So schmeckt Ostthüringen: Wurst und Wandel

Schwarzatal-Oberweißbach.  Naturfleisch aus Oberweißbach vereint in sich althergebrachte Handwerks-Traditionen und die Veränderungen in Landwirtschaft und Vermarktung.

Blick in den Hofladen: Jürgen Kemter ist Geschäftsführer der Naturfleisch-GmbH, Bernd Möller (rechts) hatte viele Jahre bei der Fleischrind-GmbH den Hut auf und ist bis heute dort beratend tätig.

Blick in den Hofladen: Jürgen Kemter ist Geschäftsführer der Naturfleisch-GmbH, Bernd Möller (rechts) hatte viele Jahre bei der Fleischrind-GmbH den Hut auf und ist bis heute dort beratend tätig.

Foto: Martin Schöne

Rinder sind von Natur aus neugierige Wesen. So dauert es auf dem Firmengelände der Fleischrind-GmbH in Oberweißbach auch nur einen Augenblick, bis ein paar Fleckvieh-Jungbullen, die im Auslauf in geringer Entfernung vom betriebseigenen Hofladen in der Frühjahrssonne darauf warten, dass der Stall ausgemistet wird, näher kommen, um den ungewohnten Besuch zu beschnuppern.

Am Standort in Oberweißbach sind es gleich zwei Unternehmen, die gemeinsam dafür sorgen, dass die Kunden am Ende beste Thüringer Fleisch- und Wurstwaren genießen können. Die Naturfleisch-GmbH Rennsteig steht für die Direktvermarktung der Produkte, während die Fleischrind-GmbH für die Aufzucht und artgerechte Haltung der Rinder verantwortlich zeichnet. Im Gespräch mit Naturfleisch-Geschäftsführer Jürgen Kemter und dem langjährigen Fleischrind-Verantwortlichen Bernd Möller wird schnell deutlich, warum die Kombination der Begriffe „Natur“ und „Fleisch“ in Oberweißbach wörtlich gemeint ist.

Denn es ist nicht nur reines Marketing-Vokabular, wenn die Naturfleisch-Produkte vor allem über die exzellente Fleischqualität und die naturnahe Haltung beworben werden. Jürgen Kemter ordnet ein: „Als größerer Manufakturbetrieb zwischen Industrie und Handwerk stellt die traditionelle Thüringer Wurstmacherkunst unser Kerngeschäft dar.“ Die Fleischrind-GmbH, zu der auch die Bio-Rind Meuselbach GmbH gehört, zählt aktuell einen Bestand von rund 900 Tieren, darunter etwa 460 Kühe. 400 Rinder sind ganzjährig in Freilandhaltung, der Rest steht im Winter im Stall. Schweinefleisch für die Wurstproduktion wird aus Thüringen zugekauft. In der eigenen Aufzucht setzt der Betrieb speziell auf zwei Rinderrassen: Limousin und Fleckvieh. Beide seien ideal für den Standort in den Kammlagen des Thüringer Waldes, erläutert Möller.

Aus seiner Sicht sei das Limousin-Fleisch in Sachen Geschmacksqualität herausragend. Dank Weidehaltung und einer Fütterung, die auch im Stall ausschließlich auf wirtschaftseigenes Grünfutter setze, sei beispielsweise der Anteil von Omega-3-Fettsäuren im Oberweißbacher Rindfleisch wesentlich besser, als es bei einer Fütterung mit Mais oder Kraftfutter der Fall wäre.

Kemter und Möller erklären ausgesprochen detailreich, welche Bemühungen seit den Wendejahren unternommen worden sind, um die Betriebe entsprechend der natürlichen Begebenheiten und der landwirtschaftspolitischen Einordnung weiterzuentwickeln. Angesichts karger Böden, die aufgrund der Hanglagen meist nicht maschinell bearbeitet werden können, habe es quasi keine Alternative gegeben, als seinen eigenen Weg zu gehen.

Aus der Not eine Tugend zu machen, bedeutet in diesem Fall unter anderem eine Reduzierung des Tierbestands und das Bewusstsein, dass die Weideflächen mit ihren natürlichen Gräsern einen Trumpf darstellen, in einer Zeit in der Kunden zunehmend Wert auf hochwertiges Fleisch legen. Viele Anpassungen prägten die zurückliegenden Jahre, stets begleitet von wirtschaftlichen Analysen, der Ausweitung des Vertriebs und einem Fokus auf stets maximale Qualität bei den Endprodukten.

Das Ergebnis: Naturfleisch aus Oberweißbach behauptet sich heute als regionales Produkt bundesweit im Markt, sodass selbst in einem Edeka-Markt in Hamburg die Oberweißbacher Bratwurst aus 100 Prozent Rindfleisch den Geschmack der Kunden trifft.

Naturfleisch Oberweißbach im Internet.