Früherer Thüringer Weltklasse-Biathlet Mathias Jung feiert 60. Geburtstag

Steinbach-Hallenberg  Der frühere Thüringer Weltklasse-Biathlet Mathias Jung feiert heute 60. Geburtstag. Olympia-Silber und WM-Gold bleiben als Karriere-Höhepunkte im Gedächtnis

In Lake Placid 1980 holte Mathias Jung mit der DDR-Staffel olympisches Silber.

In Lake Placid 1980 holte Mathias Jung mit der DDR-Staffel olympisches Silber.

Foto: imago/Werner Schulze

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Für die Geburtstagsfeier mit seiner Familie und engen Freunde hat er schon lange das Steinbacher Wirtshaus gebucht. „Wenn zudem ehemalige Sportkameraden oder alte Bekannte zum Gratulieren kommen, würde ich mich freuen. Sie sind herzlich willkommen“, lässt der stolze Besitzer eines Golden Retriever, der bei einer mittelständischen Metallbaufirma im Gewerbegebiet Viernau arbeitet, wissen.

Die Olympischen Spiele 1980 und 1984 waren der Rahmen für die Laufbahn von Biathlet Mathias Jung, der am heutigen Montag seinen 60. Geburtstag feiert. Sein Aufstieg in die Weltelite begann bei den Junioren-Weltmeisterschaften 1978 im österreichischen Hochfilzen, als der damals 19 Jahre alte Trusetaler Silber im Sprint und Staffel-Gold gewann. Der elf Monate ältere Frank Ullrich wurde da WM-Zweiter im Einzel.

Die beiden kennen sich seit ihrer Kinderzeit. Später trieben sie sich im Training gegenseitig an. „Wir haben uns oftmals die Kante gegeben. ‚Mättis‘ vor mir oder ich vor ihm hetzten wir durch die Loipe“, erinnert sich Ullrich. „Das hat uns beiden viel gebracht“, bestätigt der seit vielen Jahren in Steinbach-Hallenberg lebende Jubilar.

Ein Jahr nach dem erfolgreichen Auftritt bei der Junioren-WM 1978 erkämpfte sich Jung in Ruhpolding erneut JWM-Silber, diesmal im Einzel. Damit rückte er in die Nationalmannschaft der Männer auf und löste – spätestens durch den zweiten Platz bei den DDR-Meisterschaften im Vorfeld der Olympischen Spiele von Lake Placid 1980 – das Olympia-Ticket.

In den USA legte er als Staffel-Anläufer im Olympia-Wettkampf den Grundstein für die Silbermedaille des DDR-Quartetts. „Vor dem Staffel-Rennen ging mir die Muffe. Schließlich war ich der Jüngste und Unerfahrendste unserer Staffel. Aber ich hab‘ mein Ding gemacht“, erzählt Jung. Zu der Staffel gehörte auch Kumpel Ullrich.

Seit dem olympischen Triumph war Jung aus keiner DDR-Staffel beim Saisonhöhepunkt wegzudenken. 1981 in Lahti und 1982 in Minsk wurde das Quartett Weltmeister, 1983 in Antholz gab‘s WM-Silber, immer gemeinsam mit Ullrich und ihrem aus Tambach-Dietharz stammenden Club-Kollegen Matthias Jacob. Jung legte stets als Startläufer den Grundstein dafür. In Lahti schaffte er mit Rang vier auf der 20-km-Strecke sein bestes WM-Einzelergebnis.

Klar, dass er auch zum Olympia-Kaderkreis für 1984 gehörte. Doch acht Tage vor der Abreise nach Sarajevo wurde er ausgebootet. „Du bist nicht mehr dabei“, teilte man ihm kommentarlos und ohne Gründe zu nennen lapidar mit, als er seine Olympia-Einkleidung abholen wollte. Das war für Jung wie ein Tiefschlag ohne Vorzeichen. Der Traum vom zweiten Olympia-Start war ohne Vorwarnung zerplatzt. In Sarajevo wurde die DDR-Staffel nur Vierter. Auch Frank Ullrich findet Jungs Ausbootung noch immer ganz übel. „Mättis war als Anläufer eine sichere Bank, so wie in meinen Trainer-Zeiten 2004 bei der WM in Oberhof Frank Luck oder einige Jahre Ricco Groß“, schätzt Ullrich ein.

Jung verabschiedete sich danach vom Leistungssport. „Darüber hatte ich vorher schon nachgedacht. Ich war verheiratet, meine Frau Christina hatte unseren Sohn Thomas schon geboren. Ich habe ein Jahr lang in Oberhof abtrainiert und danach bei Germina den Skibau von der Pieke auf gelernt“, sagt er. Viele Jahre betreute er als Germina-Skitechniker große Teile der Weltelite.

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