So schmeckt Ostthüringen: Dort, wo der Hopfen wächst

Saalfeld.  So schmeckt Ostthüringen Das Bürgerliche Brauhaus ist eine Institution in der Stadt Saalfeld. Mit Qualität und Regionalität behauptet man sich hier gegen die Konkurrenz der Fernsehbiere

Bürgerliches Brauhaus Saalfeld: Geschäftsführer Jürgen Kachold (links) und Braumeister Ralf Hohmann in der Braustube

Bürgerliches Brauhaus Saalfeld: Geschäftsführer Jürgen Kachold (links) und Braumeister Ralf Hohmann in der Braustube

Foto: Robin Kraska

Auf dem Weg zu seinem Büro führt Geschäftsführer Jürgen Kachold an haushohen Blöcken aus vollen Bierkästen vorbei, Hopfenduft schlägt uns entgegen. In der Flaschenabfüllung schwillt das Aroma schließlich betörend an. Es riecht stark, aber angenehm. Hier, im Bürgerlichen Brauhaus Saalfeld, entsteht das beliebteste alkoholische Getränk in Deutschland.

Gegründet 1892, ist das Bürgerliche Brauhaus Saalfeld seit 1918 die einzige Brauerei in der Feengrottenstadt. 37 Menschen arbeiten hier.

Letztes Jahr betrug der Ausstoß 64.300 Hektoliter Bier sowie Wasser und Brausen der Marke „ Gralsburg“ , Sponsoring und Freibier nicht eingerechnet. „ Wir können uns absolut nicht beschweren“ , sagt Kachold zu Beginn.

“ Die Konsumenten sind in den letzten Jahren viel bewusster geworden und legen immer mehr Wert auf Regionalität“ , hat der 57-Jährige beobachtet. „ Immerhin konnten wir unseren Umsatz trotz sinkender Bevölkerungszahl in der Region stabil halten“ . Rund die Hälfte wird im Landkreis generiert. Regionalität ist Jürgen Kachold und Braumeister Ralph Hohmann Kompass und Verpflichtung, das Hauptverbreitungsgebiet ist mit Thüringen südlich der A 4, Teilens Westsachsens und dem südlichen Sachsen-Anhalt recht kompakt. Doch auch in Magdeburg und Berlin steht hier und da Saalfelder in den Regalen. „ Wir werben mit jeder einzelnen Flasche für die Stadt“ , findet Hohmann.

Tatsächlich zieren Motive wie die vier emblematischen Stadttore, die Gesteinsformation „ Gralsburg“ in den Feengrotten und alte Stadtansichten die Etiketten. Etwa zehn Millionen Flaschen gehen pro Jahr auf die Reise. Das Märzen „ Ur-Saalfelder“ und das Jubiläumsbier sind die beliebtesten Sorten. Ansonsten sind im alkoholhaltigen Sortiment zwei Pilsner, (Doppel)Bock, ein Dunkles, ein Weizen und zwei Radler. Beim naturtrüben Weizen entfällt der Löwenanteil auf die Gastronomie, wo es erfolgreich gegen scheinbar übermächtige Marken aus Bayern besteht. Das Dunkel schwächelt etwas, „ aber das geht momentan selbst Köstritzer so“ , weiß Kachold. Die insgesamt 13 Wässer und Limonaden haben rund 20 Prozent Anteil am Ausstoß und zehn Prozent am Umsatz, mit steigender Tendenz. Einen kleineren Posten nimmt das Lohnbrauen ein: Brauereien produzieren dabei für externe Auftraggeber, die nicht selbst brauen können oder wollen.

Im Bürgerlichen Brauhaus geschieht das derzeit für Jäcklein-Bier aus Ilmenau und Müritz-Gold in Waren, Mecklenburg-Vorpommern.

Machen die Großkonzern- und Fernsehbiere mit ihren Millionenbudgets für TV-Werbung den kleinen Saalfeldern das Leben sehr schwer? „ Mit deren Preisgestaltung können wir natürlich nicht mithalten“ , sagt Kachold. Sie seien aber die Hauptkonkurrenz, weniger regionale Mitbewerber wie die gleichfalls mittelständische Rosenbrauerei aus dem benachbarten Pößneck oder Watzdorfer im selben Landkreis. Und tatsächlich würden trotz der Positiventwicklung immer noch viele Einheimische auswärtige Sorten im Angebot kaufen, statt das Bier von hier. Ralf Hohmann freut sich trotzdem über die „ steigende Identifikation der Saalfelder mit ihrer Brauerei“ . Marketingmäßig sind sie umtriebig: Es gibt zwei Bierfeste im Winter und Spätsommer, dazu den Hopfenzupferwettbewerb direkt in der Brauerei, bei denen Teams um die Wette Dolden zupfen.

Der Rohstoff dafür wächst vor der Haustür, denn auf dem Außengelände gedeiht eigener, Saalfelder Hopfen. Sein Wachstum werde von vielen Saalfeldern aufmerksam verfolgt, sagt Hohmann.

Die Ernte wird für die Herstellung des „ Saalfelder Exklusiv“ benutzt. Regelmäßig brauen Hohmann und seine Mitarbeiter in der Braumanufaktur besondere Sorten in kleinen Mengen ein. Aktuell ist zum Beispiel „ Merseburger Bier“ erhältlich, „ eine alte deutsche Biersorte“ , erklärt der 54-Jährige. Sein Vorgänger, der Whisky-Bock, ist dagegen schon aus. Überhaupt sollte man sich sputen: „ Diese Biere sind rasch vergriffen. Es verbreitet sich wie ein Lauffeuer, wenn wir wieder etwas Neues haben“ , sagt er.