Ehrendienst oder Auflagen verletzt? Vereinsbrauerei Apolda in der Kritik

Apolda.  Sportler des HSV Apolda sortieren Flaschen bei ihrem Sponsor als Dankeschön. Kritiker sehen Auflagen bei Kurzarbeit verletzt.

Flaschen sortieren oder Teambuildingmaßnahme? Sportler des HSV Apolda waren am Freitag in der Vereinsbrauerei Apolda im Einsatz.

Flaschen sortieren oder Teambuildingmaßnahme? Sportler des HSV Apolda waren am Freitag in der Vereinsbrauerei Apolda im Einsatz.

Foto: HSV Apolda

Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise durch die Corona-Pandemie hat nicht nur den Brauereien, sondern auch den Sportvereinen geschadet. Während fehlende Fassbierverkäufe in der Gastronomie und im Veranstaltungswesen die Umsätze der Vereinsbrauerei Apolda haben einbrechen lassen und Kurzarbeit angeordnet werden musste, musste sich der HSV Apolda mit dem Saisonabbruch abfinden und hatte mit einem durch Abstands- und Hygieneregeln verkomplizierten Vereinsleben zu kämpfen. Und nun hagelt es auch noch Betrugsvorwürfe – doch der Reihe nach.

Trotz finanzieller Nöte setzte die Brauerei während der Krise ihr Sponsoring auch im Falle des Handballvereins fort – insbesondere bei der Organisation des ohne Zuschauer stattfindenden Geisterspiels. Als Dankeschön boten die HSV-Offiziellen ihrem Sponsor an, bei Sorgen und Bedarf auszuhelfen. Der Vorstand solle informiert werden, wenn man als Team gemeinsam an einem anderen Ort etwas bewegen könne.

HSV Apolda bietet Sponsor Vereinsbrauerei Apolda seine Dienste an

Kürzlich kam Carsten Schütz, Co-Geschäftsführer der Vereinsbrauerei auf das Angebot zurück. Und so führte der HSV am Freitagnachmittag eine so genannte Teambuildingmaßnahme etwa drei Stunden auf dem Betriebsgelände durch. Auf Facebook veröffentlichte der Verein Bilder, auf denen zu sehen ist, wie die Sportler Flaschen sortieren und Kästen im großen Lager auf Paletten stapeln. „Eine Trainingseinheit der besonderen Art absolvierten im Verbund unsere 1. Männer, unsere männliche Jugend A sowie unsere 1. Frauenmannschaft“, hieß es da. Ziel war es, den Teamgeist zu stärken. Über den Nachmittag packten zwischen 15 und 25 Sportler unentgeltlich an. Im Anschluss gab es Getränke und auch etwas zu essen.

Auch Jens Löbel, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten – Region Thüringen, war über die Aktion in Apolda unterrichtet worden und findet deutliche Worte. „Für mich stellt sich das als Sozialbetrug dar. So eine Maßnahme mit dem Verein kann man im normalen Betrieb machen, aber nicht, wenn man die Beschäftigten bereits in Kurzarbeit geschickt hat. Gerade die Arbeitnehmer in der Flaschensortierung erhalten in der Brauerei das niedrigste Entgelt und sind somit auf jeden Cent angewiesen“, so der Gewerkschafter.

Bundesagentur will den Freundschaftsdienst nicht kommentieren

Laut allgemeinen Angaben der Arbeitsagentur ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für das Kurzarbeitergeld, dass ein vorübergehender und unvermeidbarer Arbeitsausfall in Verbindung mit Entgeltausfall vorliegen muss. Bevor Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, muss auch geprüft werden, ob diese nicht andere Tätigkeiten, wie etwa Aufräum- oder Instandsetzungsarbeiten für den betrieblichen Ablauf, ausführen können. Werden originäre Aufgaben eines Betriebes von betriebsfremden Dritten übernommen, so liege kein Arbeitsausfall vor und könne Kurzarbeit also nicht angewendet werden.

„Grotesk“ nennt Carsten Schütz die Vorwürfe, von denen er auf Anfrage dieser Zeitung das erste Mal hörte. Dass Sponsoring und ein gemeinsames Miteinander in ein solches Licht gerückt werde und so etwas gegen die Auflagen verstoßen solle, sei für ihn unverständlich. Nach seiner Auffassung habe der Fall nichts mit dem Thema Kurzarbeit zu tun.

Und wie bewertet die Bundesagentur für Arbeit den Fall? Am Mittwoch hielt sich die Behörde noch bedeckt: „Wir bitten um Verständnis, dass wir zu einzelnen Betrieben aus datenschutzrechtlichen Gründen keine konkreten Aussagen machen dürfen“, so eine Sprecherin der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen auf Anfrage dieser Zeitung.