Handwerk ganz im Sinne der Vorfahren

Gräfenhain  Der Generationswechsel ist vollzogen: Karsten Kilian führt den angestammten Dachdeckerbetrieb in Gräfenhain in der vierten Generation fort

95 Jahre besteht jetzt die Dachdecker-Firma Kilian  in Gräfenhain;  von links:  Ellen Kilian,  Karsten Kilian, Nico Köhler,  Sebastian Winter,  Joachim Mösler,  Silvio Greiner, Thomas Krumbholz,  Erik Scharf,  Andy Hofmann und   Burkhardt  Kilian.

95 Jahre besteht jetzt die Dachdecker-Firma Kilian  in Gräfenhain;  von links:  Ellen Kilian,  Karsten Kilian, Nico Köhler,  Sebastian Winter,  Joachim Mösler,  Silvio Greiner, Thomas Krumbholz,  Erik Scharf,  Andy Hofmann und   Burkhardt  Kilian.

Foto: Wieland Fischer

Die Dachdecker-Familie Kilian in Gräfenhain pflegt einen Brauch. Alle fünf Jahre begeht sie ihren Firmengeburtstag gebührend. Mittlerweile ist es der „95.“. Inzwischen führt mit Karsten Kilian die vierte Generation den Betrieb.

Zwischen dem „90.“ und „95.“ haben Vater Burkhardt und Sohn Karsten den Generationswechsel vollzogen. Während sich der langjährige Obermeister der Dachdeckerinnung Eisenach-Gotha mit 65 Jahren aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen hat, steht seine Frau Ellen ihrem Sohn wie ehedem ihrem Mann im kaufmännischen Bereich zur Seite.

Sie wissen den Betrieb in guten Händen. Seit klar war, dass 1993 ihr ältester Sohn Karsten den Dachdeckerberuf erlernte und im Unternehmen arbeitete, sehen sie, dass er das Handwerk ganz im Sinne seiner Vorfahren fortführt. „Er ist in große Fußstapfen getreten und füllt sie voll aus“, sagt Mutter Ellen stolz. Der 42-Jährige sagt nur: „Es ist eine abwechslungsreiche und breit gefächerte Arbeit. Kein Tag ist wie der andere.“

Am 25. Mai 1924 hatte Richard Hohmann, der Urgroßvater von Karsten Kilian, die Dachdeckerfirma in Gräfenhain gegründet. Seine Gewerbeanmeldung gab er handschriftlich bei der lokalen Polizeistation ab, sagt Dachdeckermeister Burkhardt Kilian und verweist auf die Annalen. Ein knappes Jahr nach der Anmeldung legte der Gründer die Meisterprüfung vor der Handwerkskammer in Weimar ab. Er führte den Betrieb 40 Jahre durch schwierige Zeiten, Wirtschaftskrise, Zweiten Weltkrieg und Nachkriegszeit. Nach seinem Tod im Dezember 1964 übernahm Schwiegersohn Joachim Kilian 1965 den Betrieb, dem er bis 1980 vorstand. Dessen Sohn Burkhardt erinnert sich gut, wie es beiden Vorfahren gelang, den Dachdeckerbetrieb unter sozialistischer Herrschaft als Privatunternehmen weiterzuführen und der zwangsweisen Verstaatlichung zu entgehen.

Burkhardt Kilian, der die Leitung 1980 übernommen hatte, baute den Innungsbetrieb nach dem Mauerfall aus und modernisierte ihn. In Spitzenzeiten, den Nachwendejahren, hatte Kilian 27 Mitarbeiter. Da waren die Auftragsbücher voll. „Ich habe viele Leute eingestellt, die keine Arbeit hatten.“ Wegen Auftragsflaute Ende der 1990er-Jahre habe es auch Entlassungen gegeben. „Das waren schwierige Zeiten“, sagt Burkhardt Kilian.

Ob Aufschwung oder Krise, es sei sehr viel ausgebildet worden, merkt Ehefrau Ellen an. Jetzt sei es schwer, junge Leute für den Handwerksberuf zu begeistern. Es trage Früchte, dass sich Karsten Kilian um Schülerpraktika kümmere. Im August werde ein neuer Lehrling erwartet.

Mit vier Mann hat Karsten Kilian 2017 den Betrieb übernommen. Jetzt sind es derer sieben. Seine Maxime: „Bei uns gibt es kein Ich, nur ein Wir.“ Das wären gute Voraussetzungen, um den „100.“ in fünf Jahren begehen zu können.

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