Holzhausen: Neue Heimstätte des Bratwurstmuseums ist noch geheim

Holzhausen  Zehnte Spielzeit im Bratwursttheater und viele bewährte Veranstaltungen wie die Bratwurstiade und der Songcontest.

Michael Kirchschlager (links) berichtete beim Jahresempfang der Bratwurstfreunde, dass eine Urkunde von der Wasserburg Kappellendorf belegt, dass sich die Ritter schon im Jahre 1392 mit Bratwürsten für den Kampf stärkten.

Michael Kirchschlager (links) berichtete beim Jahresempfang der Bratwurstfreunde, dass eine Urkunde von der Wasserburg Kappellendorf belegt, dass sich die Ritter schon im Jahre 1392 mit Bratwürsten für den Kampf stärkten.

Foto: Berit Richter

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Mit seiner Bratwurst wusste Probst Johann von Siebeleben die schöne Annegret zu bezirzen und den verfressenen Bischof Lullus zu überzeugen. Am 20. Januar 1404 war das, also vor fast genau 615 Jahren. Dass der Probst des Arnstädter Klosters an diesem Tage die Ausgabe von Geld für Bratwurstdärme notierte, ist historisch belegt, alles andere Fiktion des Bratwursttheaters.

Damit begann am Sonntag der Jahresempfang der Freunde der Thüringer Bratwurst. Am Ende aber stand die Frage: Muss die Geschichte neu geschrieben werden? Wurde die Thüringer Bratwurst gar nicht in Arnstadt erfunden und ist sie viel älter als gedacht?

Bei der Recherche für sein Buch „Teuflische Werkzeuge – Thüringer Burgen im Krieg“ stieß der Arnstädter Autor und Verleger Michael Kirchschlager auf eine Urkunde der Wasserburg Kappellendorf bei Erfurt, die belegt, dass sich die Ritter dereinst mit Bratwürsten für den Kampf stärkten. 180 Stück sollen in der Kammer gehangen haben – am 26. März 1392. „Ich will das gar nicht werten“, sagte Kirchschlager. „Das sollen andere tun. Aber natürlich habe ich meine Entdeckung mitgeteilt.“ Kirchschlager tat dies stilecht, als Ritter der Wasserburg.

Viel mehr als die Frage nach dem wahren Ursprung der Thüringer Bratwurst beschäftigte die zahlreich erschienenen Gäste aber die nach der Zukunft des Museums. „Eigentlich wollten wir heute den neuen Standort bekannt geben, aber die Unterschriften fehlen noch“, sagte Vereinsvorsitzender Uwe Keith. Und sein Vize Thomas Mäuer warb um Verständnis, „dass wir das Projekt auf den letzten Metern nicht gefährden wollen“.

Man habe sich etwa 20 bis 25 potenzielle Standorte angesehen und viele Gespräche geführt. „Die Entscheidung ist gefallen“, so Mäuer. „Wir werden sie in den nächsten Tagen bekannt geben.“ Bis dahin sollen letzte Details im dicken Vertragswerk mit dem Investor, der eine siebenstellige Summe aufbringen wird, geklärt werden. Zwei Dinge aber seien Fakt: „Wir werden diesen Standort aufgeben, bleiben aber in Thüringen.“ Es sei ein „toller Standort“, sagt Mäuer, der es ermögliche, die Idee Bratwurstmuseum weiterzuentwickeln.

Der Verein bleibt Holzhausen erhalten

In Holzhausen sei man nun einmal an seine Grenzen gestoßen. 50.000 Besucher pro Jahr und 400 Reisebusse verkrafte der Standort nicht. Zudem fehle es an der Barrierefreiheit. Man wolle künftig mehr für Kinder anbieten, besser zeigen, wie die Wurst entstehe. „Was frisst das Schwein, was passiert, dass daraus eine Wurst wird, welche Gewürze kommen rein“, so Mäuer. Innerhalb von zwei Jahren soll der Umzug erfolgen.

Für den jetzigen Standort werde sich sicher eine gute neue Nutzung finden, zeigte er sich überzeugt. Und der Verein der Freunde der Thüringer Bratwurst mit seinen rund 350 Mitgliedern soll Holzhausen erhalten bleiben. „Wir werden am neuen Standort eine Zweigstelle eröffnen“, so Keith.

Bis dahin werden aber auch im bisherigen Bratwurstmuseum die Räder nicht stillstehen. Für 2019 sind mehrere neue Ausstellungsstücke geplant. So soll es – angelegt an die Körperwelten – die „Kulinarischen Körperwelten“ geben. In einem Leipziger Atelier entstehen gerade Figuren von Johann von Siebeleben und Barbara von Uhlstedt, die künftig am Eingang die Besucher begrüßen sollen.

Auch die Weinfreunde im Verein planen eine Erweiterung. „Wir wollen unsere Fläche verdoppeln, künftig neben Weiß- auch Rotwein anbieten“, kündigte deren Chef Hans Ullrich an. Auch wenn die letzte Weinernte wegen einer Krankheit im Stock trotz des Super-Sommers wenig erfolgreich verlief.

Ansonsten konnten die Bratwurstfreunde einmal mehr von einem „herausragenden Jahr 2018“, so Uwe Keith, berichten, ob Neuerungen auf dem Gelände, wie die E-Bike-Ladestation, die Auftritte als Botschafter für Thüringen und das Fleischerhandwerk oder die gut besuchten Veranstaltungen in Museum und Theater.

„Die Anmeldung der Thüringer Wurst zum Weltkulturerbe soll in meiner Amtszeit erfolgen“, kündigte Bratwurstkönig Norbert I. an. Darüber hinaus möchte er „Nachwuchs fürs Fleischerhandwerk gewinnen.“

Das Bratwursttheater geht 2019 in seine zehnte Spielzeit. „Mit vier Vorstellungen haben wir angefangen, jetzt sind es über 20 und alle ausverkauft“, so Mäuer. Zum Jubiläum soll es „13 schlagen“ und die beliebtesten Figuren der vergangenen Jahre auf die Bühne bringen.

16. März: Eröffnung der Grill-Saison mit Rostkultur auf dem Erfurter Domplatz

1. April: Saisoneröffnung im Bratwurstmuseum

19. Mai: Museumsfest mit Songcontest zum Internationalen Museumstag

16. August: Internationale Tag der Bratwurst

7. September: Bratwurstcup der Seifenkisten

3. Oktober: Bratwurstiade, 13. Auflage der Bratwurst-Wettspiele

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