Aus Bachra nicht wegzudenken

Bachra.  Bürgerpreis 2019: Ingrid Albrecht aus Bachra erhält die Auszeichnung in der Kategorie „Alltagshelden“.

Die 69-jährige Ingrid Albrecht engagierte sich über 30 Jahre im Ortsbeirat. Die Seniorenbetreuung ist ihr eine Herzensangelegenheit.

Die 69-jährige Ingrid Albrecht engagierte sich über 30 Jahre im Ortsbeirat. Die Seniorenbetreuung ist ihr eine Herzensangelegenheit.

Foto: Jens König

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Zum sechszehnten Mal ehrte die Sparkassenstiftung Sömmerda das ehrenamtliche Engagement von Menschen, die sich in besonderer Weise im Landkreis bürgerschaftlich einsetzen. Ingrid Albrecht aus Bachra erhielt den Bürgerpreis 2019 in der Kategorie „Alltagshelden“. Ausgezeichnet wurde die 69-Jährige, weil sie sich seit Jahrzehnten in vielfältiger Weise in ihrem Heimatort einbringt.

Nicht um sich selbst in den Vordergrund zu drängen, sondern um anderen eine Freude zu bereiten. Im vergangenen Jahr ließ sich Ingrid Albrecht erstmals nicht mehr für die Ortsbeiratswahl aufstellen. Dort war sie über 30 Jahre lang Mitglied, um die Entwicklung von Bachra aktiv mitzugestalten.

Um auch der Vergangenheit einen Platz zu geben, gründete Ingrid Albrecht mit einigen anderen Bachraern vor 20 Jahren den Heimatverein. Damit die alten Zeiten von Bachra nicht in Vergessenheit geraten, richtete der Verein eine Heimatstube ein. Dort sind nun viele Dinge ausgestellt, die zeigen, wie geschäftig es noch vor einigen Jahren in dem 500-Seelen-Dorf war. „Damals gab es in Bachra noch alles – vom Schuster bis zum Krämerladen“, erzählt die 69-Jährige.

Die lustigen Vier aus Bachra

Angefangen hat Ingrid Albrechts ehrenamtliches Engagement schon in der Schule, berichtet die gebürtige Bachraerin. „Egal, um was es ging, es hieß von meinen Lehrern immer: Komm Ingrid, mach du mal. Und das zog sich wie ein roter Faden durch mein Leben.“ Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. „Damals wurde uns nahegelegt, dass sich Kindergärtnerinnen im Ort einbringen sollen. Das habe ich getan.“

Und das tut sie bis heute. Eine Herzensangelegenheit ist für Ingrid Albrecht die Seniorenbetreuung, die sie vor einigen Jahren mit sechs weiteren Frauen vom Arbeiter-Samariter-Bund übernommen hat.

Einmal im Monat laden sie die Senioren aus der Umgebung zum gemeinsamen Kaffeetrinken in den Bachraer Gemeinderaum ein. Wer nicht mehr gut zu Fuß ist, wird mit dem Auto abgeholt. Zu jedem Treffen überlegen sich die sechs Bachraerinnen ein kleines Programm, um den alten Herrschaften eine kleine Freude zu bereiten. Auch da macht Ingrid Albrecht keine halben Sachen.

Zusammen mit einem befreundeten Ehepaar bilden sie und ihr Mann Volkmar „die lustigen Vier aus Bachra“, wie sich die Gruppe selber nennt. In einer Art Playbackshow treten sie zu Schlagern und Volksliedern auf – und mittlerweile nicht mehr nur noch zu den Seniorennachmittagen. Bereits mehrere Veranstalter fragten bei dem Quartett für einen Auftritt an.

Kostüme werden selbst genäht

Die Kostüme für die Shows näht und bastelt Ingrid Albrecht selber. So wurde zum Beispiel aus einem einfachen blauen Arbeitskittel eine schmucke Uniformjacke für ihren Mann. Mit dieser Jacke und einer alten Pickelhaube tritt Volkmar Albrecht dann zu dem Marsch „Alte Kameraden“ auf. „Die jungen Leute kennen dieses Lied gar nicht mehr. Aber die Alten freuen sich wie verrückt, wenn sie das hören“, sagt die Bachraerin.

Bei ihren Auftritten singt Ingrid Albrecht nicht selbst. Den Ausgleich dazu findet sie im Bachraer Chor. Auch hier war die 69-Jährige vor 25 Jahren Gründungsmitglied. Bei den wöchentlichen Proben bereiten sich die Sänger auf verschiedene Konzerte vor. Unter anderem nehmen sie an den jährlichen Sömmerdaer Kreiskulturwochen teil und geben auch eigene Konzerte.

Neben Chor, Playbackshows, Seniorenbetreuung, Heimatverein und, bis vor einigen Monaten, Ortsbeirat, ist Ingrid Albrecht zusätzlich Mitglied im Fanclub für den Fanfarenzug Bachra. Nicht nur, weil bereits die Tochter und nun auch der Enkel mitspielen. „Die Gemeinschaft und der Spaß dabei sind entscheidend“, sagt sie.

Familie steht an erster Stelle

Stolz ist die Fangemeinde darauf, dass der Fanfarenzug bereits 18 Mal Thüringer Landesmeister geworden ist. Und das zeigt die 30 Mann starke Truppe, indem sie mit Spruchbannern, Megafonen und Fahnen bei den Auftritten des Musikzuges dabei ist – egal wo.

Neben all ihren freiwilligen Verpflichtungen steht für Ingrid Albrecht aber eines an erster Stelle: die Familie. Jetzt, wo das erste Urenkelchen auf dem Weg ist, will sie etwas kürzer treten. Auch ihr gesundheitlicher Zustand lässt nicht mehr das volle Programm zu, erzählt die 69-Jährige. Dass sie sich nicht übernimmt, dafür sorgt Ehemann Volkmar. „Er ist mein ruhender Pol, ohne ihn geht nichts“, sagt sie.

Aber auch Volkmar Albrecht weiß, was seine Frau für den Ort bedeutet. „Wenn Ingrid irgendwann nicht mehr kann, dann wird hier einiges einschlafen“, sagt er. Und die Auszeichnung mit dem Bürgerpreis zeigt es: Ingrid Albrecht ist aus Bachra nicht wegzudenken.

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