HNO-Klinik eröffnet neues Tinnitus-Zentrum in Jena

Die Jenaer HNO-Klinik eröffnet eines der ersten Tinnitus-Zentren. In der interdisziplinären Einrichtung wird Menschen, die unter quälenden Geräuschen im Ohr leiden, in einer fünf-Tages-Therapie geholfen. Die Lebensqualität der Betroffenen wird wieder erhöht.

Genau hingehört: Orlando Guntinas-Lichius (li.) erklärt UKJ-Vorstand Klaus Höffken das Phänomen Tinnitus. Foto: Christian Voigt

Genau hingehört: Orlando Guntinas-Lichius (li.) erklärt UKJ-Vorstand Klaus Höffken das Phänomen Tinnitus. Foto: Christian Voigt

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Jena. Nach einem langen Abend in der Diskothek oder häufigen Konzertbesuchen hatten die meisten mit dem Problem am Folgetag schon einmal zu kämpfen: unerklärliche Geräusche im Ohr, die für andere nicht wahrnehmbar sind. Das reicht von einem Rauschen bis hin zu einem Piepen und wirkt auf den Betroffenen störend.

"Meistens verschwindet das Geräusch nach kurzer Zeit dann wieder", sagte Professor Orlando Guntinas-Lichius, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO). "Problematisch wird es, wenn diese Geräusche sich zu einem chronischen Tinnitus ausweiten."

Für Patienten, die länger unter dem Symptom leiden, hat die HNO-Klinik gestern ein neues Tinnitus-Zentrum eröffnet, das es in dieser Art nur in Berlin gibt. Hier arbeiten ab sofort Experten verschiedener Fachrichtungen zusammen. "Die Patienten müssen also nicht mehr von Arzt zu Arzt rennen, wie das bisher der Fall war", sagte Professor Klaus Höffken, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. Die neue Einrichtung resultiere neben dem medizinischen Aspekt vor allem aus dem Bedarf der Patienten, sagte Höffken, schließlich kalkuliere man in Thüringen mit über 20"000 Betroffenen.

Ein Grund für die steigende Zahl sei, "dass die Patienten immer jünger werden. Neben Konzerten und Diskotheken tragen auch MP-3-Player dazu bei", sagte Guntinas-Lichius. Die ambulante Versorgung reiche unterdessen nicht mehr aus. Im neuen Tinnitus-Zentrum werden die Patienten deshalb über fünf Tage stationär behandelt. "Sie bekommen hier ein umfassendes diagnostisches und therapeutisches Programm, das alle Facetten der Erkrankung erfasst", sagte der Direktor der HNO-Klinik.

Therapiert werden die Patienten von einem HNO-Arzt, einem Audiologen, Psychologen und Physiotherapeuten, da nur eine Fachdisziplin die Beschwerden nicht lindern könne. "Das Ziel wird deshalb sein, die Belastung soweit wie möglich zu reduzieren", sagte Dr. Daniela Ivansic-Blau. Solange es keine medizinische Behandlung gebe, die das Symptom ausschalte, lernen die Patienten, die Ohrgeräusche in den Hintergrund der Wahrnehmung zu schieben. "Das wird auch zu einer Besserung der Schlafprobleme und zu einer Erhöhung der Lebensqualität führen", sagte die Psychologin und Psychotherapeutin.

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