Leser unserer Zeitung beim Fahrtraining des ADAC

Nohra.  Mehr E-Bikes unterwegs. Leser dieser Zeitung gewinnen beim Fahrtraining des ADAC vor allem an Sicherheit.

Bereit zum Üben sind die Leser dieser Zeitung im Fahrsicherheitszentrum des ADAC. Sie erhalten von den Fahrlehrern, die gelbe Helme tragen, wertvolle Tipps.

Bereit zum Üben sind die Leser dieser Zeitung im Fahrsicherheitszentrum des ADAC. Sie erhalten von den Fahrlehrern, die gelbe Helme tragen, wertvolle Tipps.

Foto: Gerald Müller

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Hartmut Mock schweift gedanklich in seine Jugendzeit ab. „Mit 15 habe ich das letzte Mal auf einem Rad gesessen. Dann bin ich Moped- und später Autofahrer geworden.“ Im Mai, nach mehr als vier Jahrzehnten, folgte die Rückkehr auf den Sattel. „Da haben wir uns ein E-Bike gekauft.“ Ehefrau Helga lächelt. „Aber bisher sind wir noch nicht viel unterwegs gewesen.“ Die erreichte Kilometerzahl ist knapp dreistellig. „Ich fühle mich noch nicht sicher“, sagt sie und schaut hoffnungsvoll zu Cornelius Blanke. Der hat am Freitagnachmittag im ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Nohra (Weimarer Land) ein Training veranstaltet, das Leser unserer Zeitung gewonnen haben.

„Wir wollen Theorie vermitteln und vor allem praktische Tipps für die Technik geben. Denn 25 Kilometer pro Stunde können sehr schnell sein. Bei dieser Geschwindigkeit sind manche überfordert, bei einem Pedelec hat man ja auch richtig Masse unter dem Hintern“, äußert der Pressesprecher des ADAC Hessen-Thüringen, der in jedem Auto- auch einen potenziellen Radfahrer sieht. Blanke, der zugleich Fahrtechnik-Trainer ist, fragt an der Seite seines Kollegen Fabian Löbnitz in die Runde, was jeder vom vierstündigen Termin erwartet.

Die Antworten reichen von „Sitz-Einstellung“ und „Helm-Anpassung“ über „Akku-Ladung“ und „Bremssteuerung“ bis hin zum eleganten „Überqueren von Schienen“ und „Bewältigen von Bergen“.

Einen Ratschlag, „um besser die Kurve zu kriegen“, sehnt Beate Makrinius herbei. Die Erfurterin hatte 2019 einen Unfall mit einem herkömmlichen Rad und sucht noch nach dem Gefühl von Sicherheit: „Ich will beim Fahren gern den Kopf ausschalten.“

Ehemann Matthias nickt, zusammen haben sie in den letzten Wochen erlebt, wie entspannend das Fahren mit einem E-Bike sein kann. „Früher waren 20 Kilometer eine richtige Herausforderung, jetzt kann man die locker bewältigen.“ Sie hätten die Bewegung neu entdeckt. „Und man sieht auch viel mehr von der Landschaft, erst kürzlich waren wir auf dem Saale-Radweg. Wunderschön.“ Den kennt als Jenaer natürlich auch Wilfried Bißmann. „Die Manövrierfähigkeit muss ich noch verbessern“, sagt der Rentner, der erst seit Kurzem im Besitz eines ungefähr 25 Kilogramm schweren E-Bikes ist und schon mehr als 600 Kilometer auf dem Tacho hat. Sie haben sich bei einer Tour nach Leipzig und ins dortige Seenland angesammelt. Der 70-Jährige will das E-Bike längst nicht mehr missen.

Egal, welche Altersgruppe – in Thüringen fahren jedenfalls immer mehr Menschen ein E-Bike. Wobei die genaue Bezeichnung für Modelle bis 25 Kilometern pro Stunde stets Pedelec sein müsste. Doch im Sprachgebrauch hat sich für alle Fahrräder, die mit Motor angetrieben werden, die Bezeichnung E-Bike durchgesetzt.

Der Absatz der hochwertigen Räder mit elektrischem Hilfsmotor hat laut Zweirad-Industrie-Verband enorm zugelegt. 2019 wurden 1,3 Millionen verkauft – ein Plus von beinahe 40 Prozent. Der Trend zum Strom ist eindeutig, vom geschätzten Fahrradbestand von knapp 76 Millionen Stück in Deutschland sind inzwischen bereits 5,4 Millionen E-Bikes. Und das, obwohl sie meist mehr als 2000, manchmal sogar bis 7000 Euro kosten. Doch sie können mit elektrischem Rückenwind die Leistungsunterschiede verschwinden und sogar bergige Hügel wie im Thüringer Mittelgebirge harmlos wirken lassen. Man muss sich nicht mehr quälen, kann auch Steigungen über zwanzig Prozent problemlos meistern. Und die Zeiten, da E-Bikes klobige Motoren unter dem Gepäckträger hatten, sind vorbei.

Sie sehen dem guten alten Drahtesel oft äußerlich zum Verwechseln ähnlich, weil die wenig attraktiven Komponenten nun im Rahmen versteckt sind. Die Fahrradbauer verwenden hochwertige Hydraulik und Elektronik, wollen mit dieser auch die Unfallzahlen durch Unterschätzen der Geschwindigkeit verringern. Mittlerweile ist das Laden des Akkus, was durchschnittlich nach etwa 100 Kilometern passieren muss, fernab der heimischen Steckdose an Tankstellen oder in Gaststätten möglich.

Das ist auch für die Mocks beruhigend, die in der nachmittäglichen Hitze auf dem Asphalt nahe Nohra viele Kegel umkurven und immer wieder das Bremsen geübt haben. Das Ehepaar reist Mitte August vom heimischen Effelder im Eichsfeld nach Binz an die Ostsee. „Früher sind wir ins Ausland geflogen, dieses Mal bleiben wir wegen Corona in Deutschland. Das hat uns aber auch animiert, das E-Bike zu kaufen, das wir natürlich mitnehmen“, berichtet Hartmut Mock.

Das Fahren dürfte nach den gestrigen Tipps und Anregungen richtig Spaß machen. Vielleicht ist das ja dann auch wie damals in der Jugendzeit.

Drei Kategorien

  • Pedelec: Das Pedelec (Pedal Electric Cycle) unterstützt das Fahren mit einem Elektromotor nur bis 25 km/h. Wer schneller fahren will, ist auf die eigene Körperleistung angewiesen. Der Unterstützungsgrad ist abhängig von der Pedalkraft oder Trittfrequenz.
  • Schnelle Pedelecs/S-Klasse:Sie gehören nicht mehr zu den Fahrrädern, sondern zu den Kleinkrafträdern. Die Motorunterstützung wird erst bei 45 km/h abgeschaltet.
  • E-Bikes: E-Bikes lassen sich mit Elektroantrieb fahren, ohne dabei in die Pedale zu treten. Wird die Leistung von 1000 Watt undmaximal 25 km/h überschritten,gelten diese Fahrzeuge alsKleinkraftrad.
  • Quelle: Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club
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