Diskussion zur elektronischen Patientenakte: Viele Vorteile für Ärzte und Kranke

Erfurt.  Die elektronische Patientenakte, die zum 1. Januar 2021 eingeführt wird, soll die medizinische Versorgung verbessert. Zunächst bedeutet sie mehr Arbeit.

Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer-Landesvertretung in Thüringen.

Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer-Landesvertretung in Thüringen.

Foto: Sascha Fromm

Die Zettelwirtschaft soll in absehbarer Zeit ein Ende haben: Zum 1. Januar 2021 kommt die elektronische Patientenakte (ePa). Ziel ist es, künftig alle Gesundheitsdaten von Patienten digital zu erfassen. Denn das, so die Überzeugung, wird positive Auswirkungen auf Therapieentscheidungen und die Qualität der medizinischen Versorgung haben.

Wenn Arzt B zum Beispiel anhand der digitalisierten Patientendaten sieht, dass Arzt A gerade erst eine bestimmte Untersuchung vorgenommen hat, dann muss er diese nicht wiederholen, sondern kann sofort auf die Befunde zurückgreifen. Das spart belastende Doppeluntersuchungen und zugleich Kosten und personelle Ressourcen. Denn das wird in einer älter werdenden Gesellschaft mit einer wachsenden Zahl behandlungsbedürftiger Patienten immer wichtiger.

Barmer-Landesgeschäftsführerin sieht „Kulturwandel“

Die Einführung der ePA kommt einem „Kulturwandel“ gleich, betonte Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer-Landesvertretung Thüringen, am Freitag zum Auftakt einer Diskussion über die ePa, die wegen Corona digital stattfand. Im Moment lägen die Informationen noch verstreut: bei niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern, Krankenkassen oder den Patienten selbst. Diese Informationen zu bündeln, um die Kommunikation zwischen den Leistungserbringern zu verbessern, sei das Anliegen, wobei die ePa „die Akte des Patienten“ sei.

Bis die ePa allerdings ihre Vollversion erreicht hat, wird es noch dauern. Die Barmer, berichtete Abteilungsleiterin Regina Vetters, biete ihren Versicherten im ersten Schritt eine App an. Welche Daten dort gespeichert werden und wer darauf zugreifen darf, entschieden die Patienten. In die ePa aufgenommen werden könne etwa ein Medikationsplan mit der Maßgabe, den Patienten täglich auf elektronischem Wege an die Einnahme und schließlich an neue Rezepte zu erinnern. In der zweiten Phase solle es ab Mitte 2021 möglich sein, etwa das Zahnarzt-Bonusheft oder den Impfpass in der ePa abzulegen. Vetters rechnet damit, dass zum Jahreswechsel bereits eine halbe Million Barmer-Versicherte die App nutzt.

Systemwechsel sorgt für Mehraufwand

TLZ-Chefredakteur Nils R. Kawig als Moderator der Runde verhehlte indes nicht, dass er den Registrierungsprozess für eine gewisse Hürde hält. Christian Klose vom Bundesgesundheitsministerium sagte, dass die Einführung der ePa zunächst allen Seiten „harte Arbeit“ abfordere, sie aber unerlässlich sei, „um die Medizin besser zu machen“.

Thomas Steiner, Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Erfurt, konnte aus seiner Praxis bestätigen, dass der Systemwechsel zunächst einen Mehraufwand bedeutet. Aber inzwischen überwögen die Vorteile: Statt mit Aktenordnern arbeite das Personal in seinem Haus seit 2017 mit digitalen Patientenkurven. Gut 83 Prozent aller Therapiemaßnahmen würden inzwischen dort erfasst, was auch die Zahl der Fehler – etwa bei der Medikamentenstellung in der Nacht – verringern helfe. „Die Dokumentation hat sich deutlich verbessert“, so Steiner. Allerdings forderte der Chefarzt Konzepte für Systemtotalausfälle.

Die Eisenacher Ärztin Karin Schlecht fragte sich derweil, wie ambulant tätige Ärzte nebenher noch Daten in ePas übertragen sollen: bei im Schnitt bis zu 200 Patienten pro Tag.