Mit zunehmender Beliebtheit: Briefmarken aus dem Vatikan

Seit dem goldenen Zeitalter der Ansichtskarte im 19. Jahrhundert sind Papst-Motive in aller Welt beliebt. Die Briefmarken aus dem Kirchenstaat erfreuen sich heute zunehmender Beliebtheit.

Papst Pius X. auf einer Schmuckkarte kurz nach seiner Wahl im Jahr 1903. Der Italiener aus Riese (Lombardei-Venetien) galt bis zu seinem Tod 1914 als "konservativer Reformpapst" und wurde 1954 von Pius XII. heilig gesprochen. Foto: Sammlung Reiner Schmalzl

Papst Pius X. auf einer Schmuckkarte kurz nach seiner Wahl im Jahr 1903. Der Italiener aus Riese (Lombardei-Venetien) galt bis zu seinem Tod 1914 als "konservativer Reformpapst" und wurde 1954 von Pius XII. heilig gesprochen. Foto: Sammlung Reiner Schmalzl

Foto: zgt

Aus seinen Briefen spricht tiefe Demut, die jedoch den Sinn für die Erhabenheit der ihm anvertrauten Würde nicht ausschließt. Liebenswürdiger Humor findet sich mit Ernst gepaart. Er ist auch der große Arme, der zugleich die Reichtümer Gottes verschenkt. So charakterisierte einmal der Bibliothekar an der Vatikanischen Bibliothek, Nello Vian, Papst Pius X. (1903 - 1914).

Er hat in seiner kleinen, klaren Schrift unzählige Briefe geschrieben. Über 1000 sind heute noch erhalten. Selbst als Papst erledigte er seine Korrespondenz oft mit eigener Hand, um seine Sekretäre zu entlasten.

Am Tag nach seiner Wahl zum Papst schrieb er an Giuseppe Callegari, den Bischof von Padua: "Exzellenz! Ich habe mich noch nicht richtig von der Bestürzung erholt, in die mich das entsetzliche Kreuz, das auf mir lastet, versetzt... Vatikan, 5. August 1903. In der Liebe Jesu Christi Ihr ergebenster Pio PP. X."

Nicht von Briefen, aber von Abbildungen auf Postkarten aus der "Citta del Vaticano" (Vatikanstadt) her wurden Papst Pius X. und dessen Amtsvorgänger Leo XIII. (1878 ´- 1903) selbst in den entlegensten Orten der katholischen deutschen Bistümer damals ein Begriff. Das Pontifikat beider Päpste fiel nämlich in das goldene Zeitalter der Ansichtskarte. In alten Eichsfelder Fotoalben stößt man hier und da mit etwas Glück noch heute auf Zeugnisse des damals aufgekommenen neuen Massenmediums und bemerkenswerte Papst-Motive.

Pius X. wurde damals oft mit Eltern und Geschwistern abgebildet, während Leo XIII. vielfach mit dem Petersdom zu sehen war. Zum Andenken an sein 25-jähriges Jubiläum auf dem Stuhl Petri wurden besondere Karten von Leo XIII. herausgegeben.

Mehr oder weniger beliebt schien eine ziervolle Karte mit den Porträts aller sechs Päpste der 19. Jahrhunderts gewesen zu sein. Eines dieser Schmuckstücke erreichte beispielsweise ein Fräulein Marie aus Oberharmersbach im Schwarzwald am 12. April 1899 von einem Verehrer aus der Bischofsstadt Freiburg. "Die schönen Märchen auf Eurer Karte haben mir sehr gut gefallen. Ihr müsst Euch mit den Päpsten begnügen", lautete es fast entschuldigend auf der Grußkarte an die junge Dame.

Eine einzige großformatige Darstellung von Pius X. in einer Eichsfelder Kirche grüßt noch heute als Deckengemälde in Silberhausen, geschaffen von dem Lengenfelder Kirchenmaler Joseph Richwien. Es entstand 1956 zwei Jahre nach der Heiligsprechung des auch in Thüringen und im Eichsfeld sehr beliebten ehemaligen Kirchenoberhauptes.

Bereits im 13. Jahrhundert spielte die politische und persönliche Korrespondenz der Päpste eine herausragende Rolle. Allein von Papst Clemens IV. (1265 - 1268) sind immerhin 556 Schreiben erhalten und als wichtigste Quelle zu seinem Pontifikat anzusehen.

Der Kreis der Adressaten ist breit und prominent: die Könige von Sizilien, Frankreich, England, Aragon, Kastilien, der Kaiser von Byzanz und die Fürsten der Tataren. In den Schreiben dominiert die sizilische Frage, die Ablösung der staufischen Dynastie in Süditalien durch Karl von Anjou, an der Clemens IV. maßgeblichen Anteil hatte. Im kommenden Jahr soll in der Reihe "Briefe des späten Mittelalters" eine kritische Neuedition der Briefe Papst Clemens' IV. erscheinen, kündigte die Freie Universität Berlin an.

Im Laufe der Jahrhunderte müssen der Briefverkehr und der Austausch von Dokumenten aus dem Vatikan immer wieder unterbrochen worden sein. So beispielsweise während des Pontifikats von Pius IX. (1846 - 1878). Er war der letzte Papst-König, der zugleich mit dem Petrusamt eine weltliche Herrschaft über den traditionellen Kirchenstaat ausübte.

Während der europaweiten und auch im Kirchenstaat ausgelösten Erhebungen floh Pius IX. mit den Kardinälen an die Küste Neapel-Siziliens und kehrte erst im Frühjahr 1850 nach Rom zurück. Die noch so schwere Krisenzeit überdauerte jedoch die päpstliche Krone im Poststempel, wie ein Brief vom 31. August 1849 aus der zum Heiligen Stuhl gehörenden Diözese Vitero belegt.

Etwas schwer tat sich auch Johannes XXIII. (1958 - 1963), als er einen Tag nach seiner Wahl zum römischen Pontifex viele Schriftstücke und Urkunden zu unterzeichnen hatte. Bevor er jedoch zum ersten Mal seinen Papstnamen schrieb, übte er auf Schmierbogen, wie es neu ernannte Prokuristen auch zu tun pflegen. Natürlich nicht vor der Belegschaft.

Auch Johannes warf erst einmal in seinem Arbeitszimmer allein für sich den erforderlichen neuen lateinischen Namenszug schmissig aufs Papier. Zu einer humorvollen und selbstkritischen Bemerkung ließ er sich beim Anblick der ersten vatikanischen Briefmarke mit seinem Porträt hinreißen. Der zuständige Beamte hatte gerade die neue Markenserie vorgelegt und zu sagen gewagt, es sei eine hübsche, gelungene Serie entstanden, als ihn der Papst beschwichtigte: "Na, also... hübsche Serie! Dass ich nicht schön bin, weiß ich, aber für so hässlich hätte ich mich nun auch wieder nicht gehalten."

Als Briefschreiber einer besonderen Art erwies sich Johannes Paul I. (1978), dem nur ein Pontifikat von 33 Tagen vergönnt gewesen war, während seines Bischofsamtes. Kardinal Albino Luciani verwirklichte nämlich die kuriose Idee, im "Messaggero di S. Antonio" (Sendbote des heiligen Antonio) Briefe an alle Welt, an Dante und Goethe, an Penelope und die Kleine Therese und sogar an Pinocchio zu schreiben.

Mit jedem seiner Adressaten unterhält es sich über ein bestimmtes Thema. Der spätere Papst weiß in seinen Briefen humorvoll, anschaulich, mit Anekdoten aus aller Welt, manchmal mit ganz lustigen Witzen zu argumentieren und zu überzeugen.

Briefmarken aus dem Staat des Papstes erfreuen sich heute zunehmender Beliebtheit. Post und Briefmarkenverkauf zählen zu den sicheren Einnahmequellen im Vatikanetat. Die Post des Papstes will, wie die anderen säkularen Bereiche und Dienstleistungssektoren im Vatikan, eine Mission erfüllen.

Sicher ist, dass gerade die Sedisvakanz-Marken, die nach dem Tod eines Papstes herauskamen, besonders gefragt sind und ihr Wert deutlich stieg. Weil die vatikanische Post deutlich zuverlässiger und schneller als die italienische Konkurrenz arbeitet, vertrauen auch Römer ihre Privat- und Geschäftspost lieber der Poste Vaticane an.

Die Postlaufzeiten zwischen dem Vatikan und Deutschland betragen im Übrigen nur zwei, drei Tage. Und jeder, der an den Papst schreibt, bekommt garantiert auch eine Antwort. In den seltensten Fällen jedoch vom Heiligen Vater selbst.

Verantwortlich für die Beantwortung der päpstlichen Korrespondenz zeichnet derzeit Prälat Peter Brian Wells. Der US-Amerikaner ist Assessor für Allgemeine Angelegenheiten des Staatssekretariats. In einem über die Apostolische Nuntiatur in Berlin weitergeleiteten Antwortschreiben aus dem Vatikan vom 10. August 2011 an eine Eichsfelder Familie heißt es unter anderem: "In froher Erwartung und mit der Bitte, dass der Herr den bevorstehenden Pastoralbesuch in Deutschland zu einem Fest des Glaubens und der Hoffnung für die Kirche und die Menschen werden lasse, erteilt Papst Benedikt XVI. Ihnen und allen, die Ihnen verbunden sind, von Herzen den Apostolischen Segen."

Somit zählt dieser Brief, dem ein Bild des Papstes anlässlich seines 60-jährigen Priesterjubiläums beigefügt war, zu den jüngsten aus dem Vatikan ins Bistum Erfurt.