Thüringer Weingüter melden katastrophale Frostschäden

Sonnendorf/Kaatschen/Jena.  Die Thüringer Weingüter Bad Sulza und Zahn in Kaatschen erwarten etwa 50 Prozent Ernteverlust durch Frostschäden vom Wochenanfang.

André Zahn vom gleichnamigen Thüringer Weingut in Kaatschen zeigt den Schaden an einer so genannten Frostrute, die eigentlich die Mai-Fröste unbeschadet überstehen sollte.

André Zahn vom gleichnamigen Thüringer Weingut in Kaatschen zeigt den Schaden an einer so genannten Frostrute, die eigentlich die Mai-Fröste unbeschadet überstehen sollte.

Foto: Martin Kappel

Hatten die hiesigen Winzer in der aktuellen Saison schon kein Glück mit Corona, kommt jetzt auch noch Pech durch die Eisheiligen hinzu. Trotz eigentlich milder Frosttemperaturen sorgte Montagnacht bundesweit für Unbehagen bei den Landwirten, die Begutachtung der Weinberge am Dienstagmorgen offenbarte dann eine Katastrophe, die im Weimarer Land in den letzten 50 Jahren einmalig gewesen sein dürfte.

Unabhängig der durch den Klimawandel veränderten Ausprägung der Jahreszeiten, wisse der Winzer im Weinbaugebiet Saale-Unstrut, dass Spätfröste im Mai nie ganz auszuschließen sind. Die Weinstöcke haben deswegen zur Sicherheit noch eine hochstehende Frostrute, die in normalen Jahren Mitte Mai abgeschnitten wird. Nun wird dieses Ersatzholz in den nächsten Tagen noch zusätzlich zu der bereits gebogenen Fruchtrute über die Drähte nach unten gezogen, um die Frostschäden teilweise ausgleichen zu können, erklärt André Zahn vom gleichnamigen Thüringer Weingut in Kaatschen.

Seltene Klima-Konstellation sorgt für schwere Frostschäden in den Weinhängen

Diese Zweigleisigkeit der Pflanze sorgt dafür, dass Bodenfröste bei typischen 1,5 Grad Minus nur den unteren Trieb schädigen können, da bereits anderthalb Meter über dem Boden Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen, ergänzt sein Kollege Andreas Clauß vom Thüringer Weingut Bad Sulza in Sonnendorf.

Die kälteste Mai-Nacht in Thüringen seit 42 Jahren

In der Nacht zum Dienstag erreichte das Quecksilber je nach Hang der beiden Weingüter zwischen minus 2 und minus 2,7 Grad Celsius. Doch gleichzeitig herrschte diesmal auch Luftfrost. Das könne mit dem stärkeren Regen vom Montag in Verbindung stehen, fachsimpeln die Winzer. Der Niederschlag war zwar willkommen – haben die beiden heißen und trockenen Vorjahre doch die Bodenwasserreserven nachhaltig geschröpft –, aber so kalt gewesen, dass er dem Boden zusätzlich Wärme entzog. Im Anschluss sei dann der Himmel aufgeklart.

Trockenheit und Unwetter könnten für weitere Ertragseinbußen sorgen

Den stärksten Schaden hinterließ der Frost am Grafenberg bei Jena. Hier seien nahezu 100 Prozent aller Triebe abgestorben. Dort wäre eigentlich der Bacchus aus dem Hause Thüringer Weingut Bad Sulza gereift. „Ob sich die Pflanzen erholen und wir überhaupt nennenswert Trauben ernten können, muss man sehen“, so Andreas Clauß. Sein Weinhang bei Auerstedt weise auch sehr starke Schäden auf. Am Sonnenberg, dem wichtigsten Hang des Landwirtes, seien die Frostschäden noch moderat. „Wenn ich zum Jahresende auf 50 Prozent Ernte komme, wäre das noch gut“, so der Winzer.

Mit etwa 50 Prozent Einbußen über alle 16 Sorten hinweg, rechnet auch André Zahn. „Das ist eine große Katastrophe“, so der Kellermeister. Sein Vater habe in der Geschichte des Familienunternehmens selbst in 50 Jahren Ähnliches nicht erlebt. Am Freitag könne es nochmal kalt werden. „Doch wir hoffen, dass wir die Eisheiligen jetzt überstanden haben“, so André Zahn.

Damit sich die Ernteprognose nicht weiter verschlechtere, müsse es 2020 bei ausreichend Sonnenschein auch genügend regnen und müssten sich Hagel und Sturm in Grenzen halten. Wirtschaftliche Auswirkungen hatte hingegen bereits die Corona-bedingte Schließzeit der Gastronomie. Der Absatz in Kaatschen war etwa halbiert. Doch angesichts des zu erwartenden ertragsarmen Jahrganges sei man zumindest in Bad Sulza froh über manche nicht verkaufte Flasche, da die Vorräte so länger bis ins Folgejahr ausreichen werden.