Streit um Schadensersatz nach Unfall auf A4 durch Flucht vor Wolf

Erfurt  Nach dem Unfall auf der A 4 mit Schafen und Ziegen, die nach einem mutmaßlichen Wolfsangriff fortgerannt waren, wirft der Nabu dem Halter der attackierten Herde Fahrlässigkeit vor. Die Schafzüchter fordern Versicherungsschutz durch das Land.

Vermutlich ein Wolf hat südlich der A4 bei Wechmar mehrere Nutztiere gerissen. Die Herde rannte auf die Autobahn und verursachte einen Unfall.

Vermutlich ein Wolf hat südlich der A4 bei Wechmar mehrere Nutztiere gerissen. Die Herde rannte auf die Autobahn und verursachte einen Unfall.

Foto: Frank Schauka

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Der erste Verkehrsunfall auf einer Autobahn in Thüringen mit Ziegen und Schafen, die wahrscheinlich vor angreifenden Wölfen geflohen sind, hat ein politisches Nachspiel.

„Ich erwarte, dass das Land für Sachschäden aufkommt, die durch Nutztiere auf der Flucht vor dem Wolf entstehen“, sagte der Vorsitzende des Landesverbands Thüringer Schafzüchter, Jens-Uwe Otto, gestern der TA.

Zwei Sattelzüge hatten Montag früh auf der A 4 bei Wechmar mehrere Tiere überfahren, die nach einem mutmaßlichen Wolfsangriff fortgerannt waren. Der Sachschaden an den Fahrzeugen infolge die Kollision betrug nach Polizeiangaben 3000 Euro. Der Pferch lag etwa drei Kilometer von der Unfallstelle entfernt.

„Der Schäfer bei Wechmar hatte seine Tiere mit einem 90 Zentimeter hohen Stromzaun vorschriftsmäßig gesichert. Den Sachschaden muss deshalb der bezahlen, der die Wölfe haben will“, forderte Schäfer Otto. „Das ist die Landesregierung. Das Land muss für seine Wölfe eine Versicherung abschließen.“

Der Wolfsexperte des Naturschutzbundes Nabu, Silvester Tamas, sieht die Verantwortung hingegen nicht beim Land, sondern eher beim Schäfer.

Es sei „mindestens leichtsinnig bzw. fahrlässig“, so Tamas, „die Weidetiere in unmittelbarer Nähe zu einer der am meisten befahrenen Autobahnen Europas einzuzäunen.“ Zumal die Tiere von einem Zaun umgeben waren, der mit 90 Zentimeter Höhe lediglich dem „Mindestschutz“ entsprochen habe und somit „eine ganz banale Netzzäunung“ gewesen sei.

„Es kann doch nicht sein, dass ein Schäfer Schuldzuweisungen bekommt, wenn er seine Schafe richtig eingezäunt hat“, sagt Schafzüchter-Chef Otto.

Das Umweltministerium empfiehlt 1,20 Meter hohe Optimalschutzzäune, auch wenn es etwas umständlicher sei, diese aufzustellen. „Es gibt keine Pflicht, das so zu machen. Aber wir fördern das sogar.“

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