obstgut-triebe.de