Seiteneinsteiger an Thüringer Schulen: Gewerkschaft sieht Nachbesserungsbedarf

Erfurt.  Um die Lücken zu schließen, hat Thüringen seit Januar 99 Lehrkräfte aus anderen Berufen an die Schulen geholt. Jeder zehnte neue Lehrer im Freistaat ist Seiteneinsteiger.

Vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften werden dringend Lehrer gesucht.

Vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften werden dringend Lehrer gesucht.

Foto: Marijan Murat / dpa

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Lehrer dringend gesucht: 165 offene Stellen schreiben die fünf Schulämter des Landes aktuell aus. 16 Angebote richten sich speziell an potenzielle Seiteneinsteiger, weil sich schon längere Zeit kein geeigneter Bewerber für sie fand. Allein an der Wiebeckschule in Bad Langensalza zum Beispiel werden drei Lehrer gesucht, die Mathematik, Physik, Geschichte und Sozialkunde unterrichten können. Um Lücken in den Lehrerzimmern zu schließen, hat das Land in diesem Jahr bislang 99 Seiteneinsteiger eingestellt. Bei insgesamt 1069 unbefristeten Einstellungen seit Januar beträgt die Quote der Quereinsteiger 9,3 Prozent. Gegenüber den Vorjahren ist das eine deutliche Steigerung, 2018 waren es noch 42, im Jahr davor 13. Dennoch liegt der Freistaat damit noch unter dem Bundesschnitt, wo von 100 neu eingestellten Lehrern 13 Seiteneinsteiger waren.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) spricht von einer wichtigen Ergänzung, wenn für eine offene Stelle kein Lehramtsabsolvent gefunden werden kann. Willkommen seien Bewerber mit Hochschulabschluss besonders in den Naturwissenschaften, aber auch Absolventen musisch-künstlerischer Fächer. An den Berufsschulen ist außerdem ein Seiteneinstieg mit einem Meisterabschluss möglich.

Wer als Seiteneinsteiger vor eine Schulklasse treten will, muss in Thüringen zuvor einen Intensivkurs absolvieren und berufsbegleitend eine Nachqualifizierung machen. Je nach beruflicher Qualifikation dauert sie bis zu zwei Jahren. Allein im August begannen 61 Lehrkräfte eine solche zusätzliche Ausbildung, die sie vor allem pädagogisch und didaktisch aufrüsten soll.

Bildungsgewerkschaft GEW sieht Nachbesserungsbedarf

Bei den Bedingungen, unter denen die Lehrkräfte in den neuen Beruf einsteigen, sieht die Bildungsgewerkschaft GEW allerdings noch Nachbesserungsbedarf. Sie mahnt unter anderem eine anwachsende Staffelung der Unterrichtsstunden für sie an, ähnlich wie es bei Lehramtsanwärtern der Fall ist. Für die erfahrenen Lehrer, die ihnen pädagogisch zur Seite stehen, müssten für den Mehraufwand auch Stunden vorgesehen werden.

Die Mehrzahl der Seiteneinsteiger unterrichtet an Regelschulen und Berufsschulen. Die Fächer sind breit aufgestellt. Neben Mathematik, Naturwissenschaften und Sport kommen sie auch im Fremdsprachenunterricht zum Einsatz, geben Musikstunden oder Deutsch als Zweitsprache. Insgesamt wurden in den vergangenen fünf Jahren 129 Seiteneinsteiger in den Schuldienst eingestellt.

Ein Lehrer für alle Fälle: Ausbildung von Pädagogen in Thüringen künftig nicht mehr nach Schularten, sondern nach Schulstufen

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