Heimat Erleben: Zauberhafte Dinge aus Märchenwolle

Bad Blankenburg.  Ines Richter und Tochter Tina filzen mit großen und kleinen Wollfans in Bad Blankenburg.

Die Palette im kunterbunten Farbenschmuck ist erstaunlich breit gefächert. All diese schönen Dinge haben nichts anderes als Schafwolle zum Ausgangsmaterial. Aber erst unter den ebenso geschickten wie fleißigen Frauenhänden von Ines Richter (rechts) und Tochter Tina fügt sich die flauschige Wolle zu den dekorativen Schaustücken.

Die Palette im kunterbunten Farbenschmuck ist erstaunlich breit gefächert. All diese schönen Dinge haben nichts anderes als Schafwolle zum Ausgangsmaterial. Aber erst unter den ebenso geschickten wie fleißigen Frauenhänden von Ines Richter (rechts) und Tochter Tina fügt sich die flauschige Wolle zu den dekorativen Schaustücken.

Foto: Roberto Burian

Kisten, gefüllt mit bunter Wolle, stehen auf den Tischen im Saal des Kunstkreises in Bad Blankenburg. Ines Richter und Tochter Tina treffen letzte Vorkehrungen, rücken ein Fläschchen zurecht, glätten die ausgelegte Noppenfolie und blicken kontrollierend auf die Wollvorräte. Es ist Freitagnachmittag, in Kürze beginnt ihr Workshop „Filzen für Groß und Klein“.

Langsam füllt sich das Zimmer, fast ausschließlich mit Frauen. Männer besuchen diesen sehr, sehr selten. Zugegeben die Szenerie liegt schon ein paar Monate zurück. Dann kam Corona. Doch die beiden Frauen sind sich sicher, dass es schon bald wieder weitergeht. Filzen ist ihr Hobby und sie sind froh, diese uralte Technik als wunderbaren Ausgleich zu ihren Berufen, als Krankenschwester und Lehrerin gefunden zu haben.

Durch Zufall zum Hobby gekommen

Per Zufall ist Ines vor Jahren zu diesem Hobby gekommen: Die Tochter hatte ihr einen Kurs Filzen in der Volkshochschule bei Gisela Mackelday geschenkt. Die ist eine Koryphäe, was das Filzen angeht. Die Textilkünstlerin aus Storchsdorf, die heute noch von ihrer Ausbildung in den 1980-er Jahren in der Rudolstädter Ludwigsburg schwärmt, arbeitet als selbstständige Künstlerin.

„Dort haben wir zuerst gelernt, Ketten und Äpfel zu filzen und Gisela hat uns in die Geheimnisse des Filzens eingeweiht. Etwa, was mit den Fasern beim Filzen passiert, wie lange wir filzen müssen, damit es richtig fest ist, wie die Wolle ausgelegt werden muss, um keine Löcher zu bekommen und vieles mehr“, sagt Ines Richter.

Gefilzt wird nass oder trocken mit Märchenwolle/Merinowolle. Tina filze am liebsten nass, sagt sie. Dazu benötige man eine Seifenlauge. Dazu eine kleine Schüssel, Handtücher und Noppenfolie. Wenn etwa eine Blüte nass gefilzt werden soll, sucht man die Farben aus und legt die Wolle dünn und dachziegelartig in der Blütenform auf der Folie aus. Danach wird die Wolle mit der Seifenlauge eingenässt, die Noppenfolie über die Blüte gedeckt und mit den Händen die Wolle leicht angedrückt.

Was folgt, sind kreisende Bewegungen auf der Folie. So kann die Blüte zwischen den Folien nicht mehr verrutschen, das Muster bleibt erhalten und verfilzt. Durch das Reiben verbinden sich die Wollfasern miteinander. Wenn die Blüte schon recht fest gefilzt ist und man nichts mehr abzupfen kann, wird gewalkt. Dies passiert in einem Handtuch oder auch in einer Bambusmatte. „Das Ganze ist eine feuchte Angelegenheit. Im Sommer gehen wir deshalb gern in den Garten filzen“, schmunzelt die 31-Jährige.

Für Anfänger eignen sich Styroporfiguren

Ines filzt dagegen gern trocken. Beim Trocken-, auch Nadelfilzen genannt, werden spezielle Filznadeln mit Widerhaken verwendet. Mit den Nadeln wird wiederholt in die Wolle gestochen, dadurch entsteht eine feste Form. Für Anfänger eignen sich Styroporfiguren, da ist die Form schon vorgegeben. Die Einfachheit der Technik ermutigt sie immer wieder, neue, eigene Ideen in Filz umzusetzen. So erblickten Teddys, Katzen, Hunde, Zwerge und so manches mehr das Licht der Welt.

„Es macht Freude zu erleben, wie aus ein paar Wollfasern schöne Dinge entstehen und ein alle Sinne befriedigendes Ergebnis sicht- und fühlbar ist“, sagt sie. Darüber hinaus wirke die Bewegung entspannend und fördere die innere Ruhe.

Märchenhäuser, Tannenbäume, Taschen, Kissen, Tiere, Blumen, Weihnachtskränze, Hausschuhe, Deko-Artikel und vieles mehr finden im Kunstkreis, zu den Stadtfesten oder bei der Adventsmeile reißenden Absatz. Jetzt gibt sie ihr Wissen weiter. Seit acht Jahren bieten Mutter und Tochter mittlerweile in der Fröbelstadt die eingangs erwähnten Kurse an. Dass das Filzen nicht weit verbreitet ist, wissen sie. „Es ist kein Trendhandwerk“. Das mache ihnen jedoch nichts aus, denn sie haben ihre Passion gefunden.

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