Fluch oder Segen

Die Andacht zum Wochenende für den Landkreis Sömmerda.

Pfarrerin Anne Simon aus Rastenberg

Pfarrerin Anne Simon aus Rastenberg

Foto: Andreas Simon

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Sind sie schon mal verflucht worden? Oder haben Sie jemanden verflucht? Und wie war das so?

Um Fluch oder Segen dreht es sich in dem Spruch, der uns heute als Tageslosung gegeben ist: Ihr müsst euch entscheiden: Wählt zwischen Segen und Fluch! Der Herr, euer Gott, wird euch segnen, wenn ihr auf seine Gebote achtet. Doch sein Fluch trifft euch, wenn ihr nicht darauf hört, sondern vom Weg abweicht, den ich euch heute zeige (5. Mose 11,26-28).

Klingt ganz schön mysteriös, sein Fluch trifft euch. Flüche kenne ich hauptsächlich aus „Fluch der Karibik“ oder dem letzten Borowski-Tatort, also allenfalls aus dem Kino, Fernsehen oder Büchern. Ich selbst hab ansonsten eher selten mit Flüchen in meinem Alltag zu tun.

Was ist eigentlich ein Fluch? Ein Fluch ist das Gegenteil von Segen. Ein mächtiger schlechter Wunsch, der sich womöglich erfüllt. So was in der Richtung. Uhh. Da muss man sich ja in Acht nehmen. Soll das eine Drohung sein? Oder ein kluger Ratschlag? Wehe ihr haltet euch nicht an die Regeln, dann trifft euch der Fluch! Also kurz zusammengefasst: Wer gegen die Regeln verstößt, den trifft der Fluch.

Damit ist zugleich, quasi im Umkehrschluss auch noch gesagt: wem es offenkundig schlecht geht, wer krank ist oder sonst wie vom Pech verfolgt, den hat vermutlich der Fluch getroffen, der ist also letztlich selber Schuld an der ganzen Misere. Wahrscheinlich hat er sich nicht an die Regeln gehalten und jetzt kriegt er eben sein Fett weg.

Es gab wohl Zeiten und Leute, da wurde das so geglaubt und gelehrt. Von solchen Automatismen und plumpen Erklärungsversuchen halte ich gar nichts. Viele, denen es schlecht geht, haben das nicht „verdient“ oder sind selbst Schuld.

Soll Corona Folge eines Fluches sein? Die ganze Welt wird bestraft, wie in einer schlechten Schule? Es mag wohl manche geben, die so etwas erzählen aber das geht mir gehörig gegen den Strich. Das ist zu einseitig. Und so kann ich Gott auch nicht verstehen.

Aber eine andere, für mich viel überzeugendere Lebenserfahrung spiegelt sich in dem Vers. Viele Regeln und Gebote sind richtige und wichtige Grundsätze unseres menschlichen Zusammenseins und machen eben dieses Zusammensein erst möglich und schön.

Wer diese Regeln nicht beachtet und zum Beispiel immer unfreundlich und unbarmherzig ist oder lügt und betrügt, dem wird es auf Dauer nicht gut gehen. Seine eigene Schlechtigkeit und Boshaftigkeit kommt zu ihm zurück. Keiner kann ihn oder sie leiden. Er oder sie ist damit langfristig gesehen weder erfolgreich, noch froh und auch nicht sehr liebenswert. Kurzum, wer so lebt, wird nicht glücklich und zufrieden sein. Auch wenn es manchmal kurzfristig den Anschein hat.

Vielleicht versucht der Vers etwas von dieser Lebenserfahrung in Worte zu fassen. Wir brauchen gute und kluge Regeln und Menschen die diese Regeln und Gebote befolgen. Auch wenn das Befolgen der Regeln und Gebote nicht garantiert, dass es einem dann immer nur gut geht, aber die Wahrscheinlichkeit steigt und außerdem ist es für alle besser.

Viele dieser Regeln und Gebote leuchten dem gesunden Menschenverstand ohnehin ein oder scheinen einem gar selbstverständlich.

Wenn dann noch ein wenig Nächstenliebe und Barmherzigkeit dazu kommt, dann ist schon viel gewonnen! In diesem Sinne!

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