Basketballer Hill: „Ich musste schneller als andere erwachsen werden“

Jena  Basketballer Kasey Hill spricht über schwierige Familienverhältnisse in der Kindheit und seine Ziele mit Science City Jena.

Kasey Jamal Hill

Kasey Jamal Hill

Foto: Sascha Fromm

Die ersten drei Dreierversuche gehen daneben, landen am Ring. Doch Kasey Hill lässt sich nicht beirren bei der freiwilligen Wurfeinheit nach Trainingsschluss bei Basketball-Zweitligist Science City Jena gemeinsam mit einigen Mitspielern. Schon der nächste Wurf sitzt, ohne Ringberührung flutscht der Ball durchs Netz. Genauso wie die sechs folgenden Dreier.

Niemals aufgeben: Das hat der 27-Jährige Aufbauspieler, der seit Dezember für die Thüringer spielt, auf die harte Tour gelernt. Und es ist dem in Florida geborenen US-Amerikaner in Fleisch und Blut übergegangen. Zerrüttete Familienverhältnisse hat er als Kind erlebt. Die Eltern geschieden, der Vater landete später sogar im Gefängnis. „Ich musste schneller als andere Kinder erwachsen werden. Das hat mich stärker, unabhängiger gemacht“, kann Hill der damaligen Zeit auch Positives abgewinnen.

Ersatzeltern sorgen für geordnete Verhältnisse

In der fünften Klasse der Grundschule nimmt ihn die Familie Simmons auf, sorgt in seinem Leben für geordnete Verhältnisse. „Sie haben mir so viel beigebracht. Ich kann ihnen gar nicht genug danken“, sagt er. Die Ersatzeltern, die er wie seine leiblichen ansieht, bringen ihn auch zum Basketball, weil der Junge endlich merken soll, wie es ist, Erfolge im Leben zu haben.

Das funktioniert bestens, Kasey Hill ist erfolgreich, an der Highschool, am College – und später auch als Profi in Europa. „Ich weiß nicht, was ohne den Basketball aus mir geworden wäre.“ Die Sportart hat ihn geprägt, die Jugendtrainer wurden für Hill zum Großteil auch zu Vaterfiguren.

Nur mit dem eigenen Papa gibt es weiter Differenz und lange auch keinen Kontakt, sagt er und man merkt, dass es ihn auch heute noch belastet. Im kommenden Sommer, wenn die Saison zu Ende ist, will er ihn besuchen, wieder eine Beziehung zu ihm aufbauen. „Diese schlechten Gefühle sind auf Dauer nicht gut.“

Wechsel nach Jena nicht bereut

Bis es soweit ist, haben aber die Ziele mit Science City Vorrang. Den Wechsel bereut er nicht, fühlt sich pudelwohl an der Saale und in Deutschland überhaupt. Als Afroamerikaner sei es für ihn hier leichter als in den USA. Dort habe er aufgrund seiner Hautfarbe das Gefühl, als Zielscheibe herumzurennen, sagt Hill und nennt Polizeigewalt gegen schwarze Mitbürger in den Vereinigten Staaten als Beispiel.

Auch sportlich betrachtet lasse ihn Jenas Chefcoach Frank Menz die nötigen Freiheiten. „Ich kann mein Spiel spielen.“ Wie in der vergangenen Saison bei den Eisbären Bremerhaven, wo er zu einem der besten Zweitliga-Spieler reifte, in der Tabelle als Zweiter sogar einen Platz vor den Jenaern landete.

Ein Erfolg, der sich wiederholen lässt, findet Hill, der die Thüringer in dieser Saison sogar noch einen Tick besser aufgestellt sieht. Irgendwann einmal, da will er in die BBL. „Am liebsten mit Jena.“ Doch Träume muss man sich hart erarbeiten, das hat er gelernt. Zunächst kommt immer der nächste Gegner. Und der heißt für Hill und Science City am Samstag (9. Januar) Phoenix Hagen.