Deutscher Gartenbuchpreis: Haentzschel vom MDR Garten in Jury

Sibylle Göbel
| Lesedauer: 5 Minuten
Durch jährlich mehr als 200 Neuerscheinungen muss sich ein Gartenbuch-Experte wie Jens Haentzschel arbeiten. Der Weimarer wurde jetzt in die Jury berufen, die den Deutschen Gartenbuchpreis vergibt. Foto: Sabine Brandt

Durch jährlich mehr als 200 Neuerscheinungen muss sich ein Gartenbuch-Experte wie Jens Haentzschel arbeiten. Der Weimarer wurde jetzt in die Jury berufen, die den Deutschen Gartenbuchpreis vergibt. Foto: Sabine Brandt

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Der Weimarer Journalist Jens Haentzschel ist in die Jury berufen worden, die am Freitag, 9. März, auf Schloss Dennenlohe in Bayern den Deutschen Gartenbuchpreis 2012 in fünf Kategorien vergibt. Unsere Zeitung sprach mit Haentzschel, der seit zehn Jahren als freier Autor und Regisseur für die Fernsehsendung "MDR Garten" arbeitet, in der er auch Neuerscheinungen zum Thema Garten vorstellt.

Die neue Besinnung auf ein Leben im Einklang mit der Natur und die Sehnsucht nach unbelasteten Lebensmitteln bringen viele Menschen dazu, sich einen Kleingarten entweder zuzulegen oder den vorhandenen Garten wieder für den Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern zu nutzen. Spiegelt sich dieser Trend auch im Bereich der Gartenbücher wider?

Bücher zum Thema "Selbstversorgung" liegen gerade voll im Trend, gar keine Frage. Entsprechend viele Bücher werden angeboten, kaum ein Verlag kommt an diesem Thema vorbei. Was sich zudem abzeichnet, ist, dass es meist Bücher von jungen Menschen sind, die ihre ersten Erfahrungen im Obst- oder Gemüseanbau niederschreiben. Junge, alternative Gartenbücher sind ein weiterer Trend. Hier bewegt sich sehr viel. Zum Beispiel gibt es ein wunderbares Buch aus der alternativen Ecke: "Mit Samenbomben die Welt verändern" von Josie Jeffery stellt vor, wie man mit wenig Aufwand Fläche begrünen kann, nämlich mit kleinen Erdkugeln voller Samen, die dann weggeworfen werden und keimen. Dann gibt es das sehr informative Buch mit "Vom Gärtnern in der Stadt", denn auch die Städte erleben einen Gartenboom.

Gärtnern erlebt auch einen Boom in den Städten

Durch wie viele Neuerscheinungen muss sich ein Gartenbuchexperte jährlich lesen? Und was unterscheidet empfehlenswerte von weniger guten Büchern?

Ich lese ganz bestimmt nicht alle Bücher, würde auch nie diesen Anspruch haben, denn es gibt weit mehr als 200 Neuerscheinungen pro Jahr, ganz gleich ob beim etablierten Sachbuchverlag oder beim Regionalverlag. Am Ende ist es subjektiv, ob man Bücher gut findet oder nicht. Das gehört aber dazu. Ich sehe meine Arbeit als Entdeckungsreise durch die Welt der grünen Literatur, und da ich gerne lese, kann es auch mal eine Erzählung oder ein Krimi sein.

Ich hatte in letzter Zeit das Gefühl, die meisten Bücher stellen Frauen in ihren Gärten vor, dabei ist doch der Beruf des Gärtners traditionell männlich. Gibt es keine Bücher zu diesem Thema?

Doch - mit Punktlandung. Stefan Leppert ist ein wunderbarer Autor, der aktuell auch ein Buch über Männer und ihre Gärten geschrieben hat. "Sein Garten" ist der griffige Titel. Das Buch stellt Männer mit grünen Daumen vor und ist ebenso klug beobachtet wie geschrieben.

Was zeichnet ein Buch aus, das Sie empfehlen können?

Ich denke, wenn man sich in einem Buch festblättert, dann ist es gut. Bei Sachbüchern würde ich selbst nie blind kaufen, sondern einfach am Ende des Buches in den Registern schauen, welche Themen meine Gartenprobleme betreffen, welche Antworten oder Anregungen ich gerne für meinen Gartenumbau finden möchte oder ob mich das Buch optisch anspricht. Das unterscheidet Roman und Sachbuch. Was die Auswahl anbelangt, gibt mir meine Neugier das eine oder andere Thema vor.

Wie kamen Sie selbst zum Thema Garten - und wie kam es zur Berufung in die Jury?

Ich arbeite ja für die Ratgeber-Sendung "MDR Garten". Da ich schon immer Bücher mochte, haben wir eines Tages mal probeweise Bücher vorgestellt, und es dann, weil die Kollegen nicht locker ließen, regelmäßig getan. Da wir die einzige Gartensendung im deutschsprachigen Raum sind, bei der das Thema Bücher ein Schwerpunkt ist und ich schon früh als Journalist beim Deutschen Gartenbuchpreis dabei war, kam vor einigen Monaten die Anfrage, ob ich in der Jury mitarbeiten möchte.

Beackern Sie selbst eine Scholle? Oder muss jemand, um die Qualität eines Gartenbuches einschätzen zu können, nicht zwingend Praktiker sein?

Ich mag Gärten, bin gerne unterwegs und über die Jahre sammelt sich da auch Wissen an, aber für den eigenen Garten fehlt die Zeit. Ich sehe mich auch eher als Vermittler zwischen dem großen Angebot von Gartenbüchern und den Gartenfreunden, insofern muss ich kein klassischer Praktiker sein. Jemand sagte mal, dass Pfarrer auch gerne vom Garten Eden reden, aber ihn noch nie besucht haben. So halte ich das auch ein wenig.

Englische Gartenkunst vom Feinsten

Gibt es ein Gartenbuch, das Sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden?

Unbedingt. Ich habe vor vielen Jahren das Buch "Pinnegars Garten" von Reginald Arkell gelesen. Es entführt in die klassische englische Gartenkunst, ein Buch voller Zuversicht und Glück im Grünen. Ich lese es immer wieder gerne, denn es hat eine so wunderbar britische Stimmung mit viel Charme, Witz und Eigenwilligkeit.

"MDR Garten" mit Gartenbuchtipps am Dienstag, 6. März, 15.30 Uhr, im MDR-Fernsehen