Sömmerdaerin liegen Frauen besonders am Herzen

Sömmerda.  Bürgerpreis 2019: Roswitha Leischner aus Sömmerda erhält die Auszeichnung in der Kategorie „Alltagshelden“.

Die Sömmerdaerin Roswitha Leischner hilft ehrenamtlich geflüchteten Familien bei Behördengängen.

Die Sömmerdaerin Roswitha Leischner hilft ehrenamtlich geflüchteten Familien bei Behördengängen.

Foto: Jens König

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Zum sechzehnten Mal ehrte die Sparkassenstiftung Sömmerda das ehrenamtliche Engagement von Menschen, die sich in besonderer Weise im Landkreis bürgerschaftlich einsetzen. Roswitha Leischner aus Sömmerda erhielt den Bürgerpreis 2019 in der Kategorie „Alltagshelden“. Ausgezeichnet wurde die 69-Jährige, weil sie sich für geflüchtete Familien im Landkreis stark macht.

„Ich will kein Loblied über mich lesen“, sagt Roswitha Leischner im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie sei doch nur eine von vielen, die einfach ein bisschen helfen wollen. Doch gleich mehrere Würdigungen zeigen, dass die Sömmerdaerin Lob verdient hat. Vor etwa eineinhalb Jahren bekam Roswitha Leischner die Thüringer Rose, im vergangenen Dezember folgte die Auszeichnung mit dem Bürgerpreis.

Alles begann mit einem Deutschkurs

Nachdem sie vor etwa fünf Jahren ihren langjährigen Chefposten in der Sömmerdaer Bibliothek abgab, fühlte sich das für die 69-Jährige noch nicht nach Ruhestand an. „Ich wollte aktiv sein, etwas bewegen“, sagt sie. Der Arbeiter-Samariter-Bund suchte zu diesem Zeitpunkt Freiwillige, die sich um die Geflüchteten kümmern wollten, die in den Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis untergekommen waren.

Anlaufstelle war der Weltladen „Locodemu“ auf dem Sömmerdaer Marktplatz, wo sich Roswitha Leischner meldete. Begonnen hatte alles mit einem kleinen Sprachkurs für die Frauen der Gemeinschaftsunterkunft in Weißensee. „Verständigt haben wir uns erstmal nur mit Händen und Füßen, aber das hat funktioniert“, erzählt die Sömmerdaerin. Dass diese Arbeit genau das Richtige für sie ist, merkte Roswitha Leischner schnell. „Die Frauen waren so offen und wissbegierig und wollten unbedingt Deutsch lernen.“

Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen

Immer öfter fragten Bewohner der Unterkünfte dann auch nach Hilfe bei Behördengängen. Bis heute begleitet Roswitha Leischner Familien regelmäßig zu Terminen bei der Ausländerbehörde, beim Jobcenter, zu Arztbesuchen und unterstützt sie bei Sprachkursen und beim Ausfüllen komplizierter Anträge. „Da blickt ja unsereiner kaum durch“, sagt die 69-Jährige.

Zu einigen „ihrer“ Familien hat sich im Laufe der Jahre eine freundschaftliche Beziehung entwickelt. Die Kinder einer Familie aus Afghanistan holt sie mittlerweile mindestens einmal die Woche von Schule und Kindergarten ab. „Ich habe die Familie kennengelernt, da war die Tochter gerade erst geboren“, erzählt Roswitha Leischner. Die Mutter gehörte zu dem Deutschkurs, den Roswitha Leischner in Weißensee angeboten hatte. Die Eltern sprechen mittlerweile gutes Deutsch, der Sohn sogar akzentfrei. „Bei der Kleinen ist es noch ein bisschen Kauderwelsch, aber so ist das, wenn man zweisprachig aufwächst“, sagt Roswitha Leischner.

An manchen Tagen, sagt sie, ist sie von morgens bis spät nachmittags unterwegs. Und die Betreuung von Flüchtlingen ist bei Weitem nicht alles, was Roswitha Leischner tut. Zusätzlich ist sie im Förderverein der Kreis- und Stadtbibliothek aktiv und betreut die Schulbibliothek am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Sömmerda. Die Arbeit mit jungen Menschen halte sie selber jung. Außerdem gehören Sport, Englischlernen an der Volkshochschule und „jeden Tag ein paar Seiten lesen“ zu ihrem Alltag.

Kontakt mit anderen ehrenamtlichen Helfern wichtig

Dass ihre freiwillige Arbeit mit Geflüchteten nicht von jedem toleriert wird, musste Roswitha Leischner schon erfahren. „Es geht eben nicht immer konfliktfrei zu.“ Es kam bereits einmal vor, dass sie auf der Straße einige unschöne Kommentare bekam, weil neben ihr eine Frau mit Kopftuch lief. Doch vor allem bekommt sie Zuspruch für ihre ehrenamtliche Arbeit, betont Leischner.

Und diese Arbeit wäre nicht so erfolgreich, wenn nicht „alle anderen“ wären, so Leischner. Der Kontakt mit anderen ehrenamtlichen Helfern und den Ansprechpartnern bei der Flüchtlingshilfe sei für sie sehr wichtig – für den Austausch und um voneinander zu lernen.

Der Umgang mit den Menschen ist es, der Roswitha Leischner immer weiter antreibt. Irgendwann mal aufzuhören, sich zur Ruhe zu setzen, das kann sich die 69-Jährige nicht vorstellen. Ein besonderes Anliegen sind Roswitha Leischner die geflüchteten Frauen. „Frauen können so viel mehr, als sie sich oft selber zutrauen“, sagt sie. „Wahrscheinlich treiben mich gerade die Frauen so um, weil ich selber eine bin.“

Eines hat die Sömmerdaerin in ihrer ehrenamtlichen Arbeit besonders zu schätzen gelernt, sagt sie. „Was man gibt, bekommt man immer zurück.“

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