Struth im April 1945 und eine „englische“ Prinzessin

Struth.  Bernward Seipel unternimmt wieder eine spannende Reise in die regionale Vergangenheit.

Autor Bernward Lange hat in seinem Buch „Preußens Glanz in Eichsfelds Gloria – das Ende einer Epoche. Struth im April 1945“ regionale Geschichte beleuchtet. Auf dem Bild steht er vor einer Häuserreihe, die im April 1945 lichterloh brannte.

Autor Bernward Lange hat in seinem Buch „Preußens Glanz in Eichsfelds Gloria – das Ende einer Epoche. Struth im April 1945“ regionale Geschichte beleuchtet. Auf dem Bild steht er vor einer Häuserreihe, die im April 1945 lichterloh brannte.

Foto: Heidi Zengerling

Die Struther erleben Anfang April 1945 die Besetzung ihres Ortes durch Verbände der 6. US-Panzer-Division und ein paar Tage später die sinnlose Zerstörung des Dorfes durch einen Angriff deutscher Wehrmachtsverbände der sogenannten 11. Armee. Eben diesem Kapitel der Historie widmet sich Bernward Seipels aktuelle Publikation, die als Fortsetzung des Buches „Preußens Glanz in Eichsfelds Gloria – Kloster Zella 1888-1945“ noch einmal die Regionalgeschichte zum Kloster Zella und Struth aufgreift.

Geschichte war schon immer seine Leidenschaft. Besonders hat es ihm die Kriegsgeschichte angetan. In der Schule, etwa ab der 9. Klasse, war es die griechische und römische Geschichte sowie die der russischen Revolution und die des Dritten Reiches, die ihn faszinierte. „Ich hätte als Jugendlicher gern Geschichte studiert. Aber das konnte ich in der DDR nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Da hätte man sich charakterlich verbiegen müssen und Kindern etwas zu lehren, wovon ich wusste, dass es falsch ist, wollte ich auf keinen Fall“, erklärt sich Seipel.

Die Geschichte der „englischen“ Prinzessin war schon recherchiert und geschrieben, sie sollte ursprünglich im Buch über Kloster Zella in der Zeit zwischen 1888 bis 1945 untergebracht werden. Es kristallisierte sich während der Arbeit am ersten Buch allerdings heraus, dass eine sinnvolle Einarbeitung der Fülle an vorhandenem Material und die Schilderung der Ereignisse vom April 1945 den Rahmen dieses Buches sprengen würden.

Das neue Werk „Preußens Glanz in Eichsfelds Gloria – das Ende einer Epoche. Struth im April 1945“ bezieht seinen einmaligen historischen Wert vor allem aus den umfangreichen Zeitzeugenberichten und dem vielfach unveröffentlichten Bildmaterial. Struther Dorfgeschichte wird lebendig. Bernward Seipel sieht sich einer Generation zugehörig, die von den Erlebnissen und Erzählungen der Eltern aus deren Kindheit geprägt ist. Er kann sich gut in die Zeit hineinversetzen, auch wenn dies natürlich nur bedingt möglich ist.

Die Schlüsselrolle im zweiten Band fällt zweifellos dem Auftauchen der „englischen“ Prinzessinnen zu, die in den Erzählungen der Struther über die Ereignisse im April 1945 immer wieder genannt wird. „Auch wenn die zufällige Anwesenheit Prinzessin Helenes von Mecklenburg-Strelitz im Kloster Zella nur eine kurze Periode im Leben dieser Frau darstellt, so war sie doch für den Ausgang der Ereignisse in Struth am 10. April 1945 von zentraler Bedeutung. Sie war die einzige Person, die aufgrund ihrer Erziehung der englischen Sprache mächtig war. Ich bin fest davon überzeugt, dass es allein dieser Tatsache zu verdanken ist, dass Struth so ,glimpflich’ davongekommen ist“, erklärt der Autor.

Die genannten Geschehnisse kennzeichnen gleichzeitig das Ende einer Epoche. „Preußen“ verschwindet aus der lokalen Geschichtsschreibung. Mit der Vertreibung oder Flucht der Familie von Fries aus Kloster Zella endet ein oftmals spannungsreiches Abhängigkeitsverhältnis der Struther zum Kloster, das 1810 mit dem Verkauf an die Familie Lutteroth und Röbling begann, mit einem glücklichen Ausgang.

Bernward Seipel resümiert und fasst zusammen, dass es manchmal glücklicher Umstände bedarf, die über Leben und Tod entscheiden. „Nichts ist endgültig. Die Karten im Spiel des Lebens werden immer wieder neu gemischt“, sind Gedanken, die sich beim Autor während der Recherche zu seinen Büchern festigten.

Das Buch kann bei Interesse beim Autor telefonisch unter 036026 / 9 08 90 oder per E-Mail an bernward.seipel@t-online.de für 48 Euro erworben werden.