Shuntchirurg mit 79 Jahren zum Chefarzt in Thüringen berufen

Blankenhain  Für das Helios-Klinikum Blankenhain spielt nicht das Alter, sondern die Expertise von Professor Bitter-Suermann eine Rolle. Er wird Chefarzt des Zentrums für Dialyseshuntchirurgie, der einzigen in Thüringen.

Ein Shunt wird eingesetzt: Dinah Döbrich (links) und Thomas Franz von der Helios-Klinik Blankenhain bei dem Eingriff, der etwa eine Stunde dauert.

Ein Shunt wird eingesetzt: Dinah Döbrich (links) und Thomas Franz von der Helios-Klinik Blankenhain bei dem Eingriff, der etwa eine Stunde dauert.

Foto: Helios Klinik Blankenhain

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Im ambulanten Bereich ist es keine Seltenheit, dass Ärzte weit über das Renteneintrittsalter hinaus praktizieren: An die 180 Mediziner sind nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen bereits 70 Jahre und älter, ein Dutzend sogar schon über 80. Doch in Krankenhäusern sind Ärzte in diesem Lebensalter nicht so häufig anzutreffen – und dass ein fast Achtzigjähriger zum Chefarzt berufen wird, dürfte schon eine Ausnahme sein. Doch an der Blankenhainer Helios-Klinik (Kreis Weimarer Land) ist genau das jetzt der Fall: Mit Professor Hinrich Bitter-Suermann wird an diesem Mittwoch ein 79-Jähriger offiziell in dieses Amt eingeführt.

Bitter-Suermann wird Chefarzt des Zentrums für Dialyseshuntchirurgie, der einzigen in Thüringen. Ein Shunt ist eine künstlich hergestellte Verbindung von Vene und Arterie bei Menschen, deren Nieren nicht mehr richtig arbeiten und die deshalb auf die Blutwäsche angewiesen sind. Mehr als 500 Patienten werden nach Klinik­angaben pro Jahr shuntchirurgisch versorgt.

Die Expertise gab den Ausschlag

Für die Blankenhainer Klinik spielte das Alter von Professor Bitter-Suermann bei der Stellenbesetzung keine Rolle, den Ausschlag gaben einzig und allein seine fachlichen Qualitäten. Der Mediziner, teilte die Geschäftsführung auf Anfrage mit, habe „durch seine umfassende fachliche Expertise in der Transplantations- und Shuntchirurgie, seine enorme internationale Erfahrung auf diesem Spezialgebiet sowie durch seine Führungs- und Sozialkompetenz überzeugt und beeindruckt“.

Die Klinik ist davon überzeugt, dass der neue Chefarzt seine Erfahrungen in die „Fortführung und Weiterentwicklung unseres Zentrums einbringen und damit den Beitrag, den die Klinik zur medizinischen Versorgung leistet, ausbauen wird“.

Hinrich Bitter-Suermann wurde 1940 in Berlin geboren und studierte in Würzburg, Göttingen und Kiel Medizin. Nach der Approbation (1967) arbeitete er in Schweden, England, den USA und Kanada. Er war sogar Abgeordneter in der kanadischen Provinz Nova Scotia, bevor er 2007 nach Deutschland zurückkehrte, um in Mannheim ein Zentrum für Shuntchirurgie aufzubauen. 2012 ging er nach Stuttgart, um auch dort ein solches Zentrum ins Leben zu rufen.

Was ihn nun für Blankenhain einnahm? „Der sehr gute Ruf der Klinik“, betont der Mediziner. In Blankenhain könne er Nierenpatienten betreuen, die meist noch mit anderen Grunderkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes in die Klinik kämen. „Bei uns profitieren sie von einem interdisziplinären Team mit individueller Betreuung in einem familiären Haus.“ Dass der international renommierte Mediziner, der nach wie vor mit Leib und Seele Arzt ist, sich nicht nur mit seinem neuen Arbeitsplatz längst vertraut gemacht hat, sondern auch schon in der Region angekommen ist, belegt das Thema seines Antrittsvortrags: Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums hat er ihm den Titel „Bauhausähnliche Evolution der Shuntchirurgie“ gegeben.

In Thüringen sind etwa 1300 bis 1400 Menschen auf die Dialyse angewiesen. Ungefähr ein Zehntel von ihnen wird über einen Katheter versorgt, alle anderen über einen Shunt. Problem dabei: Selbst bei nahezu steriler Reinlichkeit kann es zu Verunreinigungen, Entzündungen und im schlimmsten Falle sogar zu Blutvergiftungen kommen. In diesem Fall benötigen Patienten sofortige Hilfe, weshalb das Ärzteteam der Blankenhainer Dialyseshuntchirurgie rund um die Uhr erreichbar ist. Bei etwa 250 solcher Notfälle jährlich wird der Shunt mit einem Ballon geweitet oder aber durch einen neuen ersetzt. Am komplikationsärmsten sind Shunts aus körpereigenem Gewebe. Das Zentrum für Dialyseshuntchirurgie in Blankenhain hat Anfang 2018 als eines der ersten in Deutschland das Zertifikat „Interdisziplinäres Zentrum für Dialyse­zugänge“ erhalten.

Hinrich Bitter-Suermann ist indes nicht der einzige Ü-70er, der noch als Arzt an einer Klinik in Mittelthüringen tätig ist: Mit Professor Reinhard Fünfstück, langjähriger Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, feierte am Dienstag der Ärztliche Direktor des Weimarer Klinikums seinen 71. Geburtstag.

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