Niederorschel verabschiedet jungen Chorleiter in neue Gefilde

Niederorschel.  Der 25-jährige Jonas Hilger aus Deuna leitet den Niederorscheler Kirchenchor St. Marien seit vier Jahren. Nun verschlägt es ihn in die Vulkan-Eifel, ins Kloster Maria Laach.

Innerhalb eines Familiengottesdienstes in Niederorschel wurde der 25-jährige Chorleiter Jonas Hilger verabschiedet. Er bestreitet bald ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Vulkan-Eifel.

Innerhalb eines Familiengottesdienstes in Niederorschel wurde der 25-jährige Chorleiter Jonas Hilger verabschiedet. Er bestreitet bald ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Vulkan-Eifel.

Foto: Juvita Weinrich

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Zahlreiche Besucher zog es am Sonntag zur Pfarrkirche St. Marien in Niederorschel, wo das Fest der Taufe des Herrn im Rahmen eines Familiengottesdienst gefeiert wurde. Den zelebrierten gemeinsam Pfarrer in ruhe Josef Beykirch, Diakon in Ruhe Hans-Josef Kowarsch sowie Pfarrer Christian Gellrich.

Letzterer stellte in seiner Predigt die Bedeutung der Taufe, damals für Jesus selbst, aber auch für Christen der heutigen Zeit, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Diese bereicherte der Geistliche geschickt mit Fragen an den anwesenden Nachwuchs, wobei er zugleich deren Aufmerksamkeit testete. Eine schöne Erinnerung an die Taufe sind zweifelsohne die oftmals recht kreativ gestalteten Taufkerzen. Einige Kinder aus der Gemeinde trugen ihre mitgebrachten Kerzen, quasi als Beispiel, vor den Altar, wo sie, mit dem Licht der Osterkerze entzündet, an ihre eigene Taufe erinnerten.

Nicht nur dieser bewegende Moment wurde mit gemeinsam gesungenen Liedern umrahmt, wobei Jonas Hilger mit Orgelspiel begleitete. Für einen besonderen Ohrenschmaus sorgte zudem der Kirchenchor St. Marien mit berührenden mehrstimmigen Chorsätzen, welche dem Gottesdienst eine besonders festliche Note verliehen. Und hierfür gab es noch einen weiteren guten Grund: die Verabschiedung von Jonas Hilger, der den Chor über vier Jahre lang leitete.

Chor vertrat die Regensburger Domspatzen

Diese Zeit ließ die Vorstandsvorsitzende Helga Beykirch im Rahmen einer kleinen Dankesrede noch einmal Revue passieren. So habe man gern und oft geprobt, Gottesdienste und Konzerte gestaltet. Daneben seien aber auch Feste und Ausflüge nicht zu kurz gekommen, wobei der nach Regensburg wohl in ganz besonderer Erinnerung bleiben werde. Am 1. September vergangenen Jahres gestaltete der Chor den Sonntagsgottesdienst im Regensburger Dom und vertrat damit zugleich die Regensburger Domspatzen. Hilger selbst spielte an diesem Tag die berühmte Rieger-Orgel, welche ihm durch den zweijährigen Unterricht beim dortigen Domorganisten, Professor Franz-Josef Stoiber, bereits bestens vertraut war.

Ein ähnlicher Auftritt führte den Kirchenchor etwa ein Jahr zuvor in die Abteikirche der Benediktinerabtei Maria Laach, die am Laacher See in der Vulkan-Eifel zu finden ist. Dort wird Jonas Hilger schon ab kommenden Freitag ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beginnen. Anschließend, so sein Plan, möchte er als Mönch dort leben und wirken: „Das FSJ möchte ich nutzen, um das Klosterleben kennenzulernen, und gleichzeitig auch, um diesen Vorsatz zu prüfen“, sagte er und führte weiter aus, dass ihn dieser Gedanke schon sehr lange bewege.

Liebe zur Musik schon in die Wiege gelegt

So singe er bereits seit 2013 im dortigen gemischten Kammerchor „Cappella Lacensis“ mit. Die Liebe zur Musik generell wurde dem aus Deuna stammenden 25-Jährigen schon in die Wiege gelegt. So musizierte der Urgroßvater, Bruno Hilger, auf Zither und Geige, leitete außerdem einen Männerchor. Akkordeon und Klavier wiederum spiele sein Opa, Karl-Heinz Hilger. Von ihm habe er auch schon als Fünfjähriger das Klavierspielen gelernt, berichtete Jonas Hilger.

Nach dem Besuch der Musikschule in Leinefelde und des Landesgymnasiums für Musik in Wernigerode folgte ab 2012 in Halle der fünfjährige Bachelor-Studiengang für katholische Kirchenmusik und zeitgleich ein Lehramtsstudium für Musik an Gymnasien. Den anschließenden Master-Studiengang schloss Hilger 2019 erfolgreich an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg ab.

Schon früh Verantwortung übernommen

In heimatlichen Kirchen, und nicht nur dort, begleitete er parallel dazu immer wieder Gottesdienste, hauptsächlich mit Orgelspiel. Als er Weihnachten 2008 den Gottesdienst in Vollenborn auf dem Klavier begleitete, war er gerade mal 14 Jahre alt. So erinnert sich der sympathische und elanvoll wirkende junge Mann an dieses prägende Ereignis und zudem an die späteren Anfänge als Kirchenchorleiter in Niederorschel, die im November 2015 begannen.

„Die Entscheidung hierfür habe ich mir nicht leicht gemacht, da klar war, dass ich nicht bei jeder Probe anwesend sein konnte“, resümiert er rückblickend und benennt ausdrücklich Erwin Hunold, Elmar Beykirch und Florian Zobel als Unterstützer, mit deren Hilfe er die komplexe Aufgabe dennoch erfüllen konnte.

Lobenswert seien aber auch die Verlässlichkeit und Einsatzbereitschaft des Vorstandes und überhaupt der insgesamt aktuell 37 aktiven Chormitglieder, die bei der Verabschiedung vollzählig dabei waren. Über reichlich Lob- und Dankesworte freute Hilger sich aber auch selbst, nicht zuletzt im Rahmen einer gemeinsamen Verabschiedungsfeier im Niederorscheler Rathaus. Seine Nachfolge wird schon ab Ende Januar die 20-jährige Musikstudentin Paula Rautenberg aus Birkungen übernehmen.

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