Greizer Asylbewerbern kleiden sich in Turnhalle ein

Den Greizer Asylbewerbern diente die Turnhalle in der Herrmanns­grüner Straße gestern wieder als Kleiderbasar. Erstmals waren Beobachterinnen dabei, die "Verbesserungsvorschläge" einbringen wollen.

Dagmar Pöhland, Sozialbetreuerin der in Greiz lebenden Asylbewerber, hilft in der Kleiderausgabe des Landratsamtes zwei Flüchtlingen aus Afghanistan, die"passende Frühlingsjacke zu finden.Foto: Marius Koity

Dagmar Pöhland, Sozialbetreuerin der in Greiz lebenden Asylbewerber, hilft in der Kleiderausgabe des Landratsamtes zwei Flüchtlingen aus Afghanistan, die"passende Frühlingsjacke zu finden.Foto: Marius Koity

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Greiz. "Es ist wie beim Ein­kaufen mit unseren Männern", sagt Dagmar Pöhland. "Die Begeisterung hält sich in Grenzen", legt die Sozialbetreuerin der in Greiz lebenden Asylbewerber scherzhaft nach, bevor sie dem nächsten Flüchtling hilft, eine passende Jacke zu finden.

Den Asylbewerbern diente die Turnhalle in der Herrmanns­grüner Straße in Greiz gestern wieder als Kleiderbasar. Gruppenweise suchen sich Frauen und Männer an Tischen, Re­galen und Rollständern aus, was sie für Frühjahr und Sommer an Unterwäsche, Oberbekleidung und Schuhwerk benötigen. Das Treiben erinnert an einen Schlussverkauf und wer irgendeine Frage hat - Größe, Farbe, Schnitt, worauf man beim Kla­motteneinkauf so achtet -, spricht Dagmar Pöhland oder die fünf Mit­arbeiter des ver­anstaltenden Bekleidungsgroßhandels aus Fürth oder aber Martina Högger von der Bürgerinitiative Weil wir Greiz lieben und Anja-Maria Vetter vom Café"OK des Dia­konievereines Caro­linenfeld an. Die beiden Frauen wurden vom Greizer Landratsamt eingeladen, die Kleider­ausgabe zu beobachten - eine Premiere.

"Die Leute bekommen genau das, was ihnen zusteht", sagt Landratsamts-Ordnungsamtsleiter Harry Eigenrauch, in dessen Ressort die Versorgung der Asylbewerber fällt. Jeder Flüchtling hat einen Anspruch auf ein Be­kleidungsgeld, das von knapp 30"Euro (Elternteile) bis zu rund 40 Euro (Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17) pro Monat reicht. Dieser Anspruch wird für die Zeit von April bis September zusammengerechnet und für die entsprechende Summe konnten die Alleinstehenden und Fa­milien gestern einkaufen. Restbeträge werden die Berechtigten für die Herbst-/Winter-Be­kleidung gutgeschrieben.

Wir wollen, dass die Leu- te, vor allem die Kinder ordentlich aussehen

Dagmar Pöhland

"Wir machen da keinen Gewinn", versichert Harry Eigenrauch. Bei dieser - beispielsweise vom Thüringer Flüchtlingsrat kritisierten - Form der Ver­sorgung mit jahreszeitgemäßen An­ziehsachen gehe es darum, dass das Bekleidungsgeld nicht zweckentfremdet werde, hatte die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) in der Vergangenheit wiederholt erklärt.

"Die Firma ist wirklich um Vielfalt bemüht und wir wollen ja auch nicht, dass alle das Gleiche anhaben", sagt Dagmar Pöhland und verweist etwa auf die farbenfohen Rollständer mit Damenblusen. Die Qualität der Bekleidung sei gut, nur Markenkleidung dürfe man nicht erwarten. Es sei keiner gezwungen, etwas zu kaufen, was nicht passt.

"Es ist alles Neuware", ver­sichert Bekleidungsgroßhändler Reiner Steinmann und ergänzt, dass er den Asylbewerbern genau das anbiete, was für jedermann auch in seinem Online-Shop erhältlich sei. Für über dreißig Landkreise in vier Bundesländern sei er Dienstleister, wenn es um die angemessene Einkleidung von Flücht­lingen geht. Dass in Greiz nun erstmals Beobachter dabei sind, störe ihn nicht. In solche Veranstaltungen seien auch schon Landtags-Petitionsausschüsse gewesen.

Martina Högger und Anja-Maria Vetter bescheinigen dem Landratsamt "Bemühungen um Transparenz". Ansonsten haben sie - nicht näher genannte - "Verbesserungsvorschläge". Sie gehen davon aus, dass das"Landratsamt ein offenes Ohr für ihre Ideen haben werde.

Die Asylbewerber selbst schienen zufrieden. "Ich habe alles gefunden, was ich brauche", gab beispielsweise Hidgul Daftani zu Protokoll. In seinen neuen Turnschuhen strahlte der sechsjährige Alen Bajramovic vor Freude. Und Abdulsamad Rahimi war überzeugt, für die nächste Zeit recht gut auszusehen in seiner neuen, von Dagmar Pöhland ausgesuchten Jacke.

Nur einem jüngeren Mann konnte die Sozialbetreuerin nicht helfen. Dieser wollte in der Asylbewerber-Kleiderausgabe eine Damenjeans kaufen - für seine deutsche Freundin.

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