Wolfssichtung in Ostthüringen bestätigt: Stausee-Wolf ist amtlich

Saalfeld/Jena  Experten stufen die Videos von Altenbeuthen und Kleingeschwenda in die höchste Beweiskategorie ein.

Eine Wolfs-Aufnahme bei Altenbeuthen.

Eine Wolfs-Aufnahme bei Altenbeuthen.

Foto: Sven Urban

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Es ist tatsächlich ein Wolf, der in den letzten Tagen in der Region südlich des Hohenwarte-Stausees unterwegs war. Sowohl die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt wie auch das Wolfs-Management der Landesanstalt TLUG haben am Donnerstag bestätigt, dass zumindest auf zwei Videos zweifelsfrei ein Wolf zu identifizieren war.

Untersucht wurden von den Experten Fotos und Videos, die Anwohner und Jäger seit der ersten Sichtung bei Gahma (Saale-Orla-Kreis) am vorigen Mittwoch aufgenommen wurden und teils im Internet kursieren.

Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde waren vor Ort, um zu überprüfen, ob die Bilder und Kurzfilme tatsächlich dort aufgenommen wurden, wie es die Einsender beschrieben hatten. Den Grund dafür beschreibt Elena Jeß vom Wolfs-Management mit der schieren Flut derartiger Bilder. Wenn jedes der kursierenden Fotos einen Wolf zeigen würde, müssten in Thüringen bereits um die hundert Isegrims herumlaufen – was mit der Realität, wie sie Förster und Jäger erleben, nicht zu vereinbaren ist. Maximal die Hälfte der angeblichen Beweise sei wenigstens in Thüringen aufgenommen, der Rest meist aus dem Internet gegriffen, teils sogar mit Wölfen, die in Wirklichkeit in Skandinavien oder Kanada gefilmt wurden. Immerhin: An der Authentizität der Bilder und Videos aus dem Stausee-Oberland gibt es laut Jeß keinen Zweifel.

International abgestimmte Kriterien der Beweisschärfe

Ob allerdings in jedem Fall tatsächlich ein Wolf festgehalten wurde, ist nicht so ganz eindeutig. Jess erläutert die nach international abgestimmten Kriterien fixierten Kategorien der Beweisschärfe: „C1“ ist ein zweifelsfreier Nachweis, etwa anhand von Totfunden, Fellresten oder verifizierter Bilder. Die Stufe „C2“ erreichen Hinweise von wolfserfahrenen Personen, die etwa Pfotenspuren melden und dokumentieren. „Da reichen aber nicht schon drei Trittsiegel“, erläutert Jeß, „die Spur muss schon wenigstens über 200 Meter gehen und auch von der Schrittlänge und -variation passen.“ Unter „C3“ schließlich werden unbestätigte Hinweise erfasst, also zum Beispiel Fotos, die Tiere zu unscharf oder in zu großer Entfernung zeigen, um sie zweifelsfrei als Wolf zu identifizieren.

Und wie ist es nun mit den Wolfsbildern der letzten Tage? Jeß klickt durch ihr Register. Die Sichtung von Gahma ist nur ein „C3“, die Aufnahme zu matt, um auszuschließen, dass dort vielleicht nur ein Wolfshund zum Wald lief. Die Videos, die nahe Altenbeuthen und Kleingeschwenda aufgenommen wurden, sind als „C1“ eingestuft. Heißt also: Dort war der Wolf wirklich.

Ob es sich aber um dasselbe oder verschiedene Tiere handelt, konnte nicht eindeutig ermittelt werden. Die Naturschutzbehörde geht aber bislang von nur einem Wolf aus, der ein „normales Verhalten“ an den Tag lege, sodass wohl keinerlei ernstzunehmende Gefahren für Menschen bestünden.

Nutztierhalter allerdings sollten Vorkehrungen treffen. Dazu gibt es neben dem Thüringer Wolfsmanagementplan seit Ende November die Förderrichtlinie Wolf und Luchs, die Zuschüsse für Prävention und Schadenausgleich regelt – und zwar nicht nur für das bisherige sogenannte Wolfsgebiet im 30-Kilometer-Umkreis von Ohrdruf, sondern für den ganzen Freistaat, wie das Umweltministerium auf Nachfrage betont. Gefördert werden investive Herdenschutzmaßnahmen wie neue und optimierte Herdenschutzzäune sowie Herdenschutzhunde, und das im Unterschied zu bisher in voller Höhe der Anschaffungskosten.

Zur interaktiven Wolfskarte: (Stand: Anfang Dezember 2018)

Wolf offenbar auf Wanderung am Hohenwarte-Stausee

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