Jahresrückblick

Lauterbach bei "Markus Lanz": Biontech ist jetzt schon knapp

Jessica Lichetzki
| Lesedauer: 6 Minuten
Lauterbach: "Wir haben zu wenig Impfstoff"

Lauterbach: "Wir haben zu wenig Impfstoff"

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat bestätigt, dass im ersten Quartal 2022 ein Mangel an Corona-Impfstoff droht. of Pfizer-BioNTech Covid-19 vaccine production in Kalamazoo, Michigan

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Berlin  Beim "Lanz"-Jahresrückblick zeigte sich Gesundheitsminister Karl Lauterbach alarmiert: Wie es um Deutschlands Impfstoff-Vorrat steht.

Die andauernde Corona-Krise, eine verheerende Flutkatastrophe und das Ende der Merkel-Ära – das Jahr 2021 war sicher kein einfaches. "Es war ein hartes Jahr, das uns noch allen in den Knochen stecken wird", resümierte TV-Moderator Markus Lanz die vergangenen Monate in seinem Jahresrückblick. Gemeinsam mit 14 Gästen blickte Lanz in der Sondersendung auf ein ereignisreiches Jahr zurück.

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste beim Jahresrückblick:

  • Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister
  • Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayerns
  • Alena Buyx, Vorsitzende des Ethikrats
  • Ralf Berning, Intensiv-Krankenpfleger
  • Lars Klingbeil, SPD-Chef
  • Zarifa Ghafari, afghanische Kommunalpolitikerin
  • Jens Arlt, Brigadegeneral
  • Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen
  • Cornelia Weigand, Bürgermeisterin von Altenahr
  • Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in Washington
  • Michael Fanone, US-Polizist
  • Gerald Asamoah, Ex-Nationalspieler
  • Carlotta Nwajide, Ruder-Olympionikin
  • Dirk Steffens, Wissenschaftsjournalist

Lauterbach bei Lanz: Der Impfstoff reicht nicht aus

Gerade scheint die Booster-Kampagne richtig gut zu laufen, da verkündet der frischgebackene Gesundheitsminister Karl Lauterbach: "Für eine offensive Booster-Kampagne, wie wir sie zurzeit fahren, reicht der Impfstoff nicht aus."

Kopfschüttelnd hakte der Moderator nach: "Wie viel Impfstoff haben wir tatsächlich?" Und tatsächlich sieht es schlecht aus. "Wir können in der nächsten Woche 1,2 Millionen Dosen Biontech für ganz Deutschland ausliefern, in der Woche darauf 800.000 Dosen und dann noch einmal 1,2 Millionen Dosen", sagte Lauterbach. "Das ist aber viel weniger als das, was die Ärztinnen und Ärzte jede Woche abrufen." Lauterbach erläuterte: "Das sind schon Reserven. Wir schütten hier alles aus. Denn die Kampagne muss ja laufen, so gut, wie sie kann."

Doch der Gesundheitsminister, der seinen neuen Posten als "schwerste Aufgabe" seines Lebens bezeichnete, hat auch schon eine Lösung parat. Er versuche jetzt "notfallmäßig" das Vakzin aus "osteuropäischen Ländern zurückzukaufen". Warum die osteuropäischen Länder den Impfstoff nicht selbst verimpfen können, erklärte Lauterbach nicht.

Spahn-Nachfolger: Lauterbach will "reinen Wein einschenken"

"Ich unternehme alles, was ich kann", versicherte er. Und um böses Blut mit dem Vorgänger zu vermeiden, hielt sich Lauterbachs Kritik an Jens Spahn in Grenzen. "Das ist kein Vorwurf an meinen Vorgänger, aber ich muss doch reinen Wein einschenken", betonte er.

Und reinen Wein schenkte der Gesundheitsminister ein. So rein, dass Finanzminister Christian Lindner ganze 2,2 Milliarden Euro zu Verfügung stellte, um neuen Impfstoff zu bestellen. Laut Lauterbach sei vor allem wichtig, jetzt keine "Parteipolitik" zu betreiben, sondern auch mit der Opposition zusammenzuarbeiten.

Wenn es um Zusammenarbeit geht, scheint die diesjährige Bundestagswahl kein gutes Beispiel zu sein – zumindest, wenn es um die Auswahl der Kanzlerkandidaten geht. Im zweiten Teil seines Rückblicks nahm Markus Lanz seinen Namensvetter Markus Söder in die Mangel. "Wie oft denken sie darüber nach, was für eine historische Chance das war?", stichelte der Moderator.

Markus Söder wünscht sich offensiveren Stil in der Politik

Per Videoschalte zeigte sich der bayrische Ministerpräsident allerdings unbeeindruckt. "Ich habe das ohne Groll gemacht", kommentierte Söder den Kampf um die Kanzlerkandidatur. Ob die CDU/CSU eine Chance gehabt hätte, wollte er nicht beantworten. "Das es so gekommen ist, wie es gekommen ist, ist aber sehr schade, und zwar nicht für mich oder auch nicht für Amin Laschet, sondern für die Union insgesamt“, sagte Söder.

Eins stellte der Ministerpräsident allerdings fest: Politik wie Olaf Scholz könne er nicht betreiben. "Ich hätte eher einen offensiveren Stil gewählt", so Markus Söder. Im Laufe des Wahlkampfs habe er sich immer wieder gefragt, was Scholz überhaupt für Positionen einnehme. Auch interessant: Scholz' erste Regierungserklärung: Der Beginn ist düster

Einer der sich von Anfang sicher war, dass Scholz die Position des Bundeskanzlers einnehmen wird, war SPD-Chef Lars Klingbeil. "Wie sehr haben Laschet und Baerbock mitgeholfen?", hakte Lanz nach.

Flutkatstrophe: Bürgermeisterin lobt Zusammenhalt

Klingbeil machte deutlich, dass besonders Armin Laschets Fauxpas während der Flutkatastrophe für einen Wendepunkt im Wahlkampf sorgte. "Ich habe mir dieses Video sechs-, siebenmal bestimmt angeguckt und habe gedacht: Das kann nicht sein", sagte Klingbeil.

Nicht nur Laschets Lacher stand in der Kritik, besonders der Umgang mit der Flutkatastrophe wurde stark diskutiert. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul plädierte für eine frühzeitige Erkennungstaktik.

"Ich glaube, wir müssen dringend was daran tun, dass Menschen Katastrophen ernst nehmen", akzentuierte Reul. Cornelia Weigand, Bürgermeisterin von Altenahr, lobte den Zusammenhalt der Bevölkerung. "Das ist unglaublich", so Weigand.

"Markus Lanz": US-Polizist wollte nur überleben

Doch nicht nur innenpolitisch war viel los, auch die Außenpolitik sorgte für Schlagzeilen. Allen voran die USA. Im Januar stürmten Trump-Anhänger das US-Kapitol. Der amerikanische Polizist Michael Fanone, der bei den Angriffen einen Herzinfarkt erlitt, erinnerte sich genau an die Situation. "Ich hatte wahnsinnige Angst, mir ging nur durch den Kopf: Wie kann ich das überleben?", erzählte Fanone. Der Journalist Elmar Theveßen nannte die Attacke den "Gipfel eines Umsturzversuches".

Und trotz zeitlich abgestimmter Themenblöcke, fehlte es häufig an Substanz. Gerade als es um das diesjährige EM-Finale und die damit verbundenen rassistischen Anfeindungen ging, schaffte es Lanz nicht, tiefer zu gehen.

Vielmehr versuchte der Moderator individuelle Rassismuserfahrungen der Gäste zu thematisieren. Auch beim Thema Afghanistan nutzte der Moderator nicht die Chance, die Kommunalpolitikerin Zarifa Ghafari ausreichend zu befragen. Lesen Sie auch: Afghanistan: Neue Katastrophe bahnt sich an - Taliban wirbt um Hilfe

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