Seilbahn für den Inselsberg? - Plateau um Gipfel wird neu gestaltet

Bad Tabarz.  Das Bergplateau rund um den Inselsberg soll neu gestaltet werden. Der Bad Tabarzer Bürgermeister macht sich weiter für eine Seilbahn stark.

Das Plateau rund um den Großen Inselsberg soll bis 2025 ganzheitlich entwickelt und neu gestaltet werden.

Das Plateau rund um den Großen Inselsberg soll bis 2025 ganzheitlich entwickelt und neu gestaltet werden.

Foto: Sascha Fromm

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Die K10-Straße führt 1300 Meter nach oben, im Durchschnitt beträgt die Steigung acht Prozent. Sie ist eng und bucklig, mit Kopfsteinpflaster als Untergrund. Eine Ampel regelt den Verkehr von der Hauptstraße in Richtung Großer Inselberg.

Von einem „erbärmlichen Zustand“, einer „Zumutung“, einer „unerträglichen Situation“ spricht David Ortmann, wenn er über den einzigen fahrbaren Zugangsweg zum bekanntesten, 916 Meter hohen Berg Thüringens spricht. Und der 36-jährige Bürgermeister von Bad Tabarz kommt dann auch schnell auf eines seiner Lieblingsthemen zu sprechen - seit Monaten treibt ihn die Vision einer Seilbahn an.

„Es wird keine Alternative zu einer Gondel geben“, ist er überzeugt, „ohne sie droht ein Verkehrschaos“. Für Autos sei die Straße ungeeignet, ständig gäbe es Staus. Auch die ins Gespräch gebrachten Elektrobusse im Pendeleinsatz wären keine Lösung, „denn sie würden es nicht schaffen, die vielen Tausend Besucher zu transportieren.“ Denn der Inselsberg soll schließlich ein touristischer Magnet werden, ein internationaler.

Drei Schwerpunktregionen im Thüringer Wald

Allerdings ist auch das Vision, denn der markanteste Berg im Freistaat wird zwar häufig aufgesucht – 120.000 Gäste waren es 2019. Aber er ist längt nicht das Ausflugziel, das er sein könnte. Das hat auch die Landesregierung erkannt.

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagt: „Der Inselsberg ist ein Wahrzeichen.“ Um ihn touristisch aufzuwerten, „soll das Bergplateau bis 2025 ganzheitlich entwickelt und neu gestaltet werden.“ Geplant sind dabei unter anderem ein neues Besucherzentrum, die Gestaltung der öffentlichen Freianlagen sowie die Schaffung von Parkflächen. Mit der Neuordnung der vorhandenen Infrastrukturen sollen zugleich Voraussetzungen für dringend benötigte private Investitionen in Gastronomie und Hotellerie geschaffen werden.

Mit den Planungen ist die Inselsbergregion neben Masserberg und Oberhof eine von drei Schwerpunktregionen im Thüringer Wald, die im Rahmen der Landestourismusstrategie 2025 touristisch entwickelt werden sollen.

Zur Umsetzung startet die Landesentwicklungsgesellschaft im ersten Quartal 2020 einen europaweiten Wettbewerb, bei dem Architekten ihre Entwürfe zur Gestaltung des Areals einreichen können. Das Wirtschaftsministerium ist bereit, den größten Teil der Kosten dafür zu übernehmen. Das Gesamtvorhaben soll bis 2025 dauern, Baustart könnte 2021 sein.

Zum Thema „Seilbahn zum Inselsberg“ äußert sich Tiefensee folgendermaßen: „Die Frage der Errichtung steht nicht am Anfang, sondern am Ende einer Entwicklung. Aber in einem solchen Konzept kann die Seilbahn möglicherweise ein Schlüsselprojekt werden.“

Gondel vom Kleinen zum Großen Inselberg

Für SPD-Kollege David Ortmann - ein Mann mit Fantasie und Begeisterungskraft - ist sie das schon. Für ihn wäre eine Gondel vom Kleinen Inselberg mit über 500 Parkplätzen zum Großen Inselsberg die logischste Variante. Sie würde perspektivisch viele Probleme lösen. „Ein Vorteil ist, dass dieses Gebiet zur Gemarkung unserer Gemeinde Bad Tabarz gehört, die auch das obere Plateau auf dem Berg gepachtet hat“. Denn die Eigentumsverhältnisse auf dem Inselberg sind nach wie vor problematisch.

80 Prozent sind in privater Hand, den verbleibenden Rest teilen sich drei Gemeinden und zwei Landkreise. Ein einziger Buchstabe macht dabei schon einen bedeutsamen Unterschied aus. Auf dem Berg gibt es sowohl die Inselbergstraße als auch die Inselsbergstraße, die zu verschiedenen Gemeinden gehören. Zu Brotterode/Trusetal beziehungsweise zu Bad Tabarz, was auch zwei Thüringer Landkreise - Gotha und Schmalkalden-Meiningen - bedeutet.

Doch damit nicht genug. Mit Waltershausen hat noch eine dritte Gemeinde anteiliges Eigentum auf dem Inselsberg, wo demnach drei Postleitzahlen - 98596, 99890, 99891 - für die maximal lediglich 100 Meter auseinanderliegenden Gebäude und Einrichtungen existieren Für den geöffneten Berggasthof Stöhr, den Funkturm, die Jugendherberge, den Aussichtsturm mit ständigen Ausstellungen sowie das Gasthaus „Großer Inselsberg“, das 2011 als „Stadt Gotha“ geschlossen worden war.

Viele Menschen aus der Region können sich jedenfalls mit dem Gedanken an eine Gondel anfreunden. Sie versprechen sich davon unter anderem eine Belebung des Fremdenverkehrs. Je nach Länge und Ausstattung würden sich eventuelle Kosten für die dann erste Seilbahn in Thüringen nach grober Schätzung zwischen 10 und 15 Millionen Euro bewegen. Als Voraussetzung sind Zustimmungen zahlreicher Ämter notwendig. Und vor einer Förderanfrage ist auch ein Bürgerbeteiligungsprozess notwendig.

David Ortmann ist aber überzeugt: „Der Inselsberg hat mehr denn je große Aufmerksamkeit verdient“. Der jetzige Zustand auf dem Plateau ist kein guter, vielfältige Veränderungen sind nötig. Das betrifft auch schon den Weg nach ganz oben…

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