Demo für Erhalt des Schleizer Krankenhauses

Vor der Kreistagssitzung in Schleiz haben rund 150 Menschen für den Erhalt des Schleizer Krankenhauses am Montag demonstriert.

Vor dem Schleizer Landratsamt versammelten sich rund 150 Demonstranten um für den Erhalt des Schleizer Krankenhauses zu demonstrieren.

Vor dem Schleizer Landratsamt versammelten sich rund 150 Demonstranten um für den Erhalt des Schleizer Krankenhauses zu demonstrieren.

Foto: Oliver Nowak

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„Stell dir vor dein Kind kommt und keiner ist da...“ – das ist nur einer der Sätze, der am Montagnachmittag vor dem Schleizer Landratsamt auf einer Demonstration für den Erhalt des Schleizer Krankenhauses zu lesen war.

Rund 150 Menschen beteiligten sich an dem Protest, der von ehemaligen Mitarbeitern des Schleizer Krankenhauses angeleiert worden war. Zu den Organisatoren des Protestes zählten unter anderem der promovierte Mediziner und langjährige Chefarzt der Inneren, Manfred Eckstein, sowie Christine Andrä, langjährige Pflege- und Verwaltungsleiterin, und Christa Putz, ehemalige Oberschwester.

„Wir können nicht akzeptieren, dass die Millionenverluste in Greiz zur Existenznot für das Schleizer Krankenhauses werden“, sagte Christine Andrä auf der Demonstration gegenüber dieser Zeitung. Ähnlich äußerte sie sich auch gegenüber der versammelten Menge. Zudem kritisierte sie, dass unterschiedliche Löhne im selben Mutterhaus nicht akzeptabel seien.

Landrat: Lage scheint sehr ernst zu sein

Landrat Thomas Fügmann (CDU), der wie viele Mitglieder des Kreistages der Demonstration beiwohnte, eröffnete den Demonstranten die Möglichkeit, vor dem Kreistag zu sprechen. Dieses Angebot nahmen Eckstein, Andrä und Putz an. Fügmann erklärte vor den Demonstranten: „Hilfe für das Schleizer Krankenhaus heißt hier ganz konkret finanzielle Hilfe.“ Diese könne er als Landrat jedoch nur mit den entsprechenden Befugnissen durch den Kreistag leisten. Mit der Greizer Landrätin und Aufsichtsratsvorsitzenden Martina Schweinsburg (CDU) habe Fügmann etwa eine Stunde vor der Demonstration noch telefoniert. Die „Lage ist sehr, sehr ernst“, sagte Fügmann.

Schweinsburg warte bis zum 31. Januar mit einer Erklärung zur Zukunft des Schleizer Krankenhauses. „Warum traut sich Schweinsburg nicht nach Schleiz, um uns das zu sagen und vor uns zu sprechen?“, hallte der Zwischenruf von Kreistagsmitglied Dieter Rebelein (Die Linke) über den Vorplatz des Landratsamtes. Fügmann erwiderte, dass Schweinsburg jemanden zur Erstellung eines Sanierungskonzeptes beauftragt habe. Ab 31. Januar werde sie über das Sanierungskonzept sprechen.

Im Kreistag trat dann vonseiten der Demonstranten zuerst Manfred Eckstein ans Rednerpult. „Das Gesundheitswesen muss durch den Staat gestärkt und gestützt werden“, forderte der ehemalige Chefarzt. Ein Status als Kreiskrankenhaus sei angebracht, sagte Eckstein, der auf Nachfrage berichtete, dass er 34 Jahre lang im Schleizer Krankenhaus Dienst getan habe.

Ehemalige Pflege- und Verwaltungsleiterin sagt, Krankenhausküche würde zuerst eingespart

Christine Andrä merkte an, dass sie im Jahr 2008 das Schleizer Krankenhaus verlassen habe, weil sie mit dem neuen Management aus Greiz nicht zufrieden war. Unter anderem, da die eigene Verwaltung des Krankenhauses abgeschafft worden sei. Die Geburtshilfe-Abteilung trage sich in Schleiz sehr gut. Problematisch sei das fehlende Personal bei den Ärzten wie auch der Pflege. Ihrer Meinung nach habe das Schleizer Krankenhaus eine gute Perspektive, es müsse nur eine ordentliche Leitung her.

Bei einer finanziellen Sanierung würde wohl die Krankenhausküche zuerst

gestrichen, dabei trage sich diese gut. „Die Verluste sind eigentlich in Greiz“, unterstrich sie. Für sie sei unverständlich, warum der Aufsichtsrat einen Haushalt mit vier Millionen Euro Verlust absegne. Die ehemalige Oberschwester Christa Putz bemängelte die Ehrlichkeit im Umgang mit dem Schleizer Krankenhaus. Im damaligen Krankenausschuss habe sie sich mit gutem Gewissen für die Übernahme durch Greiz ausgesprochen, nun habe sie aufgrund dieser Entscheidung ein sehr mulmiges Gefühl.

Fraktionsvorsitzende äußern sich

Im Anschluss bezogen die Fraktionsvorsitzenden der Kreistagsparteien jeweils Stellung zum Schleizer Krankenhaus. Dabei sprachen sich alle eindeutig für dessen zukünftigen Erhalt aus.

Allam Hanna (CDU): Wir werden uns einsetzen, dass das Krankenhaus erhalten bleibt. Wohnortnahe Behandlungsmöglichkeiten sind wichtig.

Uwe Thrum (AfD): Die Haustarife mit 63 Prozent vom Normallohn in der Pflege sind unsäglich und nicht nachvollziehbar. Das muss im Land thematisiert werden. Auf Kreisebene muss geklärt werden, was damals bei den Verhandlungen um das Schleizer Krankenhaus geschah. Das Krankenhaus muss erhalten bleiben.

Andreas Scheffczyk (UBV): Viele bedauern es heute, die damals für die Privatisierung des Krankenhauses gestimmt haben. Das Schleizer Krankenhaus muss in ein kreiseigenes Krankenhaus überführt werden.

Ralf Kalich (Die Linke): Das Krankenhaus muss ohne Wenn und Aber erhalten bleiben. Wir sind mit dem Sozialministerium in Kontakt. Das Krankenhaus Schleiz hat in der Vergangenheit mehr als fünf Millionen Euro Fördermittel aus den Strukturfonds erhalten.

Regine Kanis (SPD): Ein Notfall kann jeden treffen. Die schnelle medizinische Versorgung muss vor Ort gewährleistet sein.

Volker Ortwig (FDP): Damals wurde das Krankenhaus für einen symbolischen Euro verkauft und die Schulden im Kreishaushalt belassen. Nun müssen wir die Konditionen für einen Rückkauf verhandeln.

Landrat Thomas Fügmann erwähnte im Anschluss auf die Stellungnahmen der Fraktionsvorsitzenden noch einmal, dass er vom Kreistag die Befähigung brauche, auf Augenhöhe mit Martina Schweinsburg verhandeln zu können, um das Krankenhaus gegebenenfalls wieder dem Kreis zugehörig zu machen.

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