„Rosen brauchen nichts als LSD“ – Außergewöhnliche Tipps für den Garten

Pößneck  Beim Tag der offenen Gärten gibt der Pößnecker Volker Radig außergewöhnliche Tipps zur Pflanzenpflege und Immenzucht.

Hobbygärtner Volker Radig (64) aus Pößneck hat sich der japanischen Schnittkunst Niwaki verschrieben und formt damit aus Bäumen kunstvolle Gebilde.

Hobbygärtner Volker Radig (64) aus Pößneck hat sich der japanischen Schnittkunst Niwaki verschrieben und formt damit aus Bäumen kunstvolle Gebilde.

Foto: Sibylle Göbel

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Hobbygärtner lassen sich grob in zwei Kategorien unterscheiden: die „Ausprobierer“ und die Planer. Die experimentierfreudigen „Ausprobierer“ erwärmen sich in Sekundenschnelle für Pflanzen oder Gestaltungsideen – und legen, ohne lange darüber nachzudenken, mit dem Pflanzen und Gestalten los. Die Planer hingegen überlegen sich genau, was sie wo und wie haben möchten, welche Pflanze welche Stadtortbedingungen hat und mit wem sie sich verträgt – und machen sich erst dann ans Werk. Beides hat seine Berechtigung. Und nicht immer ist vorausschauende Planung ein Garant für gärtnerischen Erfolg, wie umgekehrt spontanes Lospreschen nicht zwangsläufig zum Scheitern führt. Hier wie dort kann es grünen und blühen – oder aber vor sich hin schrumpeln und welken.

Volker Radig aus Pößneck gehört zur Kategorie der Planer. Der Bauingenieur im Ruhestand ist davon überzeugt, dass es für die Gartengestaltung eine „Grundkonzeption“ braucht, will man sich doppelte und dreifache Arbeit und unnötige Ausgaben ersparen. Um immer neue Ideen ist der 64-Jährige zwar nicht verlegen, vor seinem geistigen Auge entsteht auch sofort ein Bild davon, wie etwas später aussehen soll, aber ohne Skizze und Fachliteratur macht sich Volker Radig nicht ans Werk.

Wie gut er damit fährt, ist seinem Refugium am Rande von Pößneck auf Schritt und Tritt anzusehen: Kein auf dem Reißbrett entworfener Garten, dem alles Ungezähmte fehlt, sondern eine üppig grünende und obendrein von asiatischer Gartenkunst inspirierte Oase in Hanglage. Kaum zu glauben, dass auf dem insgesamt 1700 Quadratmeter messenden Grundstück so gut wie nichts zu finden war, als es Volker Radig 1978 kaufte. „Zur Selbstversorgung“, wie der Pößnecker – ein Mann wie ein Bär – fröhlich erzählt. „Man bekam ja nix zu kaufen.“

Radig hielt damals ein paar Schafe und Kaninchen und baute neben Tierfutter Obst und Gemüse an. Der Gedanke, auf der Fläche am Waldesrand zu bauen, kam erst 1986 auf, als die Familie mittlerweile fünfköpfig war und sich keine geeignete Wohnung fand. 1990 zogen die Radigs schließlich ins eigene Haus. Mit der Wende hatte sich der „Zwang zur Selbstversorgung“, wie es Volker Radig nennt, allerdings erledigt. Außerdem waren er und seine Frau inzwischen beruflich und familiär so eingespannt, dass sie gar keine Zeit mehr für eine Mini-Landwirtschaft gehabt hätten. Der Hausgarten wandelte sich. Und seit die Tochter und die beiden Söhne aus dem Haus sind, ist er nebst der Bienenhaltung Volker Radigs ganze Passion. „Ich bin hier der Zeremonienmeister“, stellt der Pößnecker schmunzelnd fest. Was auch bedeutet: Seine Frau, die ein eigenes Kosmetikstudio betreibt, darf bei der Gartenpflege zwar gern mittun, die Gestaltung aber möchte er sich ungern aus der Hand nehmen lassen.

Radigs Immen – derzeit sind es dreizehn Bienenvölker und eine Königinnenzucht – finden im Garten über Monate hinweg reichlich Nahrung. Derzeit blühen Kartoffel- und Duftrosen, Lavendel und Wilder Thymian, in den Startlöchern stehen zudem verschiedene Taglilien. Allerorten summt und brummt es, zumal der Imker nicht nur seine teils selbst gebauten und bemalten Magazinbeuten an verschiedenen Standorten aufgestellt hat. Auch in einem alten Bienenkorb und einer sogenannten Klotzbeute – einer Bienenbehausung in einem ausgehöhlten Baumstamm – tobt das Leben. Nicht zuletzt die Insektenhotels und Vogelkästen aus eigener Fertigung haben ganz von allein Bewohner gefunden, während über dem Gartenteich Libellen tanzen und Zauneidechsen auf warmen Steinen ein Sonnenbad nehmen. Alles Indikatoren dafür, dass viele Tierarten in Volker Radigs Garten ideale Lebensbedingungen vorfinden.

Aber nicht nur der Fauna geht es auf diesem Fleckchen Erde prächtig. Volker Radig wird auch oft gefragt, wie er beispielsweise die Rosen, die das Entree zum Garten rahmen, zu derart üppiger Blüte treibt. „Mit LSD“, pflegt der Naturfreund dann augenzwinkernd zu antworten. „Mit Lehm, Sonne und Dünger.“ Noch mehr gelöchert wird Volker Radig, der sich seit zehn Jahren an der Aktion der „Offenen Gärten“ beteiligt, aber wegen seiner in grüne Wölkchen verwandelten Bäume.

Vor 15 Jahren hat der 64-Jährige begonnen, sich die japanische Schnittkunst Niwaki anzueignen und Bäume ähnlich wie beim Bonsai durch Schneiden, Ausdünnen und Trimmen über Jahre so zu formen, dass sie am Ende einem kunstvollen Gebilde gleichen. Auf diese Weise hat Volker Radig schon eine Korkenzieherlärche, einen Chinesischen Wacholder, eine Zypresse und eine Goldulme bearbeitet.

Der Pößnecker erinnert sich noch genau daran, wie entsetzt seine Frau Sabine reagierte, als er das erste Mal radikal die Schere angesetzt hatte: „Der Baum war in ihren Augen eine Katastrophe.“ Doch inzwischen hat sie sich mit Niwaki angefreundet und teilt die Ansicht ihres Ehemanns, dass man auf diese Weise mit großen Pflanzen den Garten gestalten kann, „ohne dass sie einen erdrücken“. Volker Radig schätzt es zudem sehr, dass beim Niwaki gärtnerische, handwerkliche und künstlerisch-gestalterische Fähigkeiten Hand in Hand gehen. Genau deshalb liege ihm diese Schnitttechnik ganz besonders.

Doch auch in seiner Holzwerkstatt läuft der Pößnecker regelmäßig zu großer Form auf: Neben Tierbehausungen aller Art hat er schon Sitzmöbel und Hochbeete aus Einwegpaletten gefertigt. Wer in der DDR großgeworden ist, der kann fast nicht anders: Für den war das Thema Wiederverwertung schon eines, als es noch nicht neumodisch Upcycling hieß.

In den beiden selbstgezimmerten Hochbeeten wachsen derzeit unter anderem Salat und Ochsenherz-Tomaten, Kürbis und Koriander. Ein bisschen Selbstversorgung muss dann doch noch sein, findet Volker Radig. Zumal auch die fünfköpfige Enkelschar, die regelmäßig zum Oma-und-Opa-Tag einfliegt, am allerliebsten verspeist, was frisch aus dem großelterlichen Garten kommt. Das Klagelied fast aller Gärtner, die nach ultimativen Tipps im Kampf gegen Nacktschnecken fragen, stimmt Volker Radig in diesem Zusammenhang derweil nicht an. „Nein“, sagt er bestimmt. „Mein größter Feind sind nicht die Nacktschnecken, mein größter Feind ist der Giersch.“ Denn gegen diesen hartnäckigen „Bodendecker“ sei – gute Planung hin, gute Planung her – einfach kein Kraut gewachsen.

Zwei Termine

Halbzeit bei den „Offenen Gärten 2019“: Nachdem seit dem 19. Mai unter anderem Gartenoasen in Erfurt, Eisenach, Weimar und Nordhausen besichtigt werden konnten, stehen an den Sonntagen bis zum 14. Juli Gärten beispielsweise in Gotha, Ilmenau, Mühlhausen, Zeulenroda und Schleiz offen. Die Region Orlatal ist eine von 22 in Thüringen, die sich in diesem Jahr an der Aktion „Open Gardens – Offene Gärten“ beteiligen – und das als einzige sogar mit zwei Terminen: Denn nach dem 26. Mai öffnen am Sonntag, 14. Juli, Gärten der Region ein zweites Mal. Eingangsgärten, in denen ein Obolus von 2 Euro zu entrichten ist und Besucher die Liste der teilnehmenden Gärten erhalten, sind der BUND-Naturlehrgarten in Ranis, Schulstraße 2, und die Gartenanlage „Wald“ in Pößneck, An den Kuhteichen.

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