Denise Herrmanns Rezept: Auftanken in den Alpen

Oberhof.  Beim Biathlon-Weltcup in Oberhof wird Denise Hermann im Sprintrennen Zweite.

Denise Herrmann winkt glücklich ins Oberhofer Publikum.

Denise Herrmann winkt glücklich ins Oberhofer Publikum.

Foto: Sascha Fromm

Auch nach der Zielankunft macht Denise Herrmann ordentlich Tempo. Im Laufschritt geht es in die Umkleidekabine. Man will sich ja nicht erkälten bei diesem Oberhof-typischen Schmuddelwetter. Sprühregen, böiger Wind und dicke Nebelschwaden hatten zum Auftakt des Biathlon-Weltcups von Sportlern und Zuschauern wieder einmal alles abverlangt. Doch die in bunte Capes gehüllte Kulisse feiert trotzdem ausgelassen – und lässt die lächelnde Sächsin hochleben.

Nach einer Saison zum Vergessen sorgte Herrmann als Zweite im 7,5-km-Sprintrennen für den ersten Podestplatz einer deutschen Biathletin in diesem Winter – und atmet erleichtert auf: „Das Podium war sehr wichtig für mich; ich war schon sehr verunsichert.“ Nach einem Schießpatzer musste sie nur der fehlerlosen Norwegerin Marte Olsbu Roeiseland den Vortritt lassen. Dritte wurde die Französin Julia Simon.

Am meisten strahlt aber die Deutsche. Als Nachfolgerin von Laura Dahlmeier und neue Frontfrau in die Saison gestartet, war Herrmann weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Trotz eines besser angepassten Gewehrschafts und harter Arbeit an den Schießzeiten sank ihre Trefferquote auf 75 Prozent. Zu viel, um dies läuferisch auszugleichen. „Ich wollte es oft erzwingen; es lag an der inneren Anspannung, nicht an den Fähigkeiten“, meint sie rückblickend.

Sie drückte den Reset-Knopf und verzichtete auf Weihnachten bei der Familie im Erzgebirge. Mit einer „Mini-Pyramide und ganz vielen Räucherkerzen“ im Gepäck zog sie sich mit ihrem Freund, Skilangläufer Thomas Wick, nach Davos in die Schweizer Alpen zurück. „Das ist mein Lieblingsort zum Trainieren. Dort sind die Bedingungen perfekt; dort haben wir Freunde, wo wir uns sehr wohlfühlen“, beschreibt sie.

Und dort ignorierte sie jenes Arbeitsgerät, das ihr in den Wochen zuvor so viel Ärger bereitet hatte: „Bis zum Rennen auf Schalke habe ich die Waffe nicht angefasst, was man dort ja auch gemerkt hat. Aber manchmal muss man Mut zur Lücke haben“, sagt Herrmann. Danach besann sie sich im Training auf die Grundtechniken beim Schießen, achtete auf Details: „Weil Treffer vor Geschwindigkeit geht.“

Offenbar der richtige Weg, wie ihre Vorstellung in Oberhof bewies. Konzentriert visierte sie die Scheiben an und ließ sich beim letzten Schuss bewusst viel Zeit. Dass die Arena einer Waschküche ähnelte, störte die frühere Langläuferin nicht. „Das kenne ich durch zehn Jahre Oberwiesenthal. Bei Sonne in Hochfilzen kann ja jeder treffen“, meint sie augenzwinkernd und hofft mit ihrem Ergebnis, die Wende im deutschen Team herbeigeführt zu haben. Am Samstag steht das Staffelrennen, am Sonntag der Massenstart auf dem Programm.

Zufrieden konnte nach dem Sprint außer Herrmann jedoch nur Vanessa Hinz als 15. sein. Die restlichen fünf Starterinnen enttäuschten durchweg: Janina Hettich wurde 39., Maren Hammerschmidt 48., Franziska Hildebrand 61. und Marion Deigentesch belegte Platz 68 unter den genau 100 Teilnehmern.