Künstlerisch begabte Frauen aus Greiz erhalten Unterstützung durch Asylbewerber

Greiz  Künstlerisch begabte Frauen aus Greiz erhalten Unterstützung durch Asylbewerber.

Von links vorn: Die 16-jährige Mohadese Barati, Zainab Naderi, Najibe Barati und der sechsjährige Elias Barati überziehen unter Anleitung von Bärbel Tröber (hinten rechts) die Ostereier mit den Stoffresten. Angelika Männel (hinten links) schaut dabei über die Schulter der Frauen. Foto: Christian Freund

Von links vorn: Die 16-jährige Mohadese Barati, Zainab Naderi, Najibe Barati und der sechsjährige Elias Barati überziehen unter Anleitung von Bärbel Tröber (hinten rechts) die Ostereier mit den Stoffresten. Angelika Männel (hinten links) schaut dabei über die Schulter der Frauen. Foto: Christian Freund

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Seit Jahren treffen sich künstlerisch begabte Frauen in der Greizer Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt und fertigen Werke textiler Wandgestaltung. Vor allem aus Stoff- und Stickgarnresten lassen sie die schmucken Arbeiten entstehen. Besonders stolz sind sie auf eine von ihnen aus 21 Einzelteilen gestaltete Wand in der Vogtlandhalle, die drei spitze Zungen darstellen.

Meist sind es die kleinen Dinge

Spätestens die Fertigung hunderter Ostereier für die Osterkrone, die in jedem Jahr den Röhrenbrunnen auf dem Kirchplatz schmückt, ließ die Frauengruppe ins Licht der Öffentlichkeit rücken. „Jedes Osterei ist ein Unikat. Bereits nach Weihnachten beginnen wir, die Rohlinge, bestehend aus Schaumstoff-Eiern, mit den tollsten Stoff-Kreationen zu überziehen“, erklärt Bärbel Tröber, die seit Jahren die Begegnungsstätte leitet. „Gegenwärtig verzieren wir Eier, die für eine kleine Osterkrone bestimmt sind, die als Wanderobjekt vergeben wird.“

Seit einigen Monaten hat die kreative Frauengruppe fleißige Helfer bekommen. Mit geschickten Händen sind die 16-jährige Mohadese Barati, Zainab Naderi, Najibe Barati und der sechsjährige Elias Barati dabei, die Ostereier mit den entsprechenden Stoffen zu überziehen. Alle vier sind Flüchtlinge und kommen aus Afghanistan.

Ebenfalls in diese Runde herzlich aufgenommen wurde Lucia Gebrimariam, die aus Eritrea flüchten musste und schon anderthalb Jahre in Greiz lebt. „Unsere Bärbel gibt sich große Mühe, den Flüchtlingen, die durch ihre schrecklichen Erlebnisse in ihrer Heimat und die Flucht, die über den Iran in die Türkei entlang der Balkanroute führte, traumatisiert sind, menschliche Wärme in der Gruppe zu geben“, erklärt Angelika Männel, für die die Betreuung der Flüchtlinge längst zur Herzenssache geworden ist.

Integration bedeutet tägliches Lernen

„Als im Jahr 2013 die Nazis eine Demo gegen Ausländer veranstalteten, hielten Hunderte Greizer dagegen. Von dieser Stunde an stand für mich fest, den Flüchtlingen unter die Arme zu greifen“, erklärt die couragierte Greizerin. „Es sind meist die kleinen Dinge, die fast täglich den Flüchtlingen das Leben nicht leicht machen. Dazu gehören Behördenbriefe, die meist in einem Deutsch geschrieben sind, das selbst wir mit Mühe verstehen können oder sei es auch nur der Gang zur Sparkasse“, erklärt die Awo-Kreisverbandsvorsitzende. „Woher sollen die Menschen aus fremden Kulturen auch wissen, wie unser Leben hier funktioniert, wenn es ihnen keiner erklärt?“, ergänzte sie.

Oftmals genüge ein freundliches Wort, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Die Flüchtlinge fühlten sich oft als Menschen zweiter Klasse, obwohl es meist ehrliche, nette und anständige Leute seien, weiß sie aus Erfahrung. Die vor allem von ihr betreuten Frauen, Kinder und Männer gehören in ihrer Heimat Afghanistan den Schiiten an, die aufgrund ihres Glaubens von den Taliban und den Sunniten verfolgt werden.

Ihren Schützlingen gibt Angelika Männel Halt und die Gewissheit, dass sie in Deutschland nicht allein auf sich gestellt sind. Unterstützung findet sie dabei auch von ihrem Mann Uwe. Gemeinsam besuchen sie mit den Flüchtlingen Konzerte, gehen mit ihnen ins Kino, drehen Runden auf der Eisbahn oder sehen sich den Tierpark in Gera an. „Sie lernen täglich dazu. Nur so funktioniert Integration“, sind sich die Männels sicher. Für Angelika Männel ist klar, dass keiner ohne triftigen Grund seine Heimat aufgibt. „Wir leben alle auf dem gleichen Planeten und kein Mensch ist wertvoller als der andere. Die Flüchtlinge spüren, dass wir es ehrlich meinen und bekommen von ihnen großes Vertrauen und viel Zuwendung zurück“, freut sich die Greizerin.

„Es wäre schön, wenn wir jemanden hätten, der täglich ein bis zwei Stunden Deutschunterricht geben könnte. Denn ohne Sprachkenntnisse ist eine Integration kaum möglich“, weiß auch Bärbel Tröber zu gut, die den Flüchtlingskindern auch ab und an mit viel Geduld bei den Schularbeiten behilflich ist.

Am Palmsonntag, 20. März, wird 11 Uhr die von den Awo-Frauen mit Ostereiern gestaltete Osterkrone am Röhrenbrunnen in Greiz eingeweiht. Umrahmt wird das ganze mit einem kleinen Kulturprogramm.

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