Nachfrage nach Knusperbrot „Filinchen“ wächst im In- und Ausland

Apolda  Thüringer „Filinchen“ sind bundesweit in den Regalen des Lebensmittelhandels präsent und erleben weiter steigenden Zuspruch im Binnenmarkt sowie im Export. So wird zum Beispiel nach Holland, Ungarn oder Brasilien exportiert.

Breites Produktsortiment: Carolin Werner präsentierte auf der Grünen Woche in Berlin gerade erst die neuen „Filinchen“ mit wenigen Kohlenhydraten oder als vegane Variante. Foto: Peter Michaelis

Breites Produktsortiment: Carolin Werner präsentierte auf der Grünen Woche in Berlin gerade erst die neuen „Filinchen“ mit wenigen Kohlenhydraten oder als vegane Variante. Foto: Peter Michaelis

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Michael Heinemann steht auf einer grünen Wiese vor den Toren Apoldas. Er zeigt auf den Produktionskomplex der Gutena Nahrungsmittel GmbH. Hier entstehen pro Tag 80.000 Päckchen des Knusperbrots „Filinchen“. Die Zahl dürfte in den kommenden Jahren sogar noch weiter steigen, denn eine lange geplante Investition wird nun Wirklichkeit.

„Dort drüben entsteht das neue Produktions- und Logistikcenter“, sagt Geschäftsführer Heinemann und deutet auf ein unbebautes Areal, das sich neben den jetzigen Gebäuden befindet. Dort soll einerseits eine neue Produktionslinie gebaut werden, unter anderem für „chipsähnliche Snackprodukte“. Andererseits ermögliche der Ausbau der Lagerkapazität um etwa 1000 Palettenplätzen einen effizienten Versand nach Abfrage des Handels, sagt Heinemann. Investitionshöhe: 2,5 Millionen Euro, gefördert durch das Land Thüringen.

Trotz Dubai, Katar und Brasilien liegt der Fokus auf Deutschland

Dem Chef zufolge sind die Thüringer „Filinchen“ bundesweit in den Regalen des Lebensmittelhandels präsent und erlebten weiter steigenden Zuspruch im Binnenmarkt sowie im Export - auch wenn letzterer eher eine kleine Rolle spielt. So werde zum Beispiel nach Holland, Ungarn oder Brasilien exportiert. In Russland kümmere sich ein Gemeinschaftsunternehmen um die Produktion. Ausfuhren nach Spanien oder in die Schweiz gehörten hingegen schon wieder der Vergangenheit an. „Seit anderthalb Jahren sind wir auch in Dubai aktiv“, sagt Birgit Reischke, Leiterin für Vertrieb und Marketing. Auch in Katar, Bahrain und im Oman liefen Tests. Der Fokus liege aber nach wie vor auf Deutschland, sagt sie. Eine Umfrage habe ergeben, dass 88 Prozent der Thüringer den Markennamen „Filinchen“ kennen - das ist der Spitzenwert in Ostdeutschland. In den alten Bundesländern kennen immerhin 20 Prozent das Knusperbrot.

„Die Investition ist dringend notwendig“, sagt Michael Heinemann. Ursprünglich sollte es schon im Jahr 2010 soweit sein. Doch erst kam das Hochwasser, dann im vergangenen Jahr ein Brand am Standort Neukirch in der Lausitz dazwischen. Die Neukircher Zwieback GmbH gehört ebenso wie die Gutena Nahrungsmittel GmbH in Apolda und die Spreewaffel Berlin-Pankow GmbH zur Weißenfelser Handelsgesellschaft mbH, einer inhabergeführten mittelständischen Unternehmensgruppe. An den drei Produktionsstandorten wird ein Umsatz von zuletzt 15 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaftet.

Weitere Investitionen in Forschung und Produktentwicklung geplant

Durch Hochwasser und Brand in Neukirch sank dann auch die Investitionshöhe in Thüringen von 5 auf 2,5 Millionen Euro. Weitere Mittel sind in den kommenden Jahren jedoch nicht ausgeschlossen. Heinemann kündigte auch an, noch mehr in Forschung und Produktentwicklung investieren zu wollen.

Ein weiterer positiver Aspekt der Veränderungen in Thüringen sei auch, dass sechs neue Arbeitsplätze in den kommenden Jahren in Apolda entstehen sollen. Bisher gibt es bei Gutena 43 Mitarbeiter.

Zur Sache: Ursprung des Namens „Filinchen“ hat mit einer Romanze zu tun

  • Die Idee zum Knusperbrot „Filinchen“ hatte der Bäcker und Konditor Oskar Kompa.
  • Er gründete im Jahr 1946 in Apolda einen Handwerksbetrieb, der anfangs „ganz normale“ Back- und Konditoreiwaren herstellte.
  • Seit 1949/50 hatte sich Kompa immer mehr auf die Produktion von Fettcreme- und Baiserwaffeln spezialisiert - Produkte, die hervorragend geeignet waren, den Süßigkeitenhunger der ersten Nachkriegsjahre zu stillen und einiges an Kalorien zu liefern.
  • 1956 war das Geburtsjahr seiner Spezialität „Filinchen“. Die Bezeichnung soll eine liebevolle Erinnerung an den Kosenamen einer Jugendfreundin sein - also etwas ganz besonderes. Ob die Dame nun Lina, Philine oder doch Felicitas hieß, ist nicht überliefert.
  • „Filinchen“ sind kein Knäckebrot und keine Waffeln, sondern ein im Waffeleisen gebackenes Knusperbrot.

Erfolgreich durch Exporte

Aus Thüringen kommen längst nicht mehr nur Würste und Klöße: Tatsächlich gibt es im Freistaat eine Vielzahl von Unternehmen, die ihre Waren und Dienstleistungen in alle Welt exportieren. Bauteile für schnelle Autos werden im Freistaat ebenso hergestellt wie Software oder Blitzgeräte zur Verkehrsüberwachung. Viele dieser Firmen sind klein oder mittelständisch - und in ihrer Heimat weithin unbekannt. Oft hat das damit zu tun, dass man ihre Produkte als Verbraucher gar nicht kaufen kann, weil sie nur an andere Firmen geliefert werden. Mit unserer Serie „Weltmarkt Thüringen“ stellen wir solche Firmen vor. Wir schauen darauf, was die Firmen herstellen und wer ihre Kunden sind. Sollten Sie einen Vorschlag für die Serie haben, senden Sie bitte eine E-Mail mit Betreff „Weltmarkt“ an: f.girwert@tlz.de

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