Krauthausen: Verein will gegen „Südlink“ mobilisieren

Krauthausen  80 Gäste hören Protagonisten von „Thüringer gegen Südlink“ zu. Massen gegen Gleichstromtrasse in Thüringen nur mühsam zu mobilisieren.

Die Trägheit der Menschen, Protest auf die Straße zu tragen und sich mit zu engagieren bedauert Heinz Knees von der Bürgerinitiative „Gegenwind Harsberg“.

Die Trägheit der Menschen, Protest auf die Straße zu tragen und sich mit zu engagieren bedauert Heinz Knees von der Bürgerinitiative „Gegenwind Harsberg“.

Foto: Jensen Zlotowicz

„Wenn wir nur das machen, was wir dürfen, werden wir nichts erreichen. Wir müssen außergewöhnliche Aktionen starten.“ Diesen Satz von Jürgen Herrmann, Kopf des Vereins „Thüringer gegen den Südlink“, vernahmen am Donnerstag etwa 80 Gäste bei einer Informationsveranstaltung zum geplanten Bau der etwa 800 Kilometer langen unterirdischen Gleichstromtrasse von Norden in den Süden Deutschlands.

Durch Thüringen und die Wartburgregion ist ein Korridor des Leitungsverlaufes derzeit festgelegt. Der Trassenbau ist per Gesetz festgelegt, ihn zu verhindern ergo enorm schwierig.

Dass Herrman gemeinsam mit den Mitstreitern Heiko Ißleib (Marksuhl) und Birgit Ammon (Grabfeld) in Krauthausen referierte, hat guten Grund. Auch dieses Gebiet tangiert der Südlink.

Eine ähnlich gut besuchte Info-Veranstaltung hatte es im Oktober für den Raum Unter- und Oberellen gegeben. Auch dort mit dem Ziel, die Bürger über den tatsächlichen Sinn des Milliarden-Projektes aufzuklären und sie zum Protest auf der Straße in ihren jeweiligen Regionen zu motivieren.

Das Argument, dass es beim Bau der monströsen 500 KV-Trasse nur darum geht, im Zuge der Energiewende ökologisch unbedenklichen Windstrom von Norden gen Bayern zu transportieren, ist spätestens seit dem Besuch von Wirtschaftsminister Altmaier in Schmalkalden zum Märchen degradiert, so die Referenten. Die Katze ist aus dem Sack, dass es in erster Linie um internationalen Stromhandel geht. „Wir zahlen alle mit, haben aber nichts davon“, erklärte Heiko Ißleib.

Genau deshalb brauche es Protest aus allen Ecken, von so vielen wie möglich Bürgern. Beschlüsse von Gemeinderäten gegen die Trasse seien zwar gut und schön, aber die bewirken nichts. Wirklichen Erfolg verspreche nur der Massenprotest auf der Straße. Denn Menschenmassen sind gleich Wählermassen. Und nur hier könne man den Hebel ansetzen.

Wie schwer es ist, in Thüringen Menschen zu mobilisieren, erfahren die Mitglieder des Vereins „Thüringer gegen Südlink“ in ihrer Arbeit ständig. In Baden-Württemberg oder Hessen sei die Bereitschaft der Leute deutlich größer.

Ein Überbleibsel von DDR-Mentalität

Jürgen Herrmann macht die Trägheit hierzulande auch an einem Überbleibsel „DDR-Mentalität“ fest. Zudem würden Menschen oft erst dann mobil, wenn es in ihrer eigenen Hosentasche juckt.

Direkt am Südlink-Trassenkorridor seien die Menschen informiert und hellhörig. Aber schon 20 Kilometer weiter interessiere sich kaum jemand für die Thematik, bedauern die Protagonisten. Sie werden dennoch nicht müde, die Menschen zu mobilisieren, um gegen den Südlink aufzustehen, rauszugehen. „Wir brauchen Masse und eine eigene Veranstaltung pro Monat in den betroffenen Regionen“, umreißt Birgit Ammon das ehrgeizige Ziel. Ihr Appell: „Formieren Sie sich!“

Die negativen Begleiterscheinungen des Südlinks in Bezug auf Landnutzung, Ökologie, Gesundheit oder eben den immensen Kosten wurde dargelegt und diskutiert. Der Trassenbau wird durch Investoren gefördert, die dafür deutlich mehr Rendite erhielten als auf der Bank. Auch das sei ein politisches Übel.

Mitte der 2020er Jahre soll die unterirdische Leitung verlegt sein. Die Regierung hat den Genehmigungsprozess beschleunigt. Um so schneller müsse sich der Protest vieler Menschen formieren. Die nächste Informationsrunde wollen die „Thüringer gegen den Südlink“ in Behringen veranstalten.

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