Gartenzaunsingen in Schleiz: Gemeinsames Musizieren bereichert Jung und Alt

| Lesedauer: 2 Minuten
Mädchen und Jungen des Evangelischen Kindergartens in Schleiz singen für die betagten Bewohner des Michaelishauses.

Mädchen und Jungen des Evangelischen Kindergartens in Schleiz singen für die betagten Bewohner des Michaelishauses.

Foto: Doreen Herbst/Diakoniestiftung

Schleiz.  Mädchen und Jungen des Evangelischen Kindergartens in Schleiz sangen jetzt für die betagten Bewohner des Michaelishauses.

Im Schleiz gibt es zwei Einrichtungen der Diakoniestiftung Weimar/Bad Lobenstein, die nicht nur Alt und Jung verbinden, sondern auch Menschen mit und ohne Behinderungen integrieren. Das Michaelishaus beherbergt 24 alt gewordene Menschen mit Behinderung. Im Evangelischen Kindergarten werden bis zu 75 Mädchen und Jungen betreut. Jung und Alt sehen sich am Zaun, winken einander zu, hin und wieder gibt es gemeinsame Aktivitäten. So auch am Martinstag. Mitten in all den Turbulenzen dieser Tage kam nach Schleiz ein Mann, der das Leben ein kleines Stückchen besser macht: Sankt Martin.

Die Kinder vom Evangelischen Kindergarten ließen, hübsch verkleidet mit berührenden Worten und Liedern, die Legende lebendig werden. „Ich freu’ mich schon auf die Kinder“, strahlte Hannelore, 78 Jahre, und sicherte sich mit ihrem Rollator auf der Veranda neben den Mitbetreuten einen günstigen Platz.

Um sie herum sammelten sich die anderen Seniorinnen und Senioren aus der Wohngruppe vom Obergeschoss des Michaelishauses. Alle vom Erdgeschoss positionierten die Gartenstühle an diesem sonnigen Novembertag am Gartenzaun, um den Kindern näher zu sein. Die Mitarbeitenden assistierten mit Handgriffen.

Gemeinsames Musizieren sorgt für wichtige Impulse

Für die jüngeren, mobilen Betreuten mit Autismus-Spektrum-Störung bedeutet so eine Begegnung große Aufregung. Sie brauchen Extra-Zuwendung. Thomas kommuniziert gern durch Malen. Für den heutigen Anlass wählt er gezielt zwei Farben aus: Rot für den Heiligen und Braun für weitere Details. Auf seinem Bild erkennen auch und gerade die Kinder den Heiligen Martin, der links mit dem Mantel das Bild betritt und nach dem Teilen rechts froh weiterreitet.

„Zwei Mal im Jahr treffen sich Jung und Alt zum sogenannten Gartenzaun-Singen. So eine Begegnung birgt viele Chancen. Im gemeinsamen Wahrnehmen, Begrüßen, Beschenken, Singen, Musizieren und Zuhören liegen wichtige Impulse für eine ganzheitliche, positive Entwicklung. Das bereichert ein Kindergartenkind genauso wie die Michaelishaus-Bewohner“, sagt Doreen Herbst.

Die Heilpädagogin und Musiktherapeutin ist im Michaelishaus für die Tagesstruktur zuständig. Während die Hochbetagten die wirbeligen Nachbarskinder mit Trommel, Gitarren und Singstimmen noch beim Laternenumzug begleiteten und ihnen ein Segenslied mitgaben, bleibt ein Gefühl und Wunsch von allen Beteiligten zurück: Heute haben wir die Welt ein kleines Stückchen besser gemacht.