Liebesbeweis aus dem Mittelalter

Am letzten Tag der zehnwöchigen Grabung in Altenburg finden Archäologen einen wertvollen Ring. Zudem wurden die Gebeine von knapp 100 Toten untersucht.

Bei den jüngsten Grabungen wurden Gebeine von knapp 100 Toten entdeckt.

Bei den jüngsten Grabungen wurden Gebeine von knapp 100 Toten entdeckt.

Foto: zgt

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Altenburg/Weimar. Es passiert immer am letzten Tag. Schon vor zwei Jahren war das so. Die Archäologen fanden an den Roten Spitzen in Altenburg bei Grabungen ein kopfloses Skelett und die Überreste eines Umhangs, der von Goldfäden durchzogen war.

Jetzt gibt es wieder einen Fund. Am letzten Tag der zehn Wochen dauernden Grabungen an der Torgasse fanden die Mitarbeiter der Stadtarchäologie in Altenburg einen Ring. Auf dem Ringkopf befindet sich ein blauer Stein, bei dem es sich um einen Lapislazuli handeln könnte. Unklar ist noch, ob der Ring aus Silber oder Bronze besteht.

Der Ring wurde von den acht Mitarbeitern bei Grabungen auf dem bis dahin nicht näher untersuchten Friedhof an den Roten Spitzen gefunden. Auf der 70 Quadratmeter großen Fläche wurden knapp 100 Gräber freigelegt. Das letzte zu bearbeitende Grab gab sich überraschend als die Grablege einer sozial besser gestellten Persönlichkeit zu erkennen, heißt es. "Es handelt sich um ein in Teilen schon durch spätere Nachbestattungen gestörtes Grab aus der untersten Bestattungsschicht", sagt der Archäologe Dr. Uwe Moos. Er geht davon aus, dass das Grab aus dem Hochmittelalter stammt – also aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Die wahrscheinlich weibliche Tote haben den Ring an ihrer rechten Hand getragen. Es handele sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Ehering. Ob es sich bei dem Stein tatsächlich um einen Lapislazuli handelt, soll mit Laboruntersuchungen herausgefunden werden. Tatsächlich wäre das Schmuckstück dadurch umso wertvoller. Der Lapislazuli ist ein aus Afghanistan stammendes Gestein, der im Mittelalter äußerst wertvoll war. Albrecht Dürer habe ihn mit Gold aufgewogen, sagt Moos. "In jedem Fall ist das Schmuckstück ein sehr kostbarer Gegenstand gewesen, die damit auch sehr persönliche Wertschätzung der verstorbenen Ringträgerin nimmt insofern auf dem Friedhof eine Sonderstellung ein", so Moos.

Derzeit befindet sich der Ring im Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege in Weimar. Mit einer Metallanalyse soll zunächst die Beschaffenheit geklärt werden. Außerdem wird der Stein genau begutachtet, sagt Dr. Ines Spazier aus dem Landesamt. Es sei davon auszugehen, dass die Ergebnisse in zwei bis drei Wochen vorliegen. Der Ring werde, sobald das geplante Besucherzentrum in den Roten Spitzen fertiggestellt ist, wahrscheinlich als Dauerleigabe nach Altenburg kommen.

Der jetzt untersuchte Friedhof unterscheidet sich von den bisherigen Funden der Archäologen an den Roten Spitzen. "Die Belegung auf dem Friedhof war ungewöhnlich dicht", sagt Moos. Die Bestattungen seien zum Teil nur wenige Zentimeter übereinander erfolgt, so Moos. Die Erkenntnisse, die man aus den Untersuchungen gewinnen kann, seien bedeutsam. "Friedhöfe sind eine wichtige Quelle für die Erforschung der sozialen Differenzierung in der mittelalterlichen Gesellschaft", sagt Moos. Im Unterschied zu den in den letzten Jahren untersuchten Gräbern im Kreuzgang des Stifts ist der Anteil der Sargbestattungen in der aktuellen Ausgrabung deutlich geringer. Moos hält es nun für Wahrscheinlich, dass es sich nun um die Gebeine sozial schlechter gestellter Menschen handeln könnte.

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