Diese Frau gab einem verunglückten Motorradfahrer wieder Lebensmut

Grabe  Laura Rode aus Grabe ist Krankenschwester. Nach Unfall mit Querschnittslähmung half sie einem jungen Motorradfahrer aus der Krise

Laura Rode ist in Grabe aufgewachsen. Die 27-Jährige wohnt derzeit in Gräfentonna und ist Mutter eines kleinen Jungen. Sie freut sich darüber, dass es ihrem ehemaligen Patienten heute besser geht und sie einen Teil dazu beigetragen hat.

Laura Rode ist in Grabe aufgewachsen. Die 27-Jährige wohnt derzeit in Gräfentonna und ist Mutter eines kleinen Jungen. Sie freut sich darüber, dass es ihrem ehemaligen Patienten heute besser geht und sie einen Teil dazu beigetragen hat.

Foto: Daniel Volkmann

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Fast alles hat Philipp Lachmann aus der Nähe von Gotha vor gut einem Jahr unternommen, um eine Frau wieder zu finden, die ihn schwer beeindruckt hat. Was beginnt wie eine Liebesgeschichte, ist allerdings überhaupt keine.

Philipp Lachmann liegt nach einem Motorradunfall im Juni 2016 querschnittsgelähmt auf der Intensivstation des Helios-Klinikums in Erfurt. Für den damals 18-Jährigen bricht sein komplettes Leben zusammen.

In der für ihn unfassbar schweren Zeit kann ihm eine junge Krankenschwester helfen. Sie lenkt ihn ab, spricht mit ihm über Musik und Filme, tritt ihm auch mal in den Hintern, wenn er sich aufzugeben droht.

Sie hilft ihm, sich nicht hängen zu lassen. „Ich habe ihn sprichwörtlich aus dem Bett geschmissen“, sagt Laura Rode, heute 27 Jahre alt. Sie habe ihn nicht bemuttert, sondern versucht, ganz normal mit ihm umzugehen. „Das musst du später auch alleine machen“, sagte sie ihm, als es ums Waschen, Essen und in den Rollstuhl ging.

Einen tiefen Eindruck haben Lauras Ansagen bei Philipp hinterlassen. Sie waren so ganz anders als die Betroffenheit der Schwestern und Besucher. Nach seinem langen Krankenhausaufenthalt versucht er vieles, um mit dieser für ihn besonderen Krankenschwester in Kontakt zu treten. Er will sich bei ihr bedanken und ihr sagen, dass es ihm gut geht. Über die Klinik hatte er kein Glück, dort gebe man die Kontaktdaten der Mitarbeiter nicht heraus.

Ein Jahr nach seinem Krankenhausaufenthalt versucht er schließlich, Intensiv-Krankenschwester Laura Rode über das Onlineportal „Wir sind Thüringen“ zu finden. Mittlerweile wurde der Post fast 12 000 Mal geteilt – und das, obwohl Laura eine der ersten Kommentatoren war und allen eigentlich klar sein müsste, dass sich die beiden gefunden haben. Die Geschichte berührt viele Menschen.

Sie hat es geschafft, dass er lächeln musste

Als Laura Rode, die aus Grabe stammt und in Schlotheim Abitur gemacht hat, die Nachricht liest, weiß sie sofort, um wen es sich dreht. Sie sagt: „Ich hatte damals viel mit meiner Mutter über Philipp gesprochen, sie ist auch Krankenschwester.“ So verarbeitet sie all das Schlimme und Traurige, das sie während der Arbeit auf der Intensivstation erlebt: „So einen jungen Menschen in einer solchen Situation, den vergisst man nicht.“

Sie weint, als sie den Post zum ersten Mal liest. Und auch jetzt geht ihr die Geschichte noch sehr nah. Da steht: „Du hast es geschafft, dass ich lächeln musste.“ Regelmäßig schreiben sich Laura und Philipp. Er bedankt sich bei ihr, schreibt, dass sie für ihn in dunklen Zeiten ein Lichtblick war. „Egal wie schlecht es mir ging, du hast es geschafft, dass ich, sobald du den Raum betreten hast, wieder lächeln musste. Du warst jeden Tag top gestylt, einfach megaschön, und so hat man sich schon gefreut, wenn man wusste, dass du am nächsten Tag Schicht hast. Ich habe es dir zu verdanken, dass ich nicht in eine große Depression gefallen bin. Du hast dich mit mir unterhalten als wäre die Welt normal, als hätte sich nichts verändert. Du warst so gütig.“ Und so findet die Geschichte ein gutes Ende.

Philipp kann sich bedanken und Laura freut sich, dass es Leute gibt, denen nicht alles egal ist. „Ich hätte nicht gedacht, dass eine Freundschaft daraus entsteht, aber so ist es gekommen“, sagt Philipp. Ihm geht es mittlerweile gut. Er hat sich nach einer schlimmen Zeit gefangen, eine Partnerin, eine eigene Wohnung und den Führerschein.

Im August beginnt er sein Fachabi, um dann zu studieren. Laura Rode ist mit ihrem kleinen Sohn derzeit noch in der Elternzeit. In einem halben Jahr wird sie aber wieder im Krankenhaus arbeiten – auf der Intensivstation.

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